Und plötzlich ist es still

Wenn ich morgens meine Wohnung im grünen Stadtrand verlasse, erfreue ich mich oft so wunderbaren Geräuschen wie Vogelgezwitscher, raschelnden Blättern im Wind und Gesprächen zwischen Anrainern. Ich sauge diese feine, akkustische Kulisse in mich auf, denn ich weiß leider, dass diese in wenigen Minuten verstummt. Spätestens, wenn ich drei Stationen mit der Straßenbahn hinter mir habe, tauche auch ich in eine der größten Idiotien des 21. Jahrhunderts ein: Ungebremster Innenstadtverkehr.

Ich nenne es gerne das Krebsgeschwür moderner Städte – und wahrlich braucht es eine radikale Wortwahl, um die Dramatik angemesen weiterzutragen. Eines vorweg: Ich bin kein Autohasser. Ich liebe Autofahren und die mobile Freiheit. Doch das, was uns visionslose PolitikerInnen hier passiv geschaffen haben, kann man nur als eine der größten Idiotien der Neuzeit sehen. Würde man Stadtplaner aus dem 19. Jahrhundert mittels Zeitmaschine in die Neuzeit holen, sie würden es nicht fassen können. Sie wären schockiert von der Untätigkeit der Verantwortlichen und überwältigt vom negativen Ausmaß des urbanen Verkehrschaoses. Sie hielten uns für verrückt.

Im Großstadt- Koma

Jetzt mal zum Begreifen: Die Stadt, in der wir leben und arbeiten ist ein LEBENSraum. Unser LEBENSraum. Wer von uns würde sich diesen Verkehr bewusst wünschen? Wer würde ihn vermissen? Doch der Mensch ist wie der bekannte Frosch im Topf, der wenn man ihn ins kalte Wasser setzt und es dann langsam erhitzt, nicht merkt, dass er lebendig gekocht wird. Da fahre ich täglich an Cafes und Restaurants mit Tischen im Freien vorbei. Mit Staunen beobachte ich dort Menschen, die es schaffen die 50dB Lärm (und den Gestank), der nur wenige Meter vor ihrer Nase vorbei düst, nicht einmal mehr wahrnehmen. Sie befinden sich für mich in einer Art Koma.

Untätig und ignorant sitzen unsere “PolitikerInnen” im Rathaus und wagen es nicht dieses heißes Eisen anzufassen. Natürlich haben sie Angst vor Citymaut und Fahrverboten. Sie könnten dabei ja ihren bequemen Sessel bei der nächsten Wahl abgeben müssen. Auch Victor Gruen, der visionäre, österreichische Architekt und Stadtplaner, wurde 1974 bekämft und erhielt sogar Morddrohungen, als er die Wiener Kärntner Straße zur Fußgängerzone machen wollte. Heute gilt sie – auch für die untätigen PolitikerInnen – als stolzes Vorzeigeprojekt der Stadt Wien. Jaja, zuerst wird man belächelt, dann bekämpft und am Ende gefeiert.

Weg vom bösen Auto – hin zu positiven Zukunftsbildern

Wir müssen umdenken. Vor allem die VerantwortungsträgerInnen mit Gestaltungsmacht. Selbstverständlich will niemand seine bequemen Gewohnheiten ändern. Niemand mehr für seine notwendige Mobilität zahlen. Niemand will sich heute “einschränken” lassen. Deshalb braucht es einen Fokuswechsel: Es braucht endlich positive Zukunftsbilder. Versuchen wir es doch und stellen uns vor, wie es wäre, wenn Wien die lärmfreiste, gesündeste und sicherste Stadt der Welt wäre. Wollen wir das nicht alle – vor allem für unsere Kinder? LÄRMFREI. GESUND. SICHER. Könnt ihr es euch vorstellen? Könnt ihr es – nicht – hören?

Ich weiß, es scheint aus der Mode gekommen sein, aber positive Bilder bewegen, fesseln und motivieren. Da will man mitmachen. Anpacken. Ich persönlich träume von einem Wien, das es sich zum Ziel gesetzt hat ein Leuchtturm unter den globalen Großtstädten zu werden. Ein Touristenmagnet und ein lebenswerter Wohnort. Ein Ort an dem die Praxis der Zukunft passiert. Wir müssen weg vom Jammern über das, wie Wien heute ist, hin zu den kraftgebenden Bildern, wie Wien morgen sein könnte.

Natürlich. Für große Ziele braucht es Mut zum Risiko. Natürlich muss das Öffi Ticket günstiger werden. Natürlich muss mehr Raum für RadfahrerInnen & FußgängerInnen geschaffen werden. Natürlich muss der mobile Verkehr Schritt für Schritt reduziert werden und E-Mobilität gefördert werden. Und: Man muss systemisch intelligent ansetzen. Parkhäuser am Stadtrand müssen konsequent kostenlos sein, um so leicht zum Umsteigen einzuladen. JA – man wird investieren müssen. In unsere Zukunft. Das lohnt sich aber.

LÄRMFREI. GESUND. SICHER.

Zum Abschluss ein wunderbares Zitat von David Feinstein & Stanley Krippner, das sich jeder Politiker über den Schreibtisch hängen sollte, um es jeden Tag im Blick zu haben. Es würde so viel ändern. Ja, ich bleibe Optimist.

“Positive Zukunftsbilder sind eine mächtige und magnetisch wirkende Kraft. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen uns und diesen Bildern. Sie ziehen uns voran und geben uns Energie, Mut und Willenskraft, in wichtigen Augenblicken die Initiative zu ergreifen. Negative Vorstellungen der Zukunft haben ihren eigenen Magnetismus: Sie ziehen unsere Lebensgeister hinunter auf den Weg der Verzweiflung und Kraftlosigkeit.”

Besser geht’s immer. Also bitte lassen wir auch das Argument, wie toll Wien in diversen (fraglichen) Rankings dasteht in der Trollkiste. Es geht nicht um einen Vergleich nach unten. Und überhaupt: Unter den Blinden ist der Einäugige König.

Innovation? Nicht labern, machen!

Was mir zum Thema Innovation einfällt? Wo soll ich da anfangen. Doch fragen wir besser, was der Unterschied zwischen linearer Weiterentwicklung und Systeminnovation ist. Ignorieren wir die Heerschar von Experten, die vor allem eines machen: Über Innovation reden… Blicken wir vor allem auf die Leistungsfähigkeit von Nachhaltigkeit als Ideenquelle für radikale Innovationen und eine lebenswerte Zukunft. Das macht Sinn und hat Substanz. Am Ende bleibt nur eine Aufgabe: (Zeit)Räume zum Neudenken schaffen und nicht nur über den eigenen Tellerrand hinaus blicken, sondern gleich den lauwarmen Suppentopf verlassen.

