Zündeln

Nov 10, 2011 4 Kommentare Entrepreneurship, Gesellschaft & Politik

Lasst uns mal groß denken. Das braucht es nämlich heute. Unternehmertum spielt in Österreich nicht wirklich eine Rolle. In der EU liegen wir bei den Gründungszahlen weit hinter der Spitze. Klar. Unternehmer sind hier keine Vorbilder. Sie sind medial nicht wirklich sichtbar und werden von den Medien zu wenig von angestellten Managern hervorgehoben. Auf den Universitäten ist es kein Thema und wenn doch, dann zerrt die Finanzierungssituation der Institute die jungen Talente doch in Richtung „Intrapreneurship“ – heißt, Innovationen brav im Konzern umsetzen.

Was kann man tun, um die Unternehmerkultur neu zu entfachen? Wie können wir zündeln? Das haben wir bei der Blogparade von Mehrblick gefragt und natürlich mache ich selbst mit.

Stellen wir uns vor…

Zu Beginn hören wir ganz schnell damit auf, die Verhinderer und Probleme in den Fokus zu stellen. Die Wirtschaftskammer werden wir nicht umdrehen können. Das ist systemisch unmöglich. Es braucht eine Konzentration auf Chancen und Möglichkeiten, vor allem auf jene die uns die neuen Kommunikationsmöglichkeiten geben. Stichwort: Social Web.

Wir starten eine Bewegung von unten. Wir setzen dort an, wo der unternehmerische Funke am leichtesten ein unlöschbares Feuer entfachen kann. In der Jugend. Schulprojekte gibt es viele, so wie Junior Achievement aus den USA, das mich auf den Pfad des Unternehmers gebracht hat. Doch es sind zu wenige Klassen und damit Jugendliche, die damit in Berührung kommen.

Dabei würde es nicht viel brauchen, um junge Menschen im Alter von 16-18 Jahren für diesen Weg zu begeistern: Sie müssen ihn nur spüren können. Was oft übersehen wird ist der Fakt, dass die wenigsten jungen Leute mit UnternehmerInnen in Kontakt kommen. Wie sollen sie den Weg interessant finden können, wenn sie ihn nicht einmal sehen?

Durch diesen fehlenden Kontakt zu echten UnternehmerInnen fehlt die Phantasie und kann keine Leidenschaft wachsen. So ging es auch mir. Erst durch den Kontakt mit erfolgreichen UnternehmerInnen entstand eine neue, mögliche Lebensspur im Kopf. Die des Unternehmers.

Von US-amerikanischen Filmen und Serien kennt man das Bild der Eltern, die den Schülern ihren Beruf erklären. Viele sind UnternehmerInnen. Bei uns fehlt ein solches simples Projekt. Dabei würde ich es nicht in den Schulen sehen. Das braucht es nicht mehr und sobald man ein Projekt in eine Institution (ein System) einhängt, ist man mit dessen Problemen und Limitationen konfrontiert. Bremens lassen mag ich mich überhaupt nicht.

Ich träume davon, dass man in jedem Kuhdorf einen jugendlichen Freigeist findet, der spürt, dass er mehr will – dass da draußen etwas ist das er nicht kennt aber ihn lock. Man kennt diese übereifrigen, ehrgeizigen Typen noch von der eigenen Schulzeit. Diesen muss man ein einfaches Werkzeug in die Hand geben, mit dem sie SELBST ORGANISIERT den Kontakt zu UnternehmerInnen finden. Und: Dabei andere junge Leute mit hinein ziehen. Sie sind Multiplikatoren mit absoluter Zielgruppennähe.

UnternehmerInnen Talk

Warum nicht eine Plattform im Web schaffen, wo wir diese jungen Rebellen einladen VertreterIn ihres Ortes zu werden. Und: Wir geben ihnen ein fertiges Konzept für ein einfaches Event in die Hände: Einen „Unternehmer Talk“, den sie selbst organisieren. Man hilft ihnen bei der Ansprache der hiesigen UnternehmerInnen und bittet diese junge Leute für 2-3 Stunden zu sich in den Betrieb einzuladen. Getränke und Brötchen werden kein Problem darstellen. Und: Sie sollen von ihrem Weg zum Unternehmer erzählen. Von den herausfordernden und schönen Seiten und dem inneren Feuer, etwas aufbauen zu wollen.

