Unternehmertum und die Kultur des Scheiterns: Im Dialog mit Stefan Merath
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Sein Bestseller hat mich 2010 maßgeblich geprägt und war mir ein wichtiger Begleiter bei der Weiterentwicklung von Mehrblick. Im Dialog mit Stefan Merath über Unternehmertum, Verantwortung, Kaptial und die Kultur des Scheiterns. Ein für mich hochspannender Dialog, der für jede/n GründerIn und Entrepreneurship Begeisterten viele Anregungen bereit hält.

<Offenbacher>
Ihr Buch “Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer” ist ganz klar mein Buch des Jahres 2010. Selten hat mich ein Buch – persönlich – so bewegt. Neben der dialogischen Form hat mich vor allem die klare Perspektive des Unternehmers – als Mensch – gefesselt. Und so seltsam das eigentlich auch ist, es scheint mir doch so zu sein, dass es fast keine Bücher über die (persönlichen) Herausforderungen dieser zentralen Gruppe der Unternehmer von Klein- und Mittelbetriebe gibt (im Gegensatz zu Angestellten-Manager Bücher). Woher kommt dieser Umstand? Und wie kamen sie dazu diesen Blickwinkel einzunehmen?
<Stefan Merath>
Vielen Dank für Ihr Lob. Mittlerweile habe ich knapp tausend solcher lobenden Zuschriften bekommen, aber ich freue mich jedes Mal von Neuem. Interessanterweise sind praktisch alle dieser Zuschriften von Unternehmern. Berater und Menschen aus dem klassischen betriebswirtschaftlichen Umfeld melden sich selten, Vertreter der Handelskammern oder Banken praktisch nie. Offensichtlich spreche ich der einen Gruppe aus der Seele und der anderen nicht
Ich glaube, der Punkt ist einfach der: Wer schreibt die Bücher und wer bezahlt bzw. beeinflusst die Recherche bzw. wissenschaftliche Arbeit? In Deutschland ist es so, dass – bis auf wenige Ausnahmen – der Universitätsbetrieb eben bestenfalls Manager für Großbetriebe ausbildet. Wer Unternehmer werden will, tut besser daran, einen BWL- bzw. MBA-Abschluss zu vermeiden. Und die Bücher werden zum größten Teil von Beratern geschrieben. Und der größte Teil der Berater will am liebsten Großunternehmen beraten – es ist halt sexy, 2 mal im Jahr 100 Beratertage an ein Großunternehmen zu verkaufen statt 50 mal im Jahr je 4 Beratertage an ein Kleinunternehmen.
Die Tatsache, dass mal ein Unternehmer eines kleinen und mittleren Unternehmens selbst ein Buch schreibt, ist eher die Ausnahme. Gut, es gibt Biographien, die sind spannend, aber oft auch von Unternehmern, die mehrere tausende Mitarbeiter hatten. Das ist nicht so leicht übertragbar.
Wie ich dazu kam, diesen Blickwinkel einzunehmen? Nach vielen Jahren Unternehmersein und dem Leiden mit Steuerberatern, die die Hälfte aller Erlöse doppelt buchen (was, bis ich den Fehler entdeckte, steuerlich nicht sooo günstig war…), Gründungsberatern, die nicht mal mit Excel richtig rechnen können, Bankern, die von Unternehmensführung nicht die leiseste Ahnung haben und selbst lieber Beamte geworden wären, Handelskammer-Beratern, die einen fehlberaten und anderen “Profis” war es mir wichtig, mal konsequent die unternehmerische Perspektive einzunehmen.
Natürlich kam auch ein persönlicher Auslöser hinzu: Im Jahr 2003 habe ich für meine erste Firma nach sechseinhalb Jahren Insolvenz anmelden müssen. Ich hatte zu viele Fehler gemacht, wusste aber damals noch nicht mal, was für Fehler das eigentlich waren. Und so begann ich mich mit dem Thema Unternehmensführung zu beschäftigen: las über 100 Bücher pro Jahr, besuchte 5-10 Seminare pro Jahr, sprach mit allen einigermaßen erfolgreichen Unternehmern, die ich traf und nahm mir einen Coach. Und aus meinen eigenen Erfahrungen, angereichert durch das neu gewonnene Wissen schrieb ich schließlich das Buch “Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer” konsequent aus unternehmerischer Sicht.