Reflexartig kamen in mir zwei Fragen hoch, als ich gebeten wurde einen Beitrag zu den Themen Innovation & Zukunft für dieses Buch beizusteuern. Was ist Innovation eigentlich? Und: Wenn wir von Zukunft sprechen, welche wünschen wir uns denn, welche ist erstrebenswert?

Ein neues Verständnis für Innovation

Sie werden mir wohl zustimmen, wenn ich meine, das Wort Innovation sei eines der am stärksten missbrauchten Worte. Heute ist nahezu alles innovativ. Die Wirtschaft und das politische System haben das strahlende Wort geentert und verwenden es wie die Damenwelt Wimperntusche. Man macht sich attraktiver und kann dort wo eigentlich nichts (bzw. zu wenig) ist, täuschende Effekte erzeugen. Das ist in meinen Augen bedenklich, denn wenn hinter dem Wortsymbol „Innovation“ kein gemeinsames Verständnis steht, wird auch eine ernsthafte Auseinandersetzung und Kommunikation darüber erschwert.

Immer öfter wird der österreichisch-amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter für die Definition des Begriffes herangezogen, nach dem Innovation die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung im Produktionsprozess ist. Die bloße Idee bzw. Erfindung alleine reichte ihm nicht aus. In diesem Zusammenhang definierte Schumpeter auch den berühmten Begriff der „schöpferischen Zerstörung“, die mit wahren Innovationen einhergeht. Wirklich Neues steht in Konkurrenz mit Altem, seien es Produkte oder Dienstleistungen. Natürlich ist es fraglich ob ein Laie, Journalist oder Politiker im Stande ist eine wahre Innovation (nach Schumpeter‘s Kriterien) in den vielfältigen, komplexen und sich schnell verändernden Branchen und Disziplinen bewerten zu können.

Doch in den letzten Jahren hat mich vor allem eine Sichtachse auf den Begriff Innovation schwer beeindruckt und inspiriert. Diese stammt von Bruno Weisshaupt, der 2006 ein unscheinbares Büchlein mit dem Titel Systeminnovation auf den Markt brachte. Schon im einleitenden Kapitel bringt er eine kritische Perspektive ein, die ich als ungemein wichtig empfinde, wenn wir uns heute mit Innovation auseinandersetzen wollen.

[…] Weil Innovation in den meisten Fällen für nichts anderes steht als die lineare Weiterentwicklung des schon Bekannten, für Produktinnovation, die sich nur an der funktionellen Aufgabenstellung orientiert und sich nur innerhalb der traditionellen Systemgrenzen bewegt […]

Für Weisshaupt erfolgen lineare Innovationen in Zyklen – die auch zu einem logischen Ende kommen müssen. Nämlich dann, wenn der Aufwand ein Produkt zu verbessern in keiner Relation mehr zum Wert des Produktes selbst steht. In den folgenden Kapiteln bringt er wunderbare Beispiele, in denen das linear-kausale Denken von Ingenieuren schon längst am Ende ist und dennoch weiter gemacht wird. Das Ziel von Heute ist aber eben keine lineare – schneller, weiter, höher – Innovation, sondern eine vernetzt gedachte Systeminnovation.

[…] Systeminnovation versteht sich als disruptive Innovation, die eben nicht immer und immer wieder unter derselben Laterne den Fortschritt sucht, die sich von der rein funktionalen, technisch geprägten Sicht auf das Produkt löst, die traditionelle System- und Strukturgrenzen aufbricht und einen neuen Blickwinkel einnimmt: den des Kunden, den des Marktes. Dass der Kunde im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht, wird zwar kaum weniger oft erwähnt wie das unter Marketing Menschen und Technikern gleichermaßen beliebte Schlagwort Innovation. In beiden Fällen gilt allerdings: Solange man sich in den alten, gewohnten Strukturen bewegt, wird sich am Gesamtzusammenhang wenig ändern […]

Buch: Systeminnovation, Bruno Weisshaupt, Orell Füssli Verlag 2006 (ISBN: 3-280-05199-1)

Für mich eine absolute Bibel für alle im Innovationsumfeld tätige Menschen. Dabei hat Bruno Weisshaupt wohl mit Weitblick den Begriff Systeminnovation® als Marke schützen lassen. Ein guter Schachzug, um nicht auch hier in eine inflationäre Verwendung zu driften.

Und wahrlich ist es beeindruckend, wie konsequent der Großteil der Entwicklungen am Kundennutzen vorbei schießen. Ein für mich schönes Beispiel ist der Markt der Smartphones. Hier versuchen sich die Hersteller stetig mit neuen Leistungsdaten zu übertreffen. Wirklich neuer Kundennutzen entsteht dabei selten. Nur das iPhone hat in meinen Augen einen Haupttreffer erzielt. Ich denke dabei an den unscheinbaren, mechanischen Kippschalter, mit dem man zwischen „lautlos“ und „normal“ Modus wechseln kann – ohne den Bildschirm aktivieren und mit mehreren aufwendigen Schritten das Profil wechseln zu müssen. Warum dies bis heute von keinem anderen Hersteller kopiert wurde zeigt die verblendete Sicht der Entwickler.

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Dieser Beitrag ist Teil der BLÖGGER Blog Parade zum Thema “Link Kultur”

“Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit als Währung dient und Links ein wertvolles Gut sind. In der Blogosphäre übernehmen sie die Rolle eines Verkehrsnetzwerkes, das Leser zu weiteren Informationen und Wissen hilft indem es Verbindungen zwischen den Beiträgen erzeugt. Dennoch hat die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen”

Wir sind müde. Wir sind überfordert. In den letzten Jahren hat sich im Web viel getan. Die Geschwindigkeit ist rasant und die Informationslawine hat uns voll erwischt. Voller Neugier und Faszination haben wir uns hinein gegraben, haben gebloggt, gelesen und ausprobiert. Doch mit der Zeit wurde aus dem Spielen harte Arbeit. 100 Blogs zu lesen und zu kommentieren wird schnell zum überfordernden Tagesgeschäft. Dazu kam noch das ewig hungrige Vogerl – alias das schwarze Loch Twitter.

