18 Antworten auf 18 Anti-Twitter Thesen

Der PR Blogger Klaus Eck hat 18 Anti-Twitter-Thesen veröffentlicht und ich konnte nicht anders, als eine entschärfende Gegendarstellung zu erstellen. Er wollte es ja so. Für jene, für die Twitter ein Fremdwort ist, sollten sich vorab bei Wikipedia schlau machen.

Klaus Eck schrieb:

Nach mehr als 4.000 Twitter-Updates, der regelmäßigen Lektüre von 481 Twitter-Abonnements sowie dem Bedienen von 1.335 Twitter-Followers mit Infohäppchen ist es an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen und sich den Vorurteilen gegenüber Twitter zu stellen. Es heißt schließlich immer wieder: Twitterer haben viel zu viel Zeit, oder warum sonst sollten sie regelmäßig die Welt mit ihren Kleinstinformationen beglücken, die vermutlich kaum jemanden interessieren? Zum Arbeiten kommt man bei all dem Getwittere doch eigentlich gar nicht mehr. Angestellten sollten man deshalb lieber das Twittern während der Arbeitszeit untersagen. Im folgenden präsentiere ich alle mir bekannten Anti-Twitter-Thesen als Advocatus Diaboli und freue mich auf Ihren Widerspruch (?):

Also Klaus, hier mein schneller Widerspruch, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit stellt.

1. Twittern kostet viel Arbeitszeit

Twittern kostet soviel Zeit, wie man investiert. Natürlich: Wenn man keine Disziplin hat und sich wie ein kleines Kind von allerlei bunten Sachen ablenken lässt, dann hat man ein Problem. Aber nicht nur durch Twitter, sondern ganz allgemein im Business.

2. Twittern verhindert jede Konzentration

Verhindert die Konzentration? Möglich. So wie die Arbeitskollegen, die Sucht nach Nikotin, die SMS der Freundin, die Spass Emails von Freunden und das ständig läutende Telefon. Da muss man Twitter nicht als den Teufel an die Wand malen. Auch hier gilt: Ein gesunder Umgang mit dem Medienkanal „Twitter” ist möglich.

3. Twittern schadet der Online-Reputation

Es gibt keine Regel die sagt, twittere über alles und nichts. Wie bei Blogs auch, kann man auch bei Twitter eine Art Mini-Redaktionskonzept entwickeln und dadurch seine online Reputation verstärken. Auch hier gilt: Der richtige Umgang mit dem Tool führt zum Erfolg.

4. Twittern ist gleich Information Overload

Wer unüberlegt Hunderten von Leuten über Twitter folgt ist selbst schuld, wenn er einen Informations-Overload erfährt. Ein achtsamer Umgang mit seinen Abos ist wie auch bei Newslettern, Blog Feeds und Tageszeitungen entscheidend. Keiner zwingt Sie, jedem der Ihnen auf Twitter folgt auch zu folgen.

5. Twitterer werden süchtig

Ob man von Twitter süchtig wird liegt wiederum an der jeweiligen Person. Nur weil man ein Glas Wein trinkt wird man nicht automatisch alkoholabhängig. Menschen die sich und ihren Medienkonsum nicht im Griff haben sind allgemein gefährdet, das reduziert sich nicht auf Twitter.

6. Twitterer haben keine Privatsphäre mehr

Twitter ist ein Tool. Wie man es persönlich einsetzt muss jeder für sich entscheiden. Die neue Transparenz im Internet ist allgemein eine Gefahr, doch sie ist nicht neu. Natürlich ist die Schwelle eine 140 Zeichen Twittermeldung via Handy ins Netz zu schicken geringer als im Rausch einen Blogbeitrag zu schreiben, aber auch hier gilt: Man hat es selbst in der Hand. Twitter veröffentlicht nicht automatisch peinliche Details von Ihnen, das tun noch immer sie selbst.

7. Twitterer kennen keine Persönlichkeitsrechte

Das ist durchaus eine Gefahr, welche in der Twitter Gemeinschaft thematisiert werden sollte. Das Problem ist aber auch bei online Fotoalben, Social Networks & Co gegenwärtig und kein spezifisches Twitter Problem.

8. Twitter orientieren sich nicht am Profit

Eine Reduktion von Twitter auf einen Marketingkanal greift zu kurz. Nicht jeder ist ständig an Eigen-PR interessiert. Twitter ist für viele Nutzer mehr ein halböffentlicher Gruppenchat mit Kollegen und Freunden, der im Vergleich zu einer Skype Konversation unverbindlicher und unaufdringlicher wirkt. Gleichzeitig kann man dem Twitter-Netzwerk einfach nur „zuhören” und findet immer wieder wertvolle Hinweise fürs Business, die private Entwicklung und die Freizeit.

