Business Model versus Business Plan

Aktuell nagt wieder mal das Thema „Business Model versus Business Plan“ an mir. Jene die mich etwas besser kennen wissen, ich steh nicht auf Business Pläne. Dabei habe ich durchaus eine Liebe für detaillierte Pläne und vorausblickenden Strategien. Das, was dem Business Plan viel Sympathie geraubt hat, ist das, was die Fixierung darauf mit den GründerInnen gemacht hat. Diese sind nämlich zu Schablonen- Schreiberlingen geworden. Zu schlechten noch dazu.

Noch schlimmer: Augenscheinlich sind 30 Seiten Bullshit-Bingo wichtiger, als eine knackige und verständliche Business Idee. Und nein, mit Idee meine ich nicht eine wolkige Ahnung, sondern ein in wenigen Sätzen vermittelbares Business Model. Zwar sollte ein Business Plan auf genau dieser Idee aufbauen, aber leider sieht es in der Realität anders aus. Jeder der schon mal frische Business Pläne begutachten musste, weiß wovon ich spreche.

 

Am Ende hat einer die Arschkarte

Ein Model davon, wer, warum, mir Geld für mein Produkt/Dienstleistung zahlt. Jene, die mir dann von Werbeeinnahmen vorphantasieren oder vom potentiellen Exit vorschwärmen, können sich gerne am globalen „Startup Schwarzer Peter“ Spiel beteiligen.

Was ich damit wieder meine? Schwarzer Peter – ein Kartenspiel für Kinder mit dem Prinzip, dass am Ende einer mit der „Arschkarte“ (alias der schwarze Peter) alleine übrig bleibt und verloren hat. Genau das kann man derzeit – primär im Bereich von Web Startups – schön beobachten. Man kann sich freuen, wenn man das Ding rasch (mit Gewinn versteht sich) weiterreichen kann. Am Ende ist einer der Depp. Auch lustig. Irgendwie.

Wenn ich dann noch von “Monetarisierungsstrategien” höre, die man im zweiten oder dritten Jahr andenkt, dann wird mir endgültig schlecht. Nennt mich überheblich, aber in meinen Augen gibt es ausreichend Probleme die gelöst und Bedürfnisse die befriedigt werden müssten. Und für die gibt es genügend, zahlungswillige Kunden.

 

Aber halt, wo wollte ich eigentlich hin?

Business Model versus Business Plan. Es nagt deswegen an mir, weil wir im zweiten Jahr mit der IdeenLounge genau vor einer konzeptionellen Entscheidung diesbezüglich stehen. Wohin soll sich die IdeenLounge entwickeln?

  • Sollen wir die Bühne jenen geben, die eine potente Business Idee – ohne weitreichenden Plan und Details –  haben, ODER jenen mit konkreten Investmentangebot und einer 5-Jahresprognose der Geschäftsentwicklung?
  • Braucht es einen Club der „MacherInnen“, wo Ideenmenschen mit Umsetzern zusammentreffen und Teams formen, ODER eine Art Investmentforum zwischen Startups und Geldgebern?
  • Braucht es eine Bühne für visionäre Startup Ideen, ODER ein Präsentieren von jungen Startups?

Meine Gedanken dazu jetzt mal außen vor, was ist eure Meinung?

PS: Die nächste IdeenLounge ist am 17. Mai in Wien. Startup Ideen können noch bis 10. Mai eingereicht werden. Und: Es sind noch Plätze im Publikum zu haben: http://mehrblick.at/2011/05/finale-bewerbungsphase-ideenlounge05/

 

 


Mai 05, 2011 5 Kommentare Entrepreneurship, Innovation

 
johannes lindner sagt:

lieber johannes, ich glaube du spricht einen zentralen punkt an. leider gibt es viele businesspläne, die von der geschäftsidee etwas schnell zum businessplan springen und eher in der konvention gefangen bleiben. meine konsequenz ist es bewußt das geschäftsmodell anzusprechen, damit es als strategische entscheidung und als teil eines businessplan gesehen wird. ich plane dazu auch zwei veranstaltungen mit dem schwerpunkt “geschäftsmodelle mit zukunft”, einerseits im rahmen der kitzbüheler sommerhochschule für entrepreneurship (11. bis 15.7.2011) und andererseits im rahmen der hauptveranstaltung der globalen entrepreneurship week in österreich am 22.11.2011 in wien. details: http://www.entrepreneurship.at

Ach, und zu den 3 Fragen:
Frage 1) Antwort A – ist ja eine IDEEN-Lounge
Frage 2) Antwort C – eine Mischung. Ideen brauchen die Erfahrung der “Macher”, die wissen, wie man etwas auf die Straße bringt. Und sie brauchen Kapital. Wobei gut vernetzte Macher ohnehin meist auch Kontakte zu Geldgebern vermitteln können, im Zweifel also A.
Frage 3) Antwort A – bitte nicht den x-ten Jungunternehmeraward, sondern eine Bühne für visionäre Ideen.

Ein Businessplan muss ja nicht per default ein “30 Seiten Bullshit Bingo” Dokument sein. Und statt Monetarisierungsstrategie kann man auch Ertragsmodell sagen und damit meinen: Wer soll das bezahlen? Und: Wie/wann rechnet sich das?
Ich halte Businessplan-Templates, in die man beinahe nur noch den Namen der Idee einfügen muss und quasi aus einer Dropdown-Liste ein paar Schlüsselbegriffe auswählen soll, für verlorene Zeit – und zwar für beide Seiten, den Ersteller des Plans und den, der ihn liest.
Aber: Sich eingängig damit auseinanderzusetzen, was der Kern der Idee ist und wie sie sich differenziert; wer der angestrebte Kunde ist, wo man ihn erreicht und was er dafür zahlen wird (und noch zwei, drei andere Schlüsselfragen), sich also damit auseinanderzusetzen, das ist absolut sinnvoll. Und das dann zu verschriftlichen ebenfalls.
Ein Businessplan ist dann sinnvoll, wenn durch das Erarbeiten der Inhalte der Autor (Gründer) mehr über seine Idee (und ihren Markt) und über sich selbst (und seine Organisation) lernt – das muss das Ziel sein, nicht Investoren mit wohlfeilen Slides blenden zu wollen. Die wirklich guten Investoren lassen sich nämlich ohnehin nicht blenden.
Im Übrigen kann man’s ja auch als Stage-gate-Modell angehen. Fürs Formulieren der Idee und sickern lassen und mit ein paar anderen hellen Köpfen besprechen, reicht in der Regel eine (in Worten: eine) Seite. Besteht die Idee diesen “Test”, gehts weiter. Und mit der Zeit entsteht eben das, was man Businessplan nennen kann.
So machen wir das übrigens ;-)

Spannnende Fragen. Ganz spontan: Ich wünsche mir den Club der MacherInnen. Das größte Potential für innovative Startups liegt im konstruktiven Miteinander von jungen Ideen und dem nüchternen Umsetzerblick. So kann die Ideenwolke am schnellsten abregnen und ihre kostbaren Tropfen auf fruchtbare Erde fallen lassen.

Das hab ich grad gestern wieder gespürt: Eine Tasse Tee mit meinem persönlichen Mentor – ein frisch pensionierter Wirtschaftstreuhänder und mehrfacher Aufsichtsrat – bringt mir in meinen unternehmerischen Projekten am meisten wenn ich mal nicht so recht weiter weiss.

Die passenden Leute zusammenzubringen scheint mir die Herausforderung. Da haben wir in Österreich noch wenig kulturelle Erfahrungen. Umso spannender also…

Unterm Strich begrüße ich alles, was zu sinnerfülltem unternehmerischen Handeln führt ; )