<Offenbacher>
Sie sprechen mir wieder aus der Seele und dabei zwei so zentrale Punkte an. Zum einen, dass man wenn man Unternehmer werden will, ein Wirtschaftsstudium vermeiden sollte, sowie die fehlende Kultur des Scheiterns in unserer Gesellschaft.
Dennoch bleibe ich Optimist und frage mich regelmäßig, was die Unternehmer selbst für eine stärkere Entrepreneurship Kultur beitragen könnten – UND: Ob sie nicht auch die einzigen sind, die wirklich etwas verändern können.
Sehen sie hier eine gesellschaftliche Verantwortung, die “wir” Unternehmer aktiver übernehmen müssen?
<Stefan Merath>
Gute Frage! Sie haben absolut Recht! Ich glaube, wir Unternehmer sind die Einzigen, die an dieser Kultur etwas ändern können. Von staatlicher Seite wird durch Förderprogramme o.ä. “versucht”, unternehmerisches Denken zu fördern. Kennen Sie den alten chinesischen Spruch: “Gib einem Hungrigen einen Fisch und Du ernährst ihn einen Tag. Lehre ihn angeln und Du ernährst ihn ein Leben lang”? Staatliche Förderprogramme sind der absurde Versuch, Angler zu motivieren, indem ich ihnen Fisch gebe.
Ich glaube, der bessere Weg, Angler zu motivieren, ist, sie nicht zu zwingen, bei jedem gefangegen Fisch 2 Stunden Formulare auszufüllen und ihnen nicht jeden zweiten Fisch wegzunehmen.
Unternehmer selbst haben die Verantwortung, an dieser Kultur etwas zu ändern, weil es sonst keiner tun wird. Da möchte ich Ihnen kurz meine Vision schildern: Sie kennen doch bestimmt die Sendung Deutschland sucht den Superstar [gibt es in Österreich dazu ein Äquivalent?]? An sich völlig schachsinnig, aber die schaffen es, zehntausende von Jugendlichen dazu zu motivieren, nachts um drei anzustehen, um sich danach zum Affen machen zu dürfen. Ich habe es aber noch nie gesehen, dass nachts um drei nur ein einziger Jugendlicher vor der Schule wartet, weil er da unbedingt rein will. Offensichtlich macht diese Sendung etwas richtig und unsere Schulen etwas falsch.
Der Unterschied sind meines Erachtens nach die Emotionen. Emotionen, die durch Vorbilder ausgelöst werden. Superstar zu sein, erscheint als etwas Tolles und hat etwas mit dem Leben der Jugendlichen zu tun. Wovon ich träume ist, dass eines Tages, wenn es mal eine Sendung “Deutschland sucht den Superunternehmer” geben sollte, nachts um drei Zehntausende Jugendliche anstehen, um da mitmachen zu dürfen.
Und der Schlüssel dazu sind Emotionen und Vorbilder. Es ist doch so: Wir haben hier zwar hervorragende Unternehmer, wie z.B. die Aldi-Brüder, die aus dem Nichts ein Milliardenimperium geschaffen haben. Aber welcher Jugendliche will verdammt noch mal so werden, wie die Aldi-Brüder? Seit Jahrzehnten versteckt und ohne Presseinterview. In der Dämmerung das Licht ausmachen, um Strom zu sparen – wohlgemerkt aus finanziellen und nicht aus ökologischen Gründen! Was uns fehlt, sind unternehmerische Vorbilder, Unternehmerstars, wenn Sie so wollen. Leute wie Steve Jobs, wie Richard Branson und andere. Wenn sich jeder Unternehmer nur mal die Frage stellen würde, ob sein Leben so geil ist (oder wenigstens erscheint), dass er als Vorbild auf Jugendliche wirken könnte – oder was er daran ändern könnte, dann wäre schon viel gewonnen.