Dass wir früher oder später mal an einen Punkt kommen, wo man instinktiv zu macht, war klar. Sage ich heute neunmalklug. Aber echt: Immer öfter treffe ich Blogger, die selbst keine anderen Blogs lesen. Was für eine paradoxe Situation. Vor einem Jahr straften wir Leute, die keinen Feedreader benutzten, noch mit verächtlichen Blicken ab. Und heute? Sind wir alle überhebliche Editorial Schreiber geworden, genau wie jene Angestellten von Massenmedien, die wir anfangs so stark kritisierten? Wo ist der Dialog, der Austausch und das Interesse an den eigenen Themen? Wenn jeder nur noch sich selbst liest, dann ist der Schritt zur eigenen Facebook Fanseite nicht mehr weit.

Immer mit vorne dabei. Das macht müde…

Es ist menschlich. Wenn das anfangs so spannende Bloggen plötzlich zur lästigen Dauerarbeit wird, kann man (soll man) die Sache auch hinterfragen. Wir, die Speerspitze der selbstzerstörerischen Multitasking Generation, steigen plötzlich aus. Oder laufen wir einfach nur davon?

Die Spielphase ist vorüber und ob von den Jahren des Investments ein solides, zukunftsfähiges Fundament übrig bleibt liegt in unseren Händen. Wollen wir das alles einfach so in den Müll kippen? Was ist heute schon noch eine Blogroll wert? Selbst ein österreichischer Ur-Blogger wie Hannes Treichl hat überhaupt keine mehr. Ich selbst weiß nicht genau, wann ich meine das letzte mal „gepflegt“ habe. Vor einigen Monaten habe ich die Reißleine gezogen und meine rund 200 Blog Abonnements gelöscht. Es war zu viel. Burnout.

Wir liegen im Koma. Und schaden damit vor allem uns selbst. Verlinkungen sind ja nicht nur menschlich eine nette Sache. Sie heben auch die ganzen „Szene“. Mehr Verlinkungen bedeutet mehr Relevanz in den Augen von Gott Google. Und das führt zu einer höheren Relevanz in der Gesellschaft.

Aber noch viel dringlicher sehe ich die Frage: Wozu dann überhaupt noch schreiben?

In einem gemeinsamen Reflektieren, kamen Peter Wallner und ich zum Schluss, dass die primäre, wichtigste Zielgruppe unserer Blogs, andere Blogger sind. Branchenkollegen, helle Köpfe und kritische Geister, Vor- und Neudenker die unsere Beiträge lesen und uns Feeback geben, Standpunkte und Ideen aufgreifen und weiterspinnen. Den Horizont erweitern. Neue Perspektiven erlangen. Gemeinsam weiter kommen, das wollen wir. Oder um was geht es sonst?

Und ich rufe mal wieder öffentlich ein Ziel aus. Ich gelobe Besserung. Ich werde mich ernsthaft um meine Blogroll kümmern, die derzeit wie ein halbtoter Fikus daher kommt. Erbärmlich. Und ja, ich lese Blogs. Zwar selektiver aber auch bewusster.

Und nun mal unter uns. Damit wir das auch alle begreifen. Wir sind ja fast da. Beinahe angekommen, in der so lange schon hochstilisierten Wissensgesellschaft.

Klar, noch stecken wir im Morast der Informationsgesellschaft. Und es mag wichtig sein, dass wir hier eine Unterscheidung sehen. Information ist nicht gleich Wissen. Und eine Informationsflut spült jeden Nährboden für Wissen fort. Da kann nichts wurzeln. Nur untergehen.

Und so müssen wir die Sache mit neuen Augen sehen. Blogs als das erkennen, was sie sein können. Als wichtiges Tool einer dezentralen Wissensgesellschaft. Viele kleine Wissensfabriken. Oder zumindest deren Schauräume. So lange wir aber weiter nur unkommentierte Links weiterschieben, vergiften wir uns selbst. Alles und immer kann nur zu viel sein. Die ständige Twitter-Furzerei bleibt heiße Luft.

Ich hoffe auf die Renaissance der Blogs – noch heuer. Jaja, nennt mich hoffnungslosen Optimisten. Doch es braucht eine Wiederbelebung der Link Kultur. Gerade Neulinge handeln nach jenen Kulturpraktiken die Ihnen vorgelebt werden. Derzeit wäre das gegenseitiges Ignorieren. Das kann es ja wohl nicht sein. Ich für mich entscheide mich dagegen.

Verlinkungen sind essenziell für unseren Weg zur Wissensgesellschaft und die Basis einer gesunden Blogosphäre. Die Übung lautet: Konzentration auf das Wesentliche. Weniger ist mehr. Und: Ein neues, bewusstes und selektives Lese- und Schreib- Management. Denn mit einer neuen Zeitqualität im Social Web kommt die Kultur der Verlinkung von selbst (zurück).

Wir sehen uns beim Blogtail!

Die Entscheidung. Das Schwert des Entrepreneurs

Bevor ich diese Zeilen hier begann, versuchte ich eine Entscheidung zu treffen wie ich diesen Blogartikel anlege. Soll ich es provokant, emotional und pessimistisch angehen? Mich über das österreichische Wachkoma in Sachen Unternehmertum beschweren? Die Medien zerfetzen, weil sie bis dato zu dumm sind angestellte Manager ohne Risiko, von echten Unternehmern mit Pioniergeist und Mut zu unterscheiden? Oder gleich das ganze österreichische Wertesystem ankreiden, dass mir noch immer so erscheint, als gäbe es Monarchie und Ständestaat?

Oder aber gehe ich den US-amerikanischen „Yes we can“ Weg und juble die fantastischen Möglichkeiten in den Himmel, die wir als UnternehmerInnen in einem Land wie Österreich haben? Soll ich die Vorteile und Chancen herausstreichen, die der Weg des Unternehmers in sich trägt? Von meiner brennenden Leidenschaft erzählen Neues zu erschaffen, coole Projekte zu starten?

Ich muss mich entscheiden

Und gerade in dieser Phase der Entscheidung erkannte ich darin den für mich stimmigen Einstieg in diesen Artikel. Es ist die Entscheidungskraft. Diese möchte ich als Aufhänger verwenden, weil sie sozusagen die Meta-Eigenschaft des Entrepreneurs ist, ohne die er keiner wäre. Es ist sein schärfsten Schwert, bei alle den anderen Eigenschaften und Fähigkeiten, die der perfekte Entrepreneur so haben könnte.

Denn: Ja wer sind wir denn, dass wir diese Chance nicht nutzen? In einem der reichsten Länder lebend, verwöhnt mit einem (nein das ist nicht zynisch gemeint) guten Bildungssystem, gebettet auf rund 50 Jahre Aufschwung ohne Krieg. Ja wer sind wir denn, dass nicht mal die Bildungselite begreift, dass wir da ein fettes, großes, buntes Geschenk vor uns liegen haben?