Da kann der Funke überspringen. Wichtig: Es müssen Inhaber-UnternehmerInnen sein, die auch selbst gegründet haben. Jene die nur als GeschäftsführerIn eingesetzt sind oder den Betrieb von den Eltern übernommen haben, können die Vorbildfunktion nicht erfüllen. Denn: Es ist kein nachgehbarer Weg für die jungen Leute.

Ein Wettspiel der Ideen

Ich sehe eine Landkarte auf einer Website, mit Punkten in jenen Dörfern und Kleinstädten, in denen ein junger Kopf bereits die Unternehmer-Talks organisiert. Ich sehe Fotos und Berichte von den Treffen. Ich sehe ein jährliches Großevent, wo alle jungen Leute zusammenkommen und auf Gleichgesinnte stoßen und nochmals Mut tanken können, obwohl ihre Familie und Freunde empfehlen, lieber einen sicheren Job zu suchen.

Ich sehe eine Bewegung entstehen, genährt und weiterentwickelt von den jungen Leuten selbst. Sie bringen den Gedanken in die Universitäten, Gemeindeämter und Institutionen. Sie bestärken sich gegenseitig, gründen Peer-Groups und vernetzen sich auf Facebook & Co. Die jungen Leute entwickeln weitere Event Formate, die jeder kopieren kann – nein, sogar soll!

Und die Politik? Mit der Zeit wird sie aufmerksam. Beobachtet. Sie ist überrascht von der Dynamik und – hängt sich dann mit finanzieller Unterstützung an. Das reicht mir total.

Jetzt die Frage: ist das ein Tagtraum oder reif für den Projekt Kick-off?

Weitere Artikel der Blogparade:

Unternehmervorstellung

Christoph Haase, Tele Steuergeräte GmbH

Ich möchte Christoph vorstellen, denn mit seinem mittelständischen Technologie Unternehmen geht er Schritt für Schritt in die Zukunft. Gerade eben hat er die größte Photovoltaik Anlage Wiens auf seinem Betriebsgebäude gebaut. Die größte, obwohl ich seit Jahren VertreterInnen der Stadt und von Großkonzernen in den Zeitungen bei der Eröffnung ihrer Photovoltaik Projekte herunter lachen sehe. Da sieht man wieder: Mehr Show als Substanz. Und so kommt es, dass ein mittelständisches Unternehmen mit 100 Mitarbeitern eben die größte Anlage in Wien besitzt. Und noch weiter: Christoph war Tesla Fahrer der ersten Stunde und arbeitet an mehreren Zukunftsprojekten für sein Unternehmen: Nachhaltige Mobilität, sauberer Strom, neues Arbeiten, gesundes Essen, begleitendes Lernen. Seine visionäre Energie ist ansteckend und ich freue mich natürlich besonders, dass ich mit ihm in Zukunft auch einen gemeinsamen Weg – in Form eines Projektes – gehen werde.

www.tele-online.com/

 

4 Kommentare zu “Zündeln”

  1. Johannes Lindner says:

    Es wird schon “gezündelt” und Unternehmer/innentalks gibt es auch ;-) Ein kleinen Einblick gibt es beim Entrepreneurship Summit am 22.11., Details hier: http://www.ifte.at/wtarea.php?area=1&page=59&subpage=44

    lg
    johannes

  2. Hannes Offenbacher says:

    Lieber Johannes, ihr macht tolle Sachen, bin Fan von deinen Aktivitäten, nur bräuchte es so 1000 Johannes Lindners, damit das eine Flächenwirkung bekommt. Wir brauchen eine Bewegung von unten, die sich wie ein Lauffeuer, selbst mit Energie versorgt und größer werden kann.

  3. ka ruhdorfer says:

    klasse idee. keine ahnung, wie umsetzen. wie TED talks? damit das “doch minz und maunz die katzen erheben ihre tatzen, sie drohen mit den pfoten, der vater/die mutter hat’s verboten” gar nicht erst in die köpfe gelangt, sondern kräftig gezündelt wird.

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