Wer, wenn nicht wir?
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Atomkraft, Gaddafi und Strasser. Nur einige aktuelle Schlagwörter aus den Medien. Die daraus wurzelnden Statements, Presseaussendungen und Diskussionen vermitteln mir vor allem eines: Viel können wir uns augenscheinlich nicht von „der Politik“ erwarten.
Ich spüre wie wohl viele die Enttäuschung, die Wut und die Ratlosigkeit darüber, welche Knöpfe wir drücken müssten, damit endlich „gescheiten Köpfe“ an die Steuerräder der Macht kommen. Doch halt, da war doch noch diese unpraktische Komplexität von Systemen. Diese Dichte an Faktoren und Einflüssen, Rückkoppelungen und Beziehungen ist ermüdend und entmutigend. Können wir was ändern? Das fragen sich viele und die meisten resignieren und versuchen sich abzulenken.
Ich selbst kämpfe gegen meinen inneren Nörgler, der am liebsten im Minutentakt auf Twitter und Facebook über die Verlogenheit, Kleingeistigkeit und Abwesenheit von Intelligenz schimpfen möchte. Doch ich bremse mich, denn was bringt uns die kollektive Aufgeregtheit, wenn dem Schimpfen keine Taten folgen? Spätestens wenn man zum Zyniker geworden ist, hat man selbst verloren.
Müssen wir am Ende des Tages nicht einsehen, dass sich eben nichts ändern wird, wenn wir nicht selbst Verantwortung übernehmen? Dabei ist das für mich nicht als Stammtischspruch gemeint, den wir am nächsten Tag schon wieder vergessen haben. Am Ende gibt es wohl nur einen unbequemen Weg, nämlich jenen selbst in die Politik zu gehen. Spätestens wenn man selbst Kinder hat, kann man sich mit dieser Herausforderung besser anfreunden.
Denn besser wählen ist auch nur dann möglich, wenn es eine wahrhaftige Auswahl gibt. Eine Auswahl an klugen Köpfen mit Vision, Mut und Erdung. Da können wir noch so viel neues Bewusstsein haben. Da kommt man drauf, dass man Erdbeereis will und der Laden hat wieder nur Zitrone. Dass die bessere Auswahl aus den Nachwuchsorganisationen der herrschenden Parteien kommen, bezweifle wohl nicht nur ich. [Update]: Dabei bin ich überzeugt, dass es dort spannende Menschen gibt, aber das leider andere Auswahlfaktoren überwiegen, um nach oben zu kommen. Oder das System sich selbst behindert.
Ich bin guter Dinge, dass wir in den nächsten Jahren viele neue Kandidaten für politische Ämter erleben werden. Dabei nenne ich sie bewusst nicht Parteien, denn diese Krebsgeschwüre des politischen Systems sind am Sterben und suizidgefährdet. Der Medienwandel unterstützt dabei das Potential für neue Kräfte, denn spätestens in 5 Jahren sind die millionenschweren Plakatwand- und Zeitungskampagnen kein entscheidender Faktor mehr. Reichweite und Aufmerksamkeit werden erschwinglich.
Wir müssen uns anfreunden. Mit diesem Gedanken, es selbst zu tun. Selbst ein Teil von “der Politik” zu werden.
Wer, wenn nicht wir?
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Du bleibst der Politik nach dem Kommentar wohl auch besser fern…
@Petr: Ein Unkommentar? Kannst hier gerne aussprechen, was du denkst. Am liebsten natürlich ohne Pseudonym.
“es is’ wie es is’ und es kommt wie es kommt” – also “abschalten”, um es mit Peter Lustig zu sagen.
Lieber Hannes,
mit liegt einiges auf der Zunge (bzw juckt es in den Fingern), aber die Zeit ist knapp. Eines stört mich aber an dem Text sehr, weil ich auf diese Sichtweise nicht das erste Mal stoße: “Die Politik bringt nix weiter, also müssen wir BürgerInnen das selbst tun.”
Klingt gut und trifft den allgemeinen Frust, ist aber aus meiner Sicht ein sinnloser Stehsatz. Ich war 20 Jahre Aktivist. Seit einem Jahr bin ich Politiker. Vorher war ich gut, weil Bürger und aktiv und engagiert, heute bin ich “die Politik” und bringe nichts weiter? Ist das nicht zu einfach?
Ich bin immer noch zu aller erst ein politisch interessierter Mensch und erst in zweiter Linie und nur deshalb Politiker. Ich halte es für fatale Resignation, “die Politik” als abgeschotteten Bereich zu sehen. Ich bin quer eingestiegen, als ich das Angebot hatte. Ich hätte nie wieder als Wähler raunzen können, weil ich mir immer gedacht hätte: Dann hättest du es halt selbst gemacht. Jetzt mach ich es selbst. Und möglichst viele andere sollten das auch tun.
Da treffen wir uns allerdings wieder: Politik machen muss nicht heißen, dass man das in einer Partei tut oder überhaupt im “professionellen” Politikbetrieb. Aber nach so langer Zeit als Aktivist behaupte ich eines auch: Keine Ergebnisse und hohen Frust kann man ohne Partei auch haben. Und wie.
Lieber Michel, ich habe auch deswegen “der Politik” in Anführungszeichen gesetzt. Weil es diese als objektive Größe natürlich nicht gibt.
Mich beschäftigt ja mehr das System, denn die klugen Köpfe gibt es ja. Leider spürt man in Diskussionen, dass es immer in erster Linie um die Parteilinie geht und nicht um das Wohl der Gesellschaft. Ganz grundsätzlich reden aktive Politiker mehr über (die anderen) Parteien, als über die Themen. Das ist ein Problem.
Ich habe das spannend und mutig von dir wahrgenommen, dass du eben wirklich “rein” bist. Für mich ist das die letzte Chance für die alten Parteien, wenn sie Quote der Quereinsteiger erhöhen und mit einer entsprechenden Kultur deren Energie zur Erneuerung nutzen.
Hallo Hannes,
deine Zeilen sprechen mir aus der Seele. Es ist traurig mit ansehen zu müssen, dass diejenigen, die in der Politik und somit für das Wohl der Leute, die sie gewählt haben, etwas weiterbringen möchten nur deswegen keine Chance haben, weil sie parteilich anders eingefärbt sind.
Und auf der anderen Seite die Systemverwalter unter den Politikern, die ihre gewonnene Macht besessen verteidigen (Beispiele gibt es genug), anstatt darüber nachzudenken, was der Bevölkerung des großen Ganzen (Österreich/EU) besser tun würde.
Immer mehr Dinge, die in der Politik ablaufen, müssten ehrlichen Politikern die Zornesröte ins Gesicht treiben. Die einen halten die Hand auf, andere sehen ihre Arbeit nur darin, Dinge aufzudecken, weitere handeln nicht mehr ideologisch, sondern sind einfach nur dagegen und blockieren … und die ehrlichen, gehen unter.
So lange es sich die beiden Großparteien (und bald gehört eine dritte auch dazu) unter sich ausmachen und nur auf die alternde Bevölkerung (Pensionisten, bald die größte Wählergruppe) abzielen, werden sie ihre Taschen füllen und für die Jugend kaum mehr was übrig lassen. Außer die verseuchte und verbrauchte Umwelt.
Ich hab kein Rezept dagegen sondern schau nur in meinem eigenen Einflussbereich, dass ich nachhaltig wirtschafte und die Umwelt, die nicht uns gehört, so gut wie möglich schone. Für die Politik bin ich nicht geeignet, denn dafür müsste ich ……… können und das macht mir keinen Spaß.
auf der suche der unabhängigen political entrepreneurs von morgen,
die Projektbörse Respekt.net stellte per Pressekonferenz heute ihr neues Advisory-Board vor,
Gespräch bei Tisch gestern bei Board Meeting:
“… es braucht politisch erfahrene MentorInnen und junge eigenständige engagierte Revoluzer, die sie unterstützen können…”
http://derstandard.at/1297821226582/Respektnet-Zivilgesellschaft-braucht-dringend-neue-Impulse
bin jetzt seit 2 Monaten bei Respekt.net, hab vorher gesagt, dass ich es für eines der spannendsten Projekte in der österreichischen Zivilgesellschaft halte, …. stehe ich noch immer dazu!
; )
liebe Grüß
josef
Danke speziell für diesen Absatz:
“Ich selbst kämpfe gegen meinen inneren Nörgler, der am liebsten im Minutentakt auf Twitter und Facebook über die Verlogenheit, Kleingeistigkeit und Abwesenheit von Intelligenz schimpfen möchte. Doch ich bremse mich, denn was bringt uns die kollektive Aufgeregtheit, wenn dem Schimpfen keine Taten folgen? Spätestens wenn man zum Zyniker geworden ist, hat man selbst verloren.”
Das kann ich gut aus eigenem Erleben nachvollziehen und sehe daher diese Gefahr auch deutlich – an allen Ecken – auf den verschiedensten Plattformen, die es sehr leicht machen, “mal Dampf abzulassen”. Der zweite Schritt, selber etwas anzupacken ist schon viel schwerer.
Besonders, wenn die ersten Fehler, die (ja fast notwendig, um sich zu verbessern) von Zynikern dann gleich wieder als Beispiel genützt werden, dass “das ja nix werden kann”. Und nachher, wenns doch was wird, meinen die Gleichen “ich habs ja schon damals gewusst”. Ganz vermessen, wenn sie die Idee dann für sich beanspruchen.
Nicht allein Engagement in politischer Funktion ist der Garant etwas zu verändern, für mehrere tätige Politiker nur ein Pseudonym um auch die Macht verspüren zu können oder sich durch kostspielige Projekte ohne Gedanken auf Nachhaltigkeit zu profilieren. Einige wenige überzeugen durch wirkliches Wollen und Sinnhaftigkeit in ihrem Tun und sind durch ihr offenes Auftreten für die Sache hochgradig gefährdet angegriffen und aus der Politk entsorgt zu werden. Die Parteilinie als oberste Priorität (von allen praktiziert) ist der Tod eines jeden Aktivisten der greifbare und brauchbare Politik machen will. Effizienz und Effiktivität (das Richtige tun und das was man tut richtig tun) wird von vielen gerne gesagt, aber kaum wirklich gelebt. Vom Kapitalismus zu sprechen und deren Methoden anzuprangern und selbst aus lauter Gier mit beiden Händen zu scheffeln finden wir in allen politischen Strukturen, mal größer, mal kleiner und viele erliegen dem Gefühl der Macht und verlieren das Wesentliche aus dem Auge. Politik ist nicht nehmen und Meinungen ohne Verluste an den Bürger zu bringen – Politik soll mit innovativen, zukunftsorientierten und nachhaltigen Ideen und deren Umsetzung und alle voranbringen. Nicht das Planungsdenken für eine Regierungsperiode sondern für eine langfristige Zukunft ist die politische Aufgabe und Credo eines engagierten Politikers. Tut mir aufrichtig leid, aber wenn mich sich die derzeitigen Diskussionen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und zukunfstorientiertes Arbeiten anhört und dabei noch zusehen muss, wie wir international immer mehr an Boden verlieren, hier muss man fast glauben von lauter politischen Nullnummern umgeben zu sein. Trotzdem zur Ehrenrettung gibt es wirklich noch einige kluge, innovative politische Köpfe in diesem Land. Wünschen wir sie uns in politische Funktionen in denen sie für die Zukunft Bewegung zum Positiven bedeuten.
Mein Blog hat mir verraten, dass er mit diesem Blog hier verlinkt ist. Und er hat mir auch verraten, dass er ein bisschen traurig ist, weil hier von “unpraktischer Komplexität” die Rede ist. Da fühlt er sich entsetzlich missverstanden. Er, mein Blog nämlich, meint, dass Komplexität etwas ungeheuer praktisches ist, das ungeheuer viel Bequemlichkeit und einen sehr hohen Lebensstandard erlaubt. Unpraktisch ist nur die Art und Weise, wie man ein noch nie da gewesenens Ausmaß an Komplexität und Dynamik derzeit noch in vielen Bereichen behandelt. Das allerdings ist ein klassisches evolutionäres Problem der Menschheit. Es war immer schon so, dass der Mensch seinen eigenen Erfindungen erst hinterherhinken musste. Es sind eben bloß immer nur ein paar wenige Menschen, die ihr voraushumpeln. Was sie zu sagen haben, das möchte mein Blog hier auch noch angemerkt wissen, ist, dass Macht völlig sinnlos geworden ist. Was in Zukunft noch funktionieren wird, ist die Kombination von höchster Intelligenz und Demut. Da käme dann verantwortungsvolles Denken und Handeln heraus.
Hallo Hannes,
ich denke, viele Menschen würden das unterschreiben. Sie sind unheimlich unzufrieden. Viele regen sich auf … und ja “Spätestens wenn man zum Zyniker geworden ist, hat man selbst verloren.”
Auch ich denke, dass der einzige Weg darin besteht, selbst aktiv zu werden. Ob man nun in die Politik geht oder seine Vorstellungen zunächst mal in der eigenen Umgebung umsetzt. So weit dies möglich ist.
Denn in einigen Bereichen haben wir die Möglichkeit, etwas zu tun. Wir vergessen das nur allzu oft.
Um beim Beispiel Atomkraft zu bleiben:
- Wir können Strom sparen.
- Wir können einen Ökostromanbieter wählen.
- Wir können uns gemeinsam mit anderen dafür einsetzen, dass die Schule unserer Kinder eine Solaranlage bekommt (Wir können Spenden sammeln, Aktionen starten, gemeinsam anpacken)
- Wir können eine Stromwechselparty veranstalten und zunächst mal all die interessierten Menschen in unserer Umgebung dazu einladen.
- Wir können unserem Arbeitgeber Vorschläge zum Strom sparen unterbreiten (und dieser wird hoch erfreut sein, wenn er dadurch einige Euros sparen kann)
- Wir können ……
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es viel befriedigender ist, aktiv etwas zu verändern, statt immer nur zu nörgeln.
Die problematische Dynamik bei der Einführung direkter Demokratie auf Unterhaltsame Weise in der UK TV Serie Yes Minister aufbereitet:
http://www.youtube.com/playlist?p=6270FAF429FA542D
Allerdings bezweifle ich, dass es unter unseren Politikern Menschen mit so einem weichen Herz, wie das des Prime Ministers bzw. einen Beamten der so wie der Permanent Secretary als Reinkarnation von Machiavelli durchgehen könnte, gibt. Die grundlegenden Abläufe sind aber sicher abstrahierbar und könnten trefflicher abgebildet nicht sein.
Die Serie ist übrigens Maggie Thatcher’s Lieblingsprogramm, eine Neigung die ich mit ihr Teile. Denke auch dass viele von Thatcher’s durchaus vernünftigen Reformen vom Civil Service massiv blockiert wurden und irgendwas bedeutet mir, dass ihr Abgang unter Tränen mit der einen oder anderen wichtigen Umwälzung zu tun gehabt haben könnte.
Mit Goethe’s Worten und passend zum Osterfeste also: “Die Botschaft hör ich wohl, allein fehlt mir der Glaube”
LG Karim
Ich denke auch dass ein grundsätzliches Problem darin liegt, dass der professionelle Politikbetrieb Menschen verändert. Denn wenn der überzeugte, idealistische Politiker endlich in der Position ist, wirklich was zu ändern, dann hat er was zu verlieren. Auf diese Weise nimmt die Bereitschaft zu wirklicher Veränderung bereits auf dem Weg nach oben ab.
Eines der Probleme scheint mir zu sein, dass die “professionelle” Politik mit schöner Regelmäßigkeit “nicht-professionelle” politische Aktivitäten schlichtweg auflaufen läßt.
Ein Beispiel ist etwa Uni brennt, wo sich unter dem Motto “Ihr werdet Euch noch wünschen, wir seien politikverdrossen” Tausende Betroffene für politische Ziele engagiert, Organisationsstrukturen aufgebaut, Forderungen formuliert haben usw. Der darauffolgende politische Dialog kam dann aber eher einer Hinhalte- und Vetröstungsstrategie gleich, mit dem Ergebnis, dass sich nichts geändert hat.
Der Bürger lernt somit: Man kann sich parteipolitisch engagieren, in den “politischen Betrieb” einsteigen und mit der Zeit abgenützt werden; oder man kann sich ausserhalb parteipolitischer Organisationen engagieren, und wird durch die bestehenden Strukturen erst recht wieder abgenützt.
Daraus kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass egal wie man es macht, wirkliche Veränderung kaum realisierbar ist. Die darausfolgende Ernüchterung nennt man dann wohl Verdrossenheit.
[...] Offenbacher frägt “Wer, wenn nicht wir” und bekennt, dass er ständig den inneren Nörgler bekämpft. Wer halbwegs wach durch den Alltag [...]
[...] Offenbacher frägt “Wer, wenn nicht wir” und bekennt, dass er ständig den inneren Nörgler bekämpft. Wer halbwegs wach durch den Alltag [...]
Wer, wenn nicht wir??? Sollten Eigenverantwortung übernehmen bei unserem Umgang mit Energie. Für mich war schon 2004 klar, dass ich beim Strombezug nur einen zertifizierten Ökostromanbieter unterstützen will, der das know how und die finanzielle Ausstattung hat um laufend Ökokraftwerke zu bauen.
Ich habe ihn mit dem Familienbetrieb Alpen Adria Energie http://www.aae.at im Energieautaeken Kötschach Mauthen gefunden.
Eine gute Anlage für die Zukunft ist auch die Investition in eine PV Anlage unter dem Motto: besser eine PV Anlage am Dach als Aktien im Keller!! Das ist gut für die Umwelt und die Geldbörse.