Man nimmt uns die Sicht

Wir sind vielleicht verwöhnt – vor allem aber sind wir verblendet. Verblendet und abgelenkt von großen Marken, bildschönen Entertainment Angeboten und steilen Karrieren, die am Ende des Tages vor allem eines bedeuten: Innere Kündigung und die Suche nach dem Sinn.

Willst Du gründen? „Ja sicher, aber erstmal will ich ein paar Jahre Erfahrung sammeln“. Im Rahmen eines 0-8-15 Jobs in einem Konzern, wo man schöne Visitenkarten mit wichtigen Titeln bekommt. „Key Account Manager“: What the fuck? Wie kann das für einen jungen Menschen erstrebenswert sein? Es bleibt mir ein Rätsel. Mein geistiger Fluchtweg ist die Überzeugung, dass es eben keine bewussten Entscheidungen sind. Kann ja gar nicht sein. Wer wählt freiwillig ein Leben bei dem er in einem Korsett der individuell sinnlosen Verpflichtungen gezwängt wird? Wie kann eine Generation die im Überfluss aufgewachsen ist akzeptieren, dass sie nur 5 von 52 Wochen selbst über ihre Zeit bestimmen darf? Dass man 8 Stunden, 5 Tage die Woche (und mehr) etwas nur deshalb tut, weil man eben Geld verdienen muss, welches man dann im richtigen Leben (in der Freizeit) ausgibt. Darf man das moderne Massen-Prostitution nennen? Ich tue es mal.

Versklavung 2.0

Ich flüchte mich in die Annahme, dass das alles nicht bewusst geschieht und baue darauf meine Theorie auf, dass es eben daran liegt was einen Entrepreneur ausmacht. Er entscheidet sich anders und muss – zwangsläufig – davor in der Lage sein inne zu halten, um die Tragweite seiner Entscheidungen zu erkennen. Er muss die Zukunft sehen können, die Optionen und Varianten, denn ohne dieser Phantasie bleibt er in der ewig langsamen Schlange hin zum Hamsterrad der modernen Versklavung.

Jawohl, Versklavung. Mehr ist es nicht, was heute in vielen Unternehmen geschieht. Und wenige wissen, dass in der Zeit der Industrierevolution weltweit hitzige Debatten stattfanden, ob es ethisch überhaupt vertretbar ist, Leute „anzustellen“ und damit zu zwingen zu fixen Zeiten in Fabriken zu arbeiten. Das freie Wochenende und die paar Wochen Urlaub sind da nicht mehr als eine präventive Maßnahme, die man getrost mit dem inhaltslosen TV Programm in die Ecke der Ablenkungen schieben kann. Gibt dem Volk Brot und Spiele, dann mucken sie nicht auf.

Das ist wie Stillstehen bei einer Runde Völkerball

Doch zurück: Was macht den Entrepreneur aus? Er entscheidet sich. Das klingt einfach, beinhaltet aber eben schon mal die Fähigkeit überhaupt zu begreifen wohin die eigenen, bewussten und unbewussten Entscheidungen führen werden. Und natürlich ist es auch eine Entscheidung, wenn ich trotz Unzufriedenheit im Job oder Orientierungslosigkeit am Ende des Studiums – NICHTS unternehme. Nichts ändere. Das ist wie Stillstehen bei einer Runde Völkerball.

Es sind Entscheidungen und das draus folgende, entschlossene Handeln mit all seinen Risiken und Konsequenzen, die einen Entrepreneur ausmachen. Natürlich, dafür ist nicht jeder gemacht und muss auch nicht jeder gemacht sein. Ganz so schwarz-weiß ist die Welt natürlich nicht (es gibt auch sinn-volle Berufe). Meine provokante Darstellung bezieht sich auf jene die es grundsätzlich in sich tragen und dennoch den Absprung nicht schaffen.

Consulting Parasiten und die große Angstkeule

Sie sind begeistert von erfolgreichen Unternehmern, die später den erfolgreichen Managern weichen – in Ihrer Vorbild Funktion. Eigentlich wollen sie. Sie spüren es. Doch den letzten entscheidenden Schritt zur Entscheidung, den schaffen sie nicht. Und lassen sich anschließend 5 Jahre vom Consulting-Parasit aussaugen, bevor er sie zurück auf die Straße spuckt.

Und der Gegenwind ist stark, die „Agenten“ die uns in der vorgegaukelten Matrix halten wollen lauern überall. Gerade in Österreich sind es vor allem die engsten Vertrauten die uns oft nicht ermutigen sondern uns eine mit der großen Angstkeule überziehen. „Tu Dir das nicht an“ hört man dann, wenn man vom Gründen spricht.

Und wahrlich, es ist ja auch einfacher und bequemer einen Job zu suchen und sich ins System fallen zu lassen. Ein Unternehmen aufzubauen (und damit meine ich persönlich nicht die Karriere als Freelancer oder Ein-Personen-Unternehmen) ist mit einer Expedition gleichzusetzen. Hart, herausfordernd, unberechenbar… Lohnend! Doch in unserer Sicherheitskultur herrscht der Tenor: Ihre Sorgen möchten wir haben. Pioniergeist und Wagemut werden vielleicht gerade noch im online casino spiel oder im (abgesicherten) Extremsport ausgelebt.

Da hilft es auch nicht, dass Universitäten uns Unternehmertum lehren wollen. Das Paradoxon wird nicht mal erkannt. Überhaupt labern uns alle mögliche Angestellten voll und erklären uns warum schon wieder was nicht gehen kann. Da kann ich auch gleich Schminkkurse anbieten.

Ein wenig herb im Abgang

„Schumpeter? Noch nie gehört. War der bei „Deutschland such den Superstar?“. Der alte Haudegen ist auch gefährlich. Will ein zementiertes Wirtschaftssystem, bestehend aus ein paar Superkonzernen den wirklich „schöpferische Zerstörer“?

Ich möchte meine Zeilen mit den drei wesentlichen Dingen (zusammengefasst von Cornelia Geißler), die laut Schumpeter Antrieb für den Wagemut und die Risikobereitschaft sind – fast unkommentiert – abschließen. Manchen werden sie bedenklich stimmen, anderen schlecht bekommen, andere werden sie sofort ausdrucken und im Büro aufhängen. Ich sehe sie als spannenden Impuls und Geschenk für viele, spannende Diskussionen über Unternehmertum von heute.

(1) Die Motive des Entrepreneurs sind “egoistisch gefärbt – auch in der Bedeutung von gesteigertem Egoismus, Rücksichtslosigkeit”. Er legt keinen Wert auf Tradition und Beziehungen und ist der Hebel, der Bindungen durchbricht.

