Bloggen ist tot. Es lebe das Bloggen!
Regelmäßig erschleicht mich das Gefühl, dass das mit dem Bloggen nicht mehr so richtig lohnt. Dabei meine ich gar nicht einen monetären Rückfluss, sondern mehr ein gefühlter Lohn in Form von Feedback, Impulsen und Zufällen, die sich aus diversen Blogbeiträgen ergeben. Doch dann schreibe ich und meine Zweifel sind weg.
Social Web Kanäle wie twitter & facebook haben – paradoxer Weise – das Fundament der Blogosphäre unterspült und zum Einstürzen gebracht. Eben drückte Peter Eich dieses Gefühl auf twitter mit dem Kommentar „Das Bloggen war vor 5 Jahren echt lustiger. Heute ruft man in den Wald, und nur aus Facebook schallt es zurück. Blöd.“ aus.
Jaja, die Form der Medienkanäle ändern sich, die Kommunikationskultur mit ihnen. Aber: „Was ist denn eigentlich das Wesen des Geschriebenen?“ – wie es Peter Wallner bei einem Glühwein vor Jahren in Wien formulierte. Gesendet, geliked oder retweeted zu werden? Oder doch einen Unterschied zu machen, etwas in anderen Menschen zu bewegen und zum Weiterdenken einzuladen?
Ich kann mich noch gut an meinen Besuch der inzwischen gestorbenen Waldzell Dialoge erinnern. Dort war vor Jahren eine Diskussion über „Was können wir alle für den nachhaltigen Wandel tun“ entbrannt. Neben pseudo-esoterischen Aussagen meldete sich ein älterer Herr im Publikum, der voller Energie dafür appellierte, jeder solle seinen Blog nützen, um das Thema voran bringen.
Ich war damals positiv irritiert, war es doch eine Zeit in der man in Österreich mit Bloggen sehr alleine war, vor allem wenn man nicht über IT, Web und das Bloggen selbst schrieb. Ich sprach den Herren im Anschluss dann an. Er war ein gewisser Alan Webber, US-Amerikaner und Gründer von fastcompany, eines der erfolgreichsten Business Magazins der Welt.
Also zahlt sich das Bloggen noch aus? Ich antworte auf diese Frage immer mit „Ja“ – und muss mir ab und an selbst die Argumente vor Augen führen. Denn ein Blog ist deshalb schon lohnend, weil er einen Rahmen, eine freundlich zwingende Struktur darstellt, um sich mit seinem Tun, seinen Themen und Gedanken auseinander zu setzen. Ein wertvoller Reflexionsraum. Alles weitere ist Bonus.
Wie soll ich wissen was ich denke, wenn ich nicht höre, was ich sage – lautet ein tolles Zitat von Graham Wallas, das man für das Bloggen gut anpassen kann:
Wie soll ich wissen, was ich erkannt habe,
wenn ich nicht lese, was ich schreibe.
Und überhaupt: Wenn wir den medialen Raum den immer seichter werdenden Massenmedien, substanzlosen aber selbstbewussten Schreihälsen und hysterischen Schwarzsehern überlassen, dann begehen wir einen fahrlässigen Fehler. Das Schweigen von Intellektuellen, Quergeistern und Neudenkern hat sich noch nie gut auf eine Gesellschaft ausgewirkt. Also: Fangt an zu bloggen. Oder wieder.
PS: Zeit hat keiner. Zeit kann man nur verschwenden oder nützen.
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Ganz neu im Blog und schon so ein interessanter Impuls. Danke und weiterhin gut blogggg
Ein schöner Beitrag der mich zum nachdenken gebracht hat und mich daran erinnert, öfter mal wieder Kommentare zu Blogs zu schreiben und nicht nur “stiller Genießer” zu sein.
Danke Hannes für deinen motivierenden Blogartikel. Auch ich schreibe Blogs und diese sind mit Facebook- oder Twitter-Beiträge nicht zu vergleichen. Du hast vollkommen recht wenn du schreibst, dass sich die Kommentare zum Blog auf Facebook verlagert haben. Dies jedoch nur, weil dort die Blog-Beiträge zusätzlich kommuniziert werden.
Ich schließe mich gerne den vorhergehenden Kommentaren von @Dagmar, @Johannes und @Götz an. Ein Blog ist – wenn er gut wie deiner ist – nicht out. Es gibt viele stille Genießer. Ich kenne das auch von meinen Blogs, die wenig Kommentare produzieren und ich trotzdem immer wieder darauf angesprochen werde.
Danke Hannes für deine erfrischenden und tiefsinnigen Beiträge. Auch ich bin meistens ein stiller Genießer
Also ich weiß nicht, wo es so lange klickt. Ich habe genau 2 Kicks gebraucht, um eine weitergehende Diskussion über diesen wunderbaren Gedankengang anzustoßen. Facebook und Twitter sind für mich Medien, über die ich mit vielen anderen in Kontakt und Austausch gehen kann. Themen ausführlich angehen und – wie Du hier so klasse schreibst: sie in einem Reflexionsraum ausfürhlich beleuchten, geht nur im Blog. Bloggen geht also tiefer, wenn man will. Die Ergänzung machts. Finde ich. Oder?!
Danke. ich lese deine Gedanken immer mit Genuss
Blog als öffentliche Selbstreflexion – das gefällt mir. Weil ich glaube, dass Blogs wie deiner, Hannes, deshalb interessant zu lesen sind, weil die Texte zutiefst persönlich und höchst subjektiv sind.
So gesehen ist eine weitere Dialog-Schleife durch einen Kommentar natürlich mehr wert, als 10 Millionen Likes.
Weil ersteres natürlich reflexions-vertiefend wirkt – wie ein gutes Gespräch mit einem Freund
Ja, mit Eingabe von Name, Mail und URL schon. Allerdings Klicks am iPhone und nicht Zeichen.
Peter, du meinst das Kommentar Plugin verlangt 60 Zeichen? Muss ich mal checken. Aber so oder so, Substanz braucht immer mehr als nur einen Knopf
Für die obige Zustimmung musste ich genau 65 Tasten am Handy drücken. Bei Facebook während es für die selbe Interaktion 64 weniger gewesen. Das ist in meinen Augen eine der Ursachen der Veränderung. Blogs sind einfach zu kompliziert zu bedienen.
*like*
*like*
Ich mag den Artikel, ich mag aber nicht, dass ich genau 60 Zeichen tippen musste bis ich mein *like* ohne Facebook zum Ausdruck bringen konnte. Und diese relative Kompliziertheit im Vergleich zur Einfachheit von Facebook ist sicher eine der Ursachen, von denen wir sprechen. Immerhin konnte ich diesen Absatz am Handy diktieren statt ihn dort tippen zu müssen. Aber das wäre auf Facebook auch nicht anders gewesen. Ich meine also, dass Facebook und auch Twitter das Bloggen und die Blogs in Sachen Usability komplett überholt haben.
Ein sehr schöner Artikel von Hannes Offenbacher. Vor allem das Zitat von Peter Eich bringt es auf den Punkt. Früher wurde unter den Blogartikeln kommentiert. Heute geschieht das auf Facebook.