Wissen Sie, meine Arbeit hat zwei Dimensionen. Zum einen natürlich meine Kunden darin zu unterstützen, bessere Unternehmer zu werden und ein Unternehmen mit Bedeutung aufzubauen. Zum anderen, gerade dadurch, dass wir das tun, auch mehr Vorbilder und eine neue unternehmerische Kultur zu schaffen. Gerade letztes Wochenende führten wir in Frankfurt die ersten Unternehmertage (www.unternehmertage.com) durch.
Das war kein Kongress wie jeder andere, sondern der Ausgangspunkt für eine regelmäßige Kultveranstaltung! Die Teilnehmer hatten einen völlig anderen Umgang miteinander als normalerweise bei solchen Kongressen. Vom ersten Moment an boten sich wildfremde Unternehmer das Du an und erzählten offen über ihre Situation. Zudem waren die Lebenspartner(innen) und auch die Kinder eingebunden. Für die Kinder und Jugendlichen gab es ein spezielles Programm, das von www.youarelife.de durchgeführt wurde. Am Ende kamen die Kinder auf die Bühne und stellten ihre Ziele vor und viele Teilnehmer waren tief bewegt. Der Unterschied war: bei einem normalen Businesskongress geht alles sachlich und kühl zu. Aber ein Superstar wird nicht dadurch zum Vorbild für Kids, indem er die neuesten Verkaufszahlen seiner Stücke vorliest!
<Offenbacher>
Ich sehe schon, eine Flasche Wein würde bei einem Gespräch über Entrepreneurship bei uns nicht ausreichen…
Wer diese gesellschaftliche Verpflichtung des notwendigen Kulturwandels – diesen wunderschönen Auftrag – erkannt hat, muss ihn auch gehen. Vor allem, weil es wenige sind, die dieses große Bild erkennen.
Aus meiner Geschichte abgeleitet brüte ich schon seit längerem an einem Projekt, um Entrepreneurship zu entfesseln. Mich riss ein US-Amerikanisches Schulprojekt aus dem linearen Bildungsweg. In Chicago bekam ich meine Impfung mit “echtem” Unternehmertum abseits von staatlichen Gründerprogrammen in der Formularwüste. Und mit diesem Blick zurück bin ich davon überzeugt, dass wir uns bei der Jugend vor allem um eines kümmern müssen: Um die Phantasie. Die Phantasie auch selbst erfolgreicher Unternehmer werden zu können. Der soziologische Effekt des Klassenerhalts ist erschreckend stark – und nicht nur von oben sondern auch (oder besonders) aus den eigenen Reihen.
Und JA, JA und JA. Es sind die Vorbilder, die der Jugend fehlen, um diese Phantasie zu bekommen. Die Medien transportieren vor allem ein Bild: Den erfolgreichen Manager – als Angestellten.
Wie sehen sie die Herausforderung des fehlenden Risikokapitals, über das oft gejammert wird? Auf jeden Fall erscheint es als große Aktivitätshürde für junge GründerInnen aus der Mittelschicht, ohne Kapital der Familie eine Idee umsetzen zu wollen. Die Banken sind ja nur mehr in seltenen Fällen Ansprechpartner. Gibt es ein solches Problem in ihren Augen oder ist es mehr eine bequeme Ausrede, um doch die risikolose Karriere in einem Konzern zu beginnen?
<Stefan Merath>
Man muss erst mal sehen, dass über 2/3 aller Unternehmensgründungen mit dem Geld von „Friends & Family“ gegründet werden. Und meist – insbesondere bei den vielen Gründungen im Bereich der Dienstleistungen – ist auch gar nicht so viel Geld nötig. Bei der Gründung von klassischen Produktionsunternehmen bekommt man hingegen oft Bankkredite – da ist ja in Form der Maschinen ein für die Banken messbarer Gegenwert da. Oder man least die Maschinen gleich… Und bei kapitalintensiven Hightech-Gründungen wie der Biotechnologie steht ja ausreichend Risikokapital zur Verfügung. Ganz ehrlich, ich sehe das Problem nicht!