Anmerkung: Hier würde ich eine Veränderung vom rein egoistisch gefärbten hin zum idealistisch gefärbten Entrepreneur erkennen. Stichwort „Social bzw. Sustainability Entrepreneurship“. Die Rücksichtslosigkeit ist hoffentlich noch vorhanden, wenn sie gegenüber etablierten Machtstrukturen wie der Energieindustrie ausgelebt wird.

(2) “Der Traum und der Wille, ein eigenes privates Reich zu gründen”, treibt Entrepreneure an. Damit einher gehen Risikofreude, der Spaß am Kämpfen und Konkurrieren. Der Entrepreneur betrachtet “wirtschaftliches Handeln als Sport”. Dahinter verbirgt sich das Streben nach Macht und das Bedürfnis, die eigenen snobistischen Tendenzen zu bedienen.

Wer hat nun gerade nicht einen „Das ist aber nicht gut“ Reflex? Und warum eigentlich?

(3) Entrepreneure besitzen einen enormen Kraftüberschuss. Diesen verwandeln sie in “Freude am Gestalten”, wo andere sich mühsam durch ihren Arbeitsalltag schleppen. Schumpeters Fazit: Entrepreneure sind dafür verantwortlich, dass sich die Wirtschaftsstruktur unaufhörlich von innen heraus revolutioniert, alte Strukturen zerstört und neue schafft, “schöpferische Zerstörung” eben.

Ob Schumpeter das heute auch so sehen würde?

(!) Geschrieben im Rahmen Mingo Blogparade „Entrepreneurship“.

Nachhaltigkeit auf Twitter

Auf der Suche nach weiteren Personen, die sich mit Nachhaltigkeit (Umweltschutz, Soziales, Ökologie, Energie, u.v.a.) beschäftigen, will ich den stark wachsenden Mikro-Blogging Dienst Twitter mal nach diesen spannenden Leuten durchsuchen. Dieses Tool gewinnt zunehmend an Bedeutung – und das nicht nur in der Web/IT Szene.

Suchen & Finden: Das geht – gerade im Web 2.0 – natürlich am besten gemeinsam. So beginne ich hier (mit den mir bekannten) eine Liste und erbitte um Eure Mithilfe für Ergänzungen, sodass die (deutschsprachige) Liste rasch wächst und wir viele spannende Vor-, Quer- und Neudenker entdecken!

Als Meta-Verteiler dient der Twitter Account http://www.twitter.com/nachhaltigkeit . Bitte folgen!

Voraussetzung:

(1) Tatsächlicher, thematischer Nachhaltigkeitsbezug

(2) Keine offiziellen Accounts politischer Parteien & Funktionären

18 Antworten auf 18 Anti-Twitter Thesen

Der PR Blogger Klaus Eck hat 18 Anti-Twitter-Thesen veröffentlicht und ich konnte nicht anders, als eine entschärfende Gegendarstellung zu erstellen. Er wollte es ja so. Für jene, für die Twitter ein Fremdwort ist, sollten sich vorab bei Wikipedia schlau machen.

Klaus Eck schrieb:

Nach mehr als 4.000 Twitter-Updates, der regelmäßigen Lektüre von 481 Twitter-Abonnements sowie dem Bedienen von 1.335 Twitter-Followers mit Infohäppchen ist es an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen und sich den Vorurteilen gegenüber Twitter zu stellen. Es heißt schließlich immer wieder: Twitterer haben viel zu viel Zeit, oder warum sonst sollten sie regelmäßig die Welt mit ihren Kleinstinformationen beglücken, die vermutlich kaum jemanden interessieren? Zum Arbeiten kommt man bei all dem Getwittere doch eigentlich gar nicht mehr. Angestellten sollten man deshalb lieber das Twittern während der Arbeitszeit untersagen. Im folgenden präsentiere ich alle mir bekannten Anti-Twitter-Thesen als Advocatus Diaboli und freue mich auf Ihren Widerspruch (?):

Also Klaus, hier mein schneller Widerspruch, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit stellt.

1. Twittern kostet viel Arbeitszeit

Twittern kostet soviel Zeit, wie man investiert. Natürlich: Wenn man keine Disziplin hat und sich wie ein kleines Kind von allerlei bunten Sachen ablenken lässt, dann hat man ein Problem. Aber nicht nur durch Twitter, sondern ganz allgemein im Business.

2. Twittern verhindert jede Konzentration

Verhindert die Konzentration? Möglich. So wie die Arbeitskollegen, die Sucht nach Nikotin, die SMS der Freundin, die Spass Emails von Freunden und das ständig läutende Telefon. Da muss man Twitter nicht als den Teufel an die Wand malen. Auch hier gilt: Ein gesunder Umgang mit dem Medienkanal „Twitter” ist möglich.

3. Twittern schadet der Online-Reputation

Es gibt keine Regel die sagt, twittere über alles und nichts. Wie bei Blogs auch, kann man auch bei Twitter eine Art Mini-Redaktionskonzept entwickeln und dadurch seine online Reputation verstärken. Auch hier gilt: Der richtige Umgang mit dem Tool führt zum Erfolg.

4. Twittern ist gleich Information Overload

Wer unüberlegt Hunderten von Leuten über Twitter folgt ist selbst schuld, wenn er einen Informations-Overload erfährt. Ein achtsamer Umgang mit seinen Abos ist wie auch bei Newslettern, Blog Feeds und Tageszeitungen entscheidend. Keiner zwingt Sie, jedem der Ihnen auf Twitter folgt auch zu folgen.

5. Twitterer werden süchtig

Ob man von Twitter süchtig wird liegt wiederum an der jeweiligen Person. Nur weil man ein Glas Wein trinkt wird man nicht automatisch alkoholabhängig. Menschen die sich und ihren Medienkonsum nicht im Griff haben sind allgemein gefährdet, das reduziert sich nicht auf Twitter.

6. Twitterer haben keine Privatsphäre mehr

Twitter ist ein Tool. Wie man es persönlich einsetzt muss jeder für sich entscheiden. Die neue Transparenz im Internet ist allgemein eine Gefahr, doch sie ist nicht neu. Natürlich ist die Schwelle eine 140 Zeichen Twittermeldung via Handy ins Netz zu schicken geringer als im Rausch einen Blogbeitrag zu schreiben, aber auch hier gilt: Man hat es selbst in der Hand. Twitter veröffentlicht nicht automatisch peinliche Details von Ihnen, das tun noch immer sie selbst.

7. Twitterer kennen keine Persönlichkeitsrechte

Das ist durchaus eine Gefahr, welche in der Twitter Gemeinschaft thematisiert werden sollte. Das Problem ist aber auch bei online Fotoalben, Social Networks & Co gegenwärtig und kein spezifisches Twitter Problem.

