Auf der Suche nach Relevanz
Ich bin wieder mal auf der Suche nach dem, was zählt. Denn: Aktuell beschäftigt mich die Nominierung der diesjährigen Dialoggästen für die IdeenAlm. Eine Herausforderung, denn wo beginnt man zu suchen, wenn man kreative und visionäre Köpfe finden möchte, die an relevanten Themen und wirksamen Projekten arbeiten, die unsere Zukunft substanziell beeinflussen können?
Was ist aber wirklich wichtig? Auch brand eins hat eine Ausgabe diesem Thema gewidmet. Im Leitartikel entdeckte ich Immanuel Kant’s Einsicht über die Bewertung der Wichtigkeit, die mir wertvoll erscheint.
Nun hat Wichtigkeit mit Größe nicht das Geringste zu tun. Diese Einsicht versuchte schon Immanuel Kant seinen Landsleuten zu vermitteln. Man möge das Wichtige “nicht mit der Schwere verwechseln”. Die “Wichtigkeit eines Erkenntnisses”, hielt Kant weiter fest, “beruht auf der Größe und Vielheit der Folgen”. Die Ursache kann also durchaus klein sein. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. (Quelle: brand eins)
Was heißt das für meine Suche? Es zählt die potentielle Vielheit der Folgen von Themen und Projekten – nicht ein medialer Buzz um Personen und Themen, der mittels gekonnter Pressearbeit produziert werden können. Das zu filtern bleibt für sich eine große Herausforderung von größter Bedeutung. Denn in den Medien kommen vor allem jene zu Wort, die seit Jahrzenten nur heiße Luft produzieren, selbst aber nie ins wirksame Handeln kommen. Output: Null.
Kant hilft mir also eine neue „Brille“ für die Einschätzung von Wichtigkeit (Relevanz) gegeben. Doch WO suche ich danach? Auf den Websites von Trendforschungsinstituten? Universitäten? Auf twitter oder doch in Blogs?
Ich baue auf den Zufall, virale Kraft und kollektiven Weitblick. Eine Antwort, die eine Super-Quelle gibt es (leider) wohl nicht. So versuche ich diese Suche in ein kleines „Crowdsourcing“ Projekt zu verwandeln und zähle natürlich vor allem auf die Mithilfe von euch, meinen LeserInnen. Insgesamt werden wir ungefähr 30 Gäste einladen. Ich bin gespannt. Vor allem auf die Vorschläge aus der „Crowd“.
Eine zweite Methodik die meiner Meinung inzwischen völlig unterschätzt ist: Zielloses „Surfen“ im Internet. Das Wort kennen jüngere Generationen ja nicht einmal mehr. Gemeint ist das digitale „Weiterhangeln“ von Link zu Link, das die Algorithmen von Google & Co links liegen lässt. Es ist ja zu hinterfragen, warum man bei der Suche nach Relevanz den Programmzeilen von Suchmaschinen vertrauen sollte.
Relevanz ist nicht automatisch medial präsent. Viele, wichtige Themen für eine nachhaltige Zukunft haben (noch) keine Lobby. So bleibt es auch wieder eine Provokation des Zufalls, um das zu finden, was man sucht. Aber: Kann man mit der Zeit darin besser werden? Entwickelt man sowas wie den richtigen Riecher, ein Gespür dafür, welchen Links man folgen sollte?
Zumindest im Wald beim Schwammerlsuchen gibt es das 
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Ja, intuitives Surfen und eigenes Denken sind unersetzbar. Maschinen bilden Relevanz zu oft zu sehr aus Masse (Klickmenge, Verlinkungsmenge,…)
Wer nicht tiefer taucht, dem entgehen Perlen.
Deshalb habe ich Barcamps als Format so schätzen gelernt. Hier muss nicht jemand “ExpertInnen” definieren, suchen und vorsortieren .. damit dann oft immer wieder die gleichen “da oben” stehen und das xte Referat halten.
aber auch in Sessions zu sitzen, in denen man sich gegenseitig inspiriert.
Bei Barcamps habe ich die Chance dasselbige wie bei obigen Konferenz zu hören (aber um weniger Eintrittsgeld
Dass soll nicht heißen, dass die IdeenAlm ein Barcamp werden soll (ein AlmCamp gibt es ja schon). Ich wollte damit nur andersrum nochmals bestätigen, dass die Suche nach interessanten Köpfen, nach inspierenden Gedanken oft anderswo erfolgen muss als in den klassischen Schemen und Referenzen.
Daher wünsche ich dir/euch schon jetzt viel Glück bei der Suche. Sollte mir jemand unterkommen, so melde ich mich natürlich gerne bei euch.
Liebe Irmgard, das “Oberthema” ist immer > Die Praxis der Zukunft < … Heißt konkret: Unternehmertum & Innovation für eine nachhaltige Zukunft – die von wenigen schon heute vorgelebt wird. Wir suchen also die VordenkerInnen und Pioniere. Danke für Hinweise!
Das ziellose Surfen als gute Methode kann ich nur bestätigen! Eigentlich arbeite ich nur so und komme an die erstaunlichsten Infos. Es hat viel mit Intuition zu tun. Intuition ist m.E. weniger Übungssache als vielmehr der Mut oder das Vertrauen, auf das eigene Gefühl zu hören. Als rational geprägtem Menschen fällt einem das oft recht schwer. Die Entwicklung von Lösungen für Zukunftsthemen erlebe ich als chaotischen Prozeß, deshalb erscheint mir eine chaotische Herangehensweise gerade das Richtige. Und: noch immer sind zur rechten Zeit die richtigen Leute gekommen. Mein Rezept dazu: fokussiert sein, was man eigentlich will.
ich wünche euch ein gutes Suchen und Finden. Habt ihr ein “Oberthema des Jahres” bei der Ideenalm? Vieleicht fällt mir jemand ein.
herzliche Grüße,
Irmgard
Großartig formuliert und ins Mark getroffen, Hannes! Bei der Vorbereitung unseres Wirtschaftskongresses für November geht es uns genauso.
Was sich dadurch zeigt, ist das relevante Thema – und an dem entlang geht es weiter. Dieses Thema gebe ich hier sehr gerne weiter und wünche: „Nur Mut!”
Liebe Grüße von Unternehmer meines Lebens -
Tilo Wondollek