Zudem halte ich externes Kapital (Risikokapital, Fördergelder etc.) auch – über eine gewisse Grenze hinaus – für nicht nützlich. Ich habe mal, es muss 2004 oder 2005 gewesen sein, die Ergebnisse einer Studie des Excellence Barometer gelesen. Die haben von den untersuchten Firmen (es waren über 1000), das beste und das schlechteste Viertel genommen und einfach mal geguckt, was die Firmen unter den Aspekten Kunden, Mitarbeiter, Führung und Finanzierung anders machten. Dabei kam heraus, dass die besten Firmen doppelt bis drei Mal so häufig eigenfinanziert waren wie die anderen. Die schlechtesten Firmen waren 4-mal häufiger mit Risikokapital finanziert und 3-mal häufiger mit öffentlichen Fördermitteln.
Jetzt kann natürlich irgend so ein Schlaumeier herkommen und sagen, dass die Eigenfinanzierung das Resultat des Erfolgs war und nicht die Grundlage. Das sehe ich ein bisschen anders. Kennen Sie die Geschichte mit dem Schmetterling, der aus dem Kokon kriecht? Wenn man dem Schmetterling bei dieser Anstrengung hilft, dann stirbt er. Einfach weil ihn die Kraftanstrengung stärker macht und die fehlende Kraftanstrengung dazu führt, dass er nicht fliegen kann. Meiner Meinung nach ist die Kraftanstrengung bei der Gründung erforderlich, um stärker zu werden. Man braucht die Erfahrung des Kampfs zu Beginn, um später, wenn dann irgendwann eine Krise kommt – und die kommt immer irgendwann – auf die damals gewonnene Kraft zurück greifen zu können.
Oder noch konkreter: Bei meiner ersten Firma hatte ich auch Venture Capital und Fördergelder bekommen. Damit begannen die schlechten Gewohnheiten des Geldausgebens. Man gibt in Gesprächen leichter nach, vereinbart schlechtere Konditionen und zu hohe Gehälter und lässt sich auf tausend Dinge ein, die man später nur in heftigen Kämpfen wieder zurücknehmen kann. Zudem, und fast noch schlimmer, Geldgeber wollen nicht nur irgendwann ihr Geld wieder zurück, sondern sie wollen auch Aufmerksamkeit und wollen gehätschelt werden. Man beginnt seine Zeit als Unternehmer mit irgendwelchen blödsinnigen Berichten und noch blödsinnigeren Meetings mit Investoren, die in 90% der Fälle zwar Ahnung von Zahlen, aber keine Ahnung von Unternehmensführung haben, zu verplempern. Und diese Zeit fehlt dann bei den Kunden, bei der Entwicklung der Strategie und bei der Führung von Mitarbeitern.
Ich glaube, in den meisten Fällen fehlt nicht das Kapital, sondern die Strategie ist der Situation nicht angemessen. Strategie ist auch die Kunst des jetzt mit den gegebenen Bedingungen Machbaren. Und in den seltenen Fällen, in denen die Strategie wirklich gut ist, dann ist Kapital nie das Problem . Wobei ich dieses Kapital nie bei Banken oder professionellen VC-Gesellschaften, sondern bei erfolgreichen Unternehmern suchen würde – vorzugsweise bei solchen, die auch ihrer Zielgruppe damit einen zusätzlichen Nutzen bieten können, die aber in einem ganz anderen Bereich zuhause sind. Die ticken dann ganz anders und gerade als Gründer kann man von diesen Leuten auch was lernen (was bei Bankern und VC-Leuten eher nicht gegeben ist). Und wirkliches, praxiserprobtes Wissen ist – insbesondere bei der Gründung – viel wertvoller als Kapital.
<Offenbacher>
In meinen Augen ist der schöpferische Prozess ein Unternehmen von Null weg aufzubauen, wachsen zu sehen und zu Erfolg führen, es sehr persönlicher. So kann ich es mir nur schwer vorstellen dieses eigene “Kind” nach den schwierigen Jahren zu verkaufen. Dennoch scheint sich vor allem diese Exit-orientierte Kultur bei jungen, Technologie- Startups zu etablieren.
Tun wir uns damit etwas Gutes oder erodiert damit der fruchtbare Boden für nachhaltiges Unternehmertum, jenes das regional verankert und mit selbstverständlicher Generationenverantwortung ausgestattet ist?
<Stefan Merath>
Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir verstehen, dass auch unsere wirklichen Kinder andere Personen sind als wir. Es ist unsere Aufgabe als Eltern, Kindern das mitzugeben, was sie brauchen, um selbst ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Und zwar unabhängig von uns. Dasselbe gilt für ein Unternehmen: Es ist unsere Aufgabe, ein Unternehmen aufzubauen, das in unserer Gesellschaft einen sinnvollen Beitrag zum Funktionieren des Ganzen liefert. Und zwar auch dann, wenn wir als Unternehmer nicht mehr da sind.
In meinem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ arbeite ich genau das heraus: Die einzige(!) Aufgabe des Unternehmers ist die, ein Unternehmen aufzubauen, das ohne ihn funktioniert und seinem Nachfolger einen möglichst großen Nutzen bietet. Zur Verdeutlichung: Ein Programmierer erstellt Programme. Er ist Fachkraft. Sein Kunde ist der Nutzer der Programme. Der Unternehmer hingegen erstellt Unternehmen. Das Produkt eines Software-Unternehmers ist also nicht Software, sondern die Software-Schmiede. Und sein Kunde ist der, der irgendwann dieses sein Produkt, also die Software-Schmiede weiter führt. Entweder ein Käufer oder ein Erbe oder ein Manager aus der Firma. Ich glaube, dies ist der Schlüssel, um überhaupt die Rolle eines Unternehmers zu verstehen.
Ich möchte dies aber ganz klar von einer Exit-Strategie, die vor allem bei Venture-Capital-Gesellschaften anzutreffen ist und ins Bewusstsein mancher Jungunternehmer im HighTech-Bereich abfärbte, unterscheiden. Bei einer Exit-Strategie geht es darum, eine Zeit lang in etwas zu investieren – Ideen und Arbeit im Falle der Gründer, Kapital im Falle der VC-Gesellschaften, mit dem Ziel, irgendwann die dicke Kohle zu machen. Jetzt ist an Kohle nichts Falsches – ich finde, jeder, der einen Beitrag leistet, hat die Kohle verdient, im Zweifel auch sehr viel davon. Völlig egal ob dieser jemand jetzt Michael Schumacher, Steve Jobs oder Bill Gates heißt.
Aber falsch ist, die Kohle zum obersten Ziel zu definieren. Sie ist ein Abfallprodukt, genau wie Reputation, Kontakte etc. Das sind alles Mittel für einen anderen Zweck. Und der Zweck eines jeden Unternehmens definiert sich über den Nutzen für den Kunden bzw. auf einer Ebene darüber über den Beitrag, den das Unternehmen für die Gesellschaft als Ganzes leistet. Der Zweck ist immer außenorientiert!
Und das hat eine wichtige Folge für die Person des Unternehmers: Macht er das Geld zum obersten Ziel, dann macht er sich zum Sklaven seines Unternehmens. Er glaubt erst dann frei zu sein, wenn er das Unternehmen verkauft hat. Macht der Unternehmer den Beitrag für Kunden und Gesellschaft zum Ziel, dann ist die Arbeit am Unternehmen selbst schon die Erfüllung. Er muss halt nur dafür sorgen, dass das Unternehmen auch ohne ihn funktioniert, da erstens das Leben endlich ist und zweitens sich auch mal die Interessen und Leidenschaften ändern können.
<Offenbacher>
Zum Abschluss: Welche Persönlichkeiten haben sie persönlich in Sachen Unternehmertum geprägt, beeinflusst und inspiriert?
<Steafn Merath>
Also, wenn Sie mich nach den Persönlichkeiten fragen, die mich inspiriert haben, dann ist das nicht einfach zu beantworten. Ich glaube, zu Beginn meiner Unternehmerlaufbahn hatte ich gar keine Vorbilder. Ich war dem Unternehmersein gegenüber noch nicht mal sonderlich aufgeschlossen. Schließlich wusste man in meinen Kreisen doch, dass Unternehmer irgendwie ausbeutende Kapitalisten sind… Ich hatte also kein Vorbild, sondern fand es einfach nur unerträglich, weiter als Angestellter einer Universität zu arbeiten und wollte was Eigenes machen.
Erst als ich begann, mich mit dem Scheitern meiner ersten Firma zu beschäftigen, rückten Persönlichkeiten, die mich inspirieren konnten in den Vordergrund. Ich will einige davon nennen: Der erste, der mich dazu brachte, zu lernen und mich mehr mit meiner eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen, war Bodo Schäfer. Viele seiner Tipps, angefangen vom Erfolgsjournal über die grundlegenden Spar- und Finanztipps bis hin zum Spenden von Geld verfolge ich noch heute.
Durch Bodo Schäfer kam ich auch zu Wolfgang Mewes, dem Erfinder der engpasskonzentrierten Strategie EKS. Die EKS ist meiner Meinung nach die Grundlage für den weltweiten Erfolg des deutschen Mittelstands. Zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, aber dennoch die Grundlage für jede vernünftige Unternehmensstrategie.
Später stieß ich auf Michael Gerber, dem Unternehmensberater Nr.1 in den USA für kleine und mittlere Unternehmen. Sein Ansatz ließ mich erstmals verstehen, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Selbständigen und einem Unternehmer ist. Ohne dieses Verständnis wird man fast zwangsläufig Sklave seiner Firma.
Dann will ich noch, obwohl sehr unterschiedlich, sowohl vom Typ als auch vom Inhalt, Hans-Georg Häusel und Tony Robbins erwähnen. Beide lehrten mich ein viel tieferes Verständnis des Menschen und seiner Bedürfnisse.
Und zum Schluss als Unternehmer finde ich Steve Jobs und Richard Branson faszinierende Persönlichkeiten. Beide halten sich an keinerlei Leerbücher. Eher ist es so, dass die Lehrbücher nach ihnen umgeschrieben werden. Sie haben ihre Vision und machen einfach. Und das mit einer ungeheuren Konsequenz und Präsenz. Ich wünschte mir, es gäbe im deutschsprachigen Raum wenigstens einen solchen Unternehmer mit einer solchen (auch über das Business-Umfeld hinausgehenden) Ausstrahlungskraft.
Ach ja, ausführlicher zum Nachlesen gibt es das auch auf meiner Website. Dort finden Sie fast 400 Buchbesprechungen nur für Unternehmer. Und natürlich auch mehr über unsere Angebote für Unternehmer.
<Offenbacher>
Lieber Stefan Merath, herzlichen Dank für den spannenden Dialog. Ich hoffe, wir können unser Gespräch in naher Zukunft bei einem Glas Wein fortführen!
[PING-PONG] Serie: Das Gespräch entstand via Email. Wie beim Ping-Pong Spiel, schickt Hannes Offenbacher jeweils nur eine Frage zum Dialogpartner, um einen lebendigen Austausch jenseits von statischen Fragen zu erreichen.
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Danke für das interessante Interview! Hab mir das Buch von Herrn Merath gerade bestellt, bin gespannt!
Viele Grüße,
Thomas Metzler
Herr Metzler kann ich nur zustimmen. Ich bin gespannt auf das Buch und freue mich schon darauf es zu lesen
Lieber Hannes! Bravo. Ein tolles Interview. Es macht mir Mut. Es spricht mir aus der Seele und ich freu mich schon auf ‘unser’ nächstes gemeinsames Glas Wein. Vielen Dank, Johannes
Tolles Interview. Auch zu später Stunde hab ich mich komplett durchgekämpft! Einige schöne Bildnisse und Anregungen! Danke!
Auf Entrepreneurship.de gibts aus dem Jahr 2009 ein ausführliches Interview mit Stefan Merath.
http://e-preneur.de/smerath
Bin auf das aktulle Interview sehr gespannt.