8. Twitter orientieren sich nicht am Profit

Eine Reduktion von Twitter auf einen Marketingkanal greift zu kurz. Nicht jeder ist ständig an Eigen-PR interessiert. Twitter ist für viele Nutzer mehr ein halböffentlicher Gruppenchat mit Kollegen und Freunden, der im Vergleich zu einer Skype Konversation unverbindlicher und unaufdringlicher wirkt. Gleichzeitig kann man dem Twitter-Netzwerk einfach nur „zuhören” und findet immer wieder wertvolle Hinweise fürs Business, die private Entwicklung und die Freizeit.

9. Es gibt keine klaren Zielgruppen

First Mover sind in vielen Fällen auch die starken „Vermittler” in ihrem sozialen Umfeld. Heißt: Erreiche ich einen dieser Vermittler, erreiche ich gleichzeitig ein Vielfaches durch ihn selbst. Dazu kommt, dass die meisten Twitterer auch Blogger sind, die Informationen die sie über Twitter erhalten auch in ihren Blog weitertragen. Noch spannender ist das oft verwendete Tool, die Twitter Updates automatisch in sein Facebook Profil einzubinden. Damit kommen auf den durchschnittlichen Twitterer wohl bei die 100 potentielle Leser&innen. Twitterer sind in ihrem Umfeld Opinionleader und nicht selten die Story-Trüffelschweine für konventionelle Journalisten.

10. Twittern ist Chaos

Das die Technik zu kompliziert ist, das hörte man auch von PCs, Handys, usw. Alles eine Frage der Medienkompetenz und der Durchdringung der eigenen Branche. Früher oder später muss man auf den Zug aufspringen oder man wird von ihm überfahren. Natürlich gibt es viele Top Manager die nicht einmal selbst die Emails schreiben, aber diese aussterbende Rasse erledigt sich von selbst.

11. Twitter-PR funktioniert noch nicht wirklich

Wie schon oben erwähnt, sind gerade die Twitterer auch Blogger, transferieren die Infos von Twitter in die Blogoshpäre und dort tummeln sich inzwischen viele einschlägige Journalisten. Aber warum sollte man PR Aktionen auch „nur” in Twitter platzieren? Twitter ist ein zusätzlicher Kanal den man nutzen kann. Sich nur auf ihn zu verlassen macht natürlich wenig Sinn.

12. Unternehmen wollen keine Transparenz

Hier ist natürlich ein koordinierten Vorgehen nötig. Unternehmen können sich durch das Abo von Stichwörtern (Hashtags) auch ein Bild davon machen, wer was über das eigene Unternehmen veröffentlicht. Ob ein Unternehmen eine sinnvolle und funktionierende Kommunikationspolitik bei den Mitarbeitern realisieren konnte ist eine andere Frage, aber keine Twitter-spezifische.

13. Twitterer werden zu persönlich

Auch hier gilt: Man bestimmt selbst, was man sagt und von sich preisgibt. Eine verstärkte Thematisierung der Gefahren ist sinnvoll. Dennoch ist Twitter nicht „the big brother” der ohne mein Zutun Informationen von mir weitergibt.

14. Twitterer sind keine Freunde

Eine universelle Aussage, die einfach nicht stimmt. Ob man via Twitter Arbeitskollegen, Branchen Gurus oder seinen Freuden folgt, bestimmt jeder selbst. Somit kann man hier keine allgemeine Aussage treffen.

15. Ein Twitter-Burnout kommt schnell

Ein Burnout entsteht nur dann, wenn man es übertreibt. Das ist bei Twitter so wie beim Arbeiten allgemein. Hier kann man entgegen steuern und sollte daran arbeiten sich selbst im Griff zu haben.

16. Twitter-Marketing funktioniert nicht

Für Twitter gilt wie bei allen anderen Social Media Marketing Kanälen: Bei richtigem Umgang kann man was erreichen, man sollte sich aber keine utopischen Erwartungen machen. Alle Social Media Marketing Kanäle sind noch wenig erforscht und aktuelle Kampagnen gehören zu Prototypen. Ein vorschnelles Abtun von Twitter als kraftvolles Instrument in einem Social Media Marketing Konzert ist mir zu schnell.

17. Twitter selbst ist unzuverlässig

Auf welche Social Media Dienste, wo oft junge Startups dahinter stehen, kann man sich verlassen? Kann man sich überhaupt auf jemanden verlassen? Selbst auf Microsoft (oder aktuell diverse Großbanken) ist nicht immer Verlass, oder?

18. Twitter hat nichts mit dem Ernst des Lebens zu tun

Auch hier sollte man Twitter nicht in eine entweder-oder Diskussion stoßen. Twitter ist ein sinnvolles Tool, das bestehende offline Netzwerke stärken kann. Es bietet sich wunderbar zum Austauschen von beruflichen Erfolgen, zum unverbindlichen Anfragen eines gemeinsamen Lunch Termines oder zum Aufbau eines einfachen Mentoring Netzwerkes. Denn: Auch bei Twitter kann man private Nachrichten verschicken, oder seine Update „schützen” und selbst bestimmen, wer diese lesen darf und wer nicht.

Also. Ist Twitter so böse?

Ich denke wir stehen am Anfang eines neuen Tools, das wiederum gerade mit Social Networks verschmilzt. Wohin das führt? Ich antworte mit einem meiner Lieblingszitate:
“Wenn wir über die Zukunft reden, dann müssen wir uns über etwas ganz Neues unterhalten.” (Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker)

Update: Eine interessante Zusammenfassung verschiedener Meinungen zu twitter gibt es im Themenblog

Barcamp: Der Charme des Zwanglosen

Meine regelmäßigen LeserInnen haben von diesen mysteriösen Barcamps schon öfter gehört. Diese Unkonferenzen, die rund um den Globus stattfinden und primär einen elitären Zirkel von Webprofis und Blogger anziehen. Vom 4.- bis 5. Oktober fand auch in Wien wieder ein Barcamp statt (nun schon seit 2 Jahren), welches locker die 100er Grenze überschritt.

Doch warum funktioniert dieses Konzept so gut?

Vor mehr als 2 Jahren in den USA geboren, breitet sich die Idee dieser Unkonferenzen zum informellen Wissensaustausch rasend aus. Auf allen Kontinenten sind sie zu finden und es werden immer mehr. In letzter Zeit trifft man unter den Teilnehmern auch immer mehr Exoten (also nicht-Web&IT-Profis) und das Konzept wird für andere Schwerpunktthemen übernommen (z.B. Tourismus Barcamp).

Wo liegt die Genialität? Warum trifft das Konzept Barcamp den Nerv der Zeit und ist augenscheinlich ein Kultur und Branchen unabhängiges (übergreifendes) Model für eine neue Art von Wissensaustausch?

Ein Versuch einer ersten Analyse:

1. Die Mischung macht’s (oder: machst Du!)

Durch die natürliche Verbreitung durch Mundpropaganda, die sich nicht auf Branchenkanäle reduziert, sondern sich innerhalb bestehender sozialer Netzwerke bewegt, entsteht ein angenehmer Mix unter den Teilnehmern&innen. Jung/Alt, Experte/Laie, Freelancer/Angestellte/Unternehmer, etc. Diese Mischung wiederum erlaubt andere Gedankensprünge, Ideenimpulse und Sichtweisen. Die Interdisziplinarität provoziert Querdenken und Neudenken.

2. Ehrlichkeit & Mitgestaltung ist Trumpf

Durch den Open-Space Charakter und dem lockeren Umgang in den einzelnen Sessions werden langweilige, Energie-raubende Keynote Speeches und Podiumsdiskussionen vermieden. Anstatt Top-down wird eine partizipative Kultur gelebt. Jeder kann mitgestalten, mitreden und präsentieren. Ist eine Session doch mal langweilig, kann man eingreifen oder diese einfach wieder verlassen. Wie ehrlich (Man stelle sich das bei einem konservativen Wirtschaftskongress vor!).

3. Tool-unterstütze Vernetzung

Durch die transparente, öffentliche Anmeldeliste (oft innerhalb eines Wikis), kann man schon vor dem eigentlichen Event Kontakt mit den Leuten aufnehmen und Treffen vor Ort vereinbaren. Damit ist der Output im Sinne der wertvollen, neuen Kontakte garantiert. Diese Transparenz mindert auch die Hemmschwellen auf fremde Leute zu zugehen. Natürlich ist gerade die junge Webszene in diesen neuen Welten von Social Networks & Co aufgewachsen und bewegt sich entsprechend spielend. Schon während dem Barcamp bekommt man dann oft Kontaktanfragen auf XING, Facebook & Co, da viele der Teilnehmer mit Laptop vor Ort sind und Pausen für dieses Aufarbeiten der neuen Kontakte nutzen.

4. Crowdsourcing der Bewertung & Erkenntnisse

Ein ganz wichtiger Punkt für mich: Anstatt einige Tage/Wochen später eine Konferenznachlese zu erhalten, die natürlich nur eine PR Meldung der Veranstalter ist, wird bei Barcamps die Generierung eines Resümees und das Festhalten der Erkenntnisse gemeinsam erarbeitet. Hier profitieren die Unkonferenzen von der hohen Dichte von Bloggern, die alle schon während oder zumindest wenige Tage nach dem Barcamp einen eigenen, subjektiven Rückblick veröffentlichen. Die vielen Berichte der persönlichen Highlights, neuen Erkenntnisse, Ideen und Kritikpunkte, vereinen sich so zu einem umfassenden Rückblick, der gleichzeitig entstandenes Wissen speichert und als bestes PR Instrument für die nächste Konferenzen fungieren. Wie einfach. Wie wertvoll, im Vergleich zu den nichtssagenden Zeilen konventioneller Konferenzen, verfasst von einem Angestellten der Eventagentur.

Ein nachhaltiges Konzept

Und so läuft und läuft und läuft…. das System Barcamp. Und noch weiter. Der wirklich grenzgeniale Ansatz dieser Unkonferenzen liegt für mich noch wo anders. Es ist der Grundgedanke einer ungezwungenen, Individuen-getriebene Reproduktion des Konzeptes. Jeder darf/kann/soll ein Barcamp organisieren. Jeder darf/kann/soll kommen (keine Konferenzgebühren). Logos, Anleitungen und Hilfestellungen sind zur freien Verfügung im Internet. Von Beginn an verzichteten die „Erfinder” auf Kontrolle und Markenrechte. Sie schufen ein System, dass bei seiner Reproduktion und Verbreitung an biologische Mikrosysteme erinnert.

Ja, ich bin fasziniert von Barcamps. Nach inzwischen hunderten von Konferenzen in verschiedensten Branchen bin ich von deren Genialität überzeugt. Man kann es auch anders ausrücken: Barcamps sind die nachhaltigste Form von Konferenzen mit dem Ziel Vernetzung und Wissenstransfer.

Deshalb liegt auch nichts näher, also schon 2009 (in Wien) das erste Barcamp zum Thema „Sustainability” auf die Beine zu stellen. Mehr dazu bald hier.

Nochmals ein herzliches Dankeschön an das Organisationsteam (rund um Dieter) vom Barcamp Wien!

Pecha Kucha Wien: In der Kürze liegt die Würze

Nach Barcamp schwappt ein weiteres, frisches Eventformat über den Atlantik zu uns herüber: Pecha Kucha Night. Ursprungsidee: Kreative Köpfe (primär Design, Architektur) präsentieren ein Projekt, eine Idee, ihre Vision mittels 20 Slides, wobei jede maximal 20 Sekunden angezeigt werden darf. Damit dauert jede Präsentation 6 Minuten und 40 Sekunden. Das klingt doch mal knackig.

Erfunden wurde Pecha Kucha von Astrid Klein und Mark Dytham, die diese Präsentationscharakteristik erstmals im Rahmen einer Design Veranstaltung anwendeten. Die PR/Eventagentur brainiacs und das Architekturbüro BKK-3 haben das spannende Event im Herbst 2007 nach Wien gebracht und organisieren seit nunmehr regelmäßig Pecha Kucha Nights im Museumsquartier.

Wie groß diese Sache schon geworden ist, zeigt ein Blick auf die globale Website www.pecha-kucha.org. In mehr als 120 Städten rund um den Globus findet der Event bereits statt. Nichts ist so stark, wie eine Idee deren Zeit gekommen ist, sagte schon Victor Hugo.

Also, wer selbst mal präsentieren möchte, bzw. bei der nächsten Pecha Kucha Night dabei sein will, findet alles unter www.pechakucha.at. Ich bin auf jeden Fall beim nächsten Termin dabei.

Video (oben): Ein Beispiel einer Pecha Kucha Präsentation inklusive Erklärung.

Beobachtungen zur Barcampkultur

Die Raumbestuhlung war das Erste, was der Kultur eines Barcamps widersprach. Die Eröffnungsrede eines FH Vertreters ebenso. Das Wlan vor Ort aber kann sinnbildlich für das erste Politcamp genommen werden. Ein Wlan, ein kostenloser Zugang zum Internet, aber als unsichtbarer Hotspot eingerichtet, der nur mit Username und Passwort zugänglich war. Was auch nicht bei allen funktionierte. Es wirkte umständlich, protektionistisch und verschlossen.

 

Raum schafft Kultur, haben mir schon meine Architektur Professoren eingeprägt. Nach einem Barcamp in der Uni Klagenfurt, einem Politcamp in der FH Joaneum in Graz, einem Barcamp in den Räumlichkeiten von Microsoft und eines im Szenelokal WerkzeugH in Wien, zeigen auf wie wahr dieser Spruch doch ist. Meine Präferenz? Microsoft’s Büroräumlichkeiten, gefolgt vom WerkzeugH.

 

Die universitären Wirkungsstätten haben entgegen beide keine Sympathien in mir wecken können. Der vorherrschende Geist einer Rollenteilung zwischen „Wissenden“ und den „Unwissenden“ ist eben so gar nicht mein Ding und widerspricht dem Grundgedanken eines Barcamps. Welcher das ist, wissen nach meiner Beobachtung und den Gesprächen die ich geführt habe inzwischen die wenigsten der Teilnehmer&innen. Was ich meine? Das Grundprinzip, dass sich Menschen treffen, um sich gegenseitig Wissen zu vermitteln, Impulse zu geben, kontrovers zu Diskutieren und Antworten auf Fragen der Zeit zu erarbeiten. Für so eine Kultur sind aber Universitäten in keiner Weise gebaut und Studierende, die in der Zwangsjacke des Bildungssystems stecken nicht gemacht. Ich mag übertreiben, aber das traue ich mich jetzt einfach mal.

 

In meiner Diskussions-Session mit Olaf Nitz (Titel: Das interessiert eh Niemanden) haben wir es uns getraut, die starre Schulklassenstruktur des Seminarraumes aufzureißen und eine große Tafel zu schaffen. Klassische Sitzreihen nach dem Volksschulprinzip sind unpassend. Das hat übrigens was mit einem weiteren Eckpfeiler der Barcamp Kultur zu tun. Wenn dir etwas nicht passt, dann mach es besser, verändere es, sei du die Veränderung, die du haben willst.

 

Ein weiteres Grundprinzip, dass im Sterben liegt: Wer an einem Barcamp teilnimmt, dort etwas lernt, Wissen von anderen „geschenkt“ bekommt, soll sich auch bemühen etwas zurück zu geben. Also sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was er weitergeben könnte. Die vielleicht typische Österreichische Mentalität „Des schau i mir erst amol an“ passt da wenig. Ein Barcamp soll keine Einbahnstraße werden, nicht zur klassischen Konferenz werden.

 

Dazu gehört – meiner engen Haltung nach –  auch, dass ich keinen Pseudo-Stargästen fixe Präsentationszeiten einräumen würde. So geschehen im Falle diverser Politiker. Sehr positiv konnte sich bei diesem Politcamp nur der Grünen-Politiker Christoph Chorherr positionieren, der einfach teilnahm, neugierig mitdiskutierte und sich wirklich Zeit nahm. Bravo.

 

Nein, dass soll nicht heißen, dass dieses Politcamp von Heinz Wittenbrink ein Reinfall war. Im Gegenteil. Gerade durch dieses Aufeinanderprallen der Kulturen, was besonders Michael Schuster sehr spannend präsentierte, kommt etwas in Bewegung. Es ist ja oft so, dass uns erst wenn etwas nicht passt, etwas fehlt, auffällt wie es sein sollte.

 

So hinterlässt dieses erst Politcamp in Graz bei mir viele Gedanken, die es verdienen weiter geführt zu werden. Und die Frage, wie man dem Kulturverlust bei Barcamps entgegensteuern kann. Kann man?

 

Nachdem Olaf und ich aber bemerkten, dass wir auf solcherlei Events schon mehr Zeit miteinander verbringen, als er mit seiner Freundin Urlaub fährt, sollten wir da neue Antworten finden. Denn wenn sich mal das Gefühl, dass sich die investierte Zeit nicht lohnt, weiter verbreitet, bleibt uns nur der Gang zum Grabe.

 

Oder ist das alles sogar gut? Steht uns ein gesunder Tod einer Kultur der GenerationX bevor? Muss  eine GenerationY seine Kultur selbst gestalten? Noch gibt es mit Helge Fahrnberger und Michael Schuster zwei aktive, alte Hasen, die das Barcamp nach Österreich geholt haben und die Kultur bis heute aktiv mitgestalten.

 

Oder übertreibe ich jetzt, mit einer Rollenzuteilung die sich eher klassisch anfühlt und fast nach einer „Betriebsnachfolgeregelung“ ruft? Wie auch immer, dennoch bewegt es mich. So dynamisch und unverpflichtend sich die Szene darstellen mag, so geht es dennoch um echte soziale Netze mit Kulturen und Aufgaben. Und das ist nie nebensächlich. Schon gar nicht, wenn man ein Teil davon ist.

Blogkette: Und ab geht die Post

Der Infopirat & Wissen belastet wollen das Sommerloch stopfen und rufen zu einer Blogkette auf. Mein Blog hat zwar kein Sommerloch, aber ein paar Fans auf Technorati wären eine feine Sache! Ich bin dabei. .
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Infopriat erklärt: “Ganz einfaches Prinzip: Mach Infopirat bei Technorati zu Deinem Favoriten und ich mache Deinen Blog dafür im Gegenzug zu meinem”
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1. Mach Besser|geht’|immer zu Deinem Favoriten bei Technorati: Mach mich zu Deinem Favoriten bei Technorati
2. Schreibe einen kleinen Beitrag bei Dir zum Thema “Technorati Blogkette” und fordere Deine Leser auf daran teilzunehmen (und auch zu Dir zu linken)
3. Verlinke diesen Artikel hier
4. Ich checke bei Technorati ob Du Infopirat verlinkt hast und füge Dich dann meinen Favoriten bei Technorati hinzu
5. Sollte ich Dich vergessen, oder Du möchtest das ganze gerne beschleunigen, schreib hier einen Kommentar und füge Deinen “Add to Technorati” Link ein.
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Mach das gleiche mit all den anderen Bloggern, die auf den Zug aufgesprungen sind beispielsweise online-casino-osterreich.at, eine Liste aller Teilnehmer findest Du bei Infopirat (ich spare mir das Einfügen einer weiteren Liste, die dann schnell nicht aktuell ist!) Für alle “Nicht-Blogger”. Wäre schön, wenn ihr trotzdem Fan von meinem Blog werdet. Das hilft mir, ich freue mich und es ist mit wenigen Klicks erledigt