9. Es gibt keine klaren Zielgruppen

First Mover sind in vielen Fällen auch die starken „Vermittler” in ihrem sozialen Umfeld. Heißt: Erreiche ich einen dieser Vermittler, erreiche ich gleichzeitig ein Vielfaches durch ihn selbst. Dazu kommt, dass die meisten Twitterer auch Blogger sind, die Informationen die sie über Twitter erhalten auch in ihren Blog weitertragen. Noch spannender ist das oft verwendete Tool, die Twitter Updates automatisch in sein Facebook Profil einzubinden. Damit kommen auf den durchschnittlichen Twitterer wohl bei die 100 potentielle Leser&innen. Twitterer sind in ihrem Umfeld Opinionleader und nicht selten die Story-Trüffelschweine für konventionelle Journalisten.

10. Twittern ist Chaos

Das die Technik zu kompliziert ist, das hörte man auch von PCs, Handys, usw. Alles eine Frage der Medienkompetenz und der Durchdringung der eigenen Branche. Früher oder später muss man auf den Zug aufspringen oder man wird von ihm überfahren. Natürlich gibt es viele Top Manager die nicht einmal selbst die Emails schreiben, aber diese aussterbende Rasse erledigt sich von selbst.

11. Twitter-PR funktioniert noch nicht wirklich

Wie schon oben erwähnt, sind gerade die Twitterer auch Blogger, transferieren die Infos von Twitter in die Blogoshpäre und dort tummeln sich inzwischen viele einschlägige Journalisten. Aber warum sollte man PR Aktionen auch „nur” in Twitter platzieren? Twitter ist ein zusätzlicher Kanal den man nutzen kann. Sich nur auf ihn zu verlassen macht natürlich wenig Sinn.

12. Unternehmen wollen keine Transparenz

Hier ist natürlich ein koordinierten Vorgehen nötig. Unternehmen können sich durch das Abo von Stichwörtern (Hashtags) auch ein Bild davon machen, wer was über das eigene Unternehmen veröffentlicht. Ob ein Unternehmen eine sinnvolle und funktionierende Kommunikationspolitik bei den Mitarbeitern realisieren konnte ist eine andere Frage, aber keine Twitter-spezifische.

13. Twitterer werden zu persönlich

Auch hier gilt: Man bestimmt selbst, was man sagt und von sich preisgibt. Eine verstärkte Thematisierung der Gefahren ist sinnvoll. Dennoch ist Twitter nicht „the big brother” der ohne mein Zutun Informationen von mir weitergibt.

14. Twitterer sind keine Freunde

Eine universelle Aussage, die einfach nicht stimmt. Ob man via Twitter Arbeitskollegen, Branchen Gurus oder seinen Freuden folgt, bestimmt jeder selbst. Somit kann man hier keine allgemeine Aussage treffen.

15. Ein Twitter-Burnout kommt schnell

Ein Burnout entsteht nur dann, wenn man es übertreibt. Das ist bei Twitter so wie beim Arbeiten allgemein. Hier kann man entgegen steuern und sollte daran arbeiten sich selbst im Griff zu haben.

16. Twitter-Marketing funktioniert nicht

Für Twitter gilt wie bei allen anderen Social Media Marketing Kanälen: Bei richtigem Umgang kann man was erreichen, man sollte sich aber keine utopischen Erwartungen machen. Alle Social Media Marketing Kanäle sind noch wenig erforscht und aktuelle Kampagnen gehören zu Prototypen. Ein vorschnelles Abtun von Twitter als kraftvolles Instrument in einem Social Media Marketing Konzert ist mir zu schnell.

17. Twitter selbst ist unzuverlässig

Auf welche Social Media Dienste, wo oft junge Startups dahinter stehen, kann man sich verlassen? Kann man sich überhaupt auf jemanden verlassen? Selbst auf Microsoft (oder aktuell diverse Großbanken) ist nicht immer Verlass, oder?

18. Twitter hat nichts mit dem Ernst des Lebens zu tun

Auch hier sollte man Twitter nicht in eine entweder-oder Diskussion stoßen. Twitter ist ein sinnvolles Tool, das bestehende offline Netzwerke stärken kann. Es bietet sich wunderbar zum Austauschen von beruflichen Erfolgen, zum unverbindlichen Anfragen eines gemeinsamen Lunch Termines oder zum Aufbau eines einfachen Mentoring Netzwerkes. Denn: Auch bei Twitter kann man private Nachrichten verschicken, oder seine Update „schützen” und selbst bestimmen, wer diese lesen darf und wer nicht.

Also. Ist Twitter so böse?

Ich denke wir stehen am Anfang eines neuen Tools, das wiederum gerade mit Social Networks verschmilzt. Wohin das führt? Ich antworte mit einem meiner Lieblingszitate:
“Wenn wir über die Zukunft reden, dann müssen wir uns über etwas ganz Neues unterhalten.” (Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker)

Update: Eine interessante Zusammenfassung verschiedener Meinungen zu twitter gibt es im Themenblog