Rudolfshütte: Von der Schutzhütte zum Berghotel

Mrz 20, 2011 5 Kommentare Raumschiff
 

[Raumschiff]: Dieser Ort hat mich maßgeblich geprägt. Hier hat sich meine tiefe Liebe zum Alpinsport entwickelt, hier habe ich mit 13 Jahren mein erstes „Event“ organisiert. Hier in diesem Haus haben wir 2007 das erste Mehrblick Projekt auf die Beine gestellt, das so viel verändert hat. Es ist ein Stück mein zweites Zuhause, denn seit ich ca. 5 Jahre alt bin, komme ich fast jährlich hier her. Zusammengezählt habe ich schon 2 ½ Jahre hier oben verbracht. Es ist mein Kraftplatz.

Gestern: Klingender Name der Alpingeschichte

Dieses Haus hat eine bewegte Geschichte. Einst eine kleine Hütte, wurde es vom österreichischen Alpenverein zum eindrucksvollen, alpinen Ausbildungsstützpunkt ausgebaut. Als „Alpinzentrum Rudolfshütte“ hatte es in der alpinen Szene einen Namen. Meine enge Verbindung zu diesem Ort hat einen einfachen Grund: Mein Onkel war lange Zeit der Hüttenchef und so wurde es zur Familientradition, die Ferienzeit im Winter und auch einige Wochen im Sommer, hier zu verbringen.

Doch jede Ära geht zu Ende. Der Alpenverein bekam zunehmend Probleme das Haus in besonderer Lage finanziell zu halten. Nicht überraschend, so war und ist es eine Herausforderung, denn die Rudolfshütte steht auf 2315m Seehöhe, mitten im Hochgebirge nahe dem Großglockner und ist ausschließlich mit der Gondel (oder zu Fuß) erreichbar. Dazu kommen (heute) 300 Betten, was es aus der Dimension einer alpinen Hütte hebt. Es mag auch sein, dass das Projekt von Beginn an für den Alpenverein eine Nummer zu groß war. Ein Verein, der sich auf das Führen von Schutzhütten versteht (und auch hier vor großen Herausforderungen steht), hatte sich wohl hinreisen lassen, vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Lebensader „Gondel“ ja nicht in der eigenen Hand und ebenso schwierig profitabel zu führen war. Mit der steigenden Konkurrenz an Möglichkeiten die alpine Leidenschaft (auch im Ausland) auszuleben, ging endgültig die Luft aus. Die (Hinter-) Gründe sind mit Sicherheit komplexer, aber dieser Artikel hat ja keinen Anspruch auf eine detaillierte Analyse.

So kam was anscheinend kommen musste und der Alpenverein verkaufte das Haus und fand mit dem lokal verankerten Hotelier Dr. Holleis, dem auch das Grand Hotel und der Salzburgerhof in Zell am See gehören, einen ambitionierten und mutigen Neubesitzer. Zur Freude von mir, den lange Zeit sah es so aus, als ob das Haus zur mahnenden Ruine werden würde. Auch die Gondelanlage wurde von der Holleis Hotelgruppe übernommen – eine unternehmerische Notwendigkeit, die den Weg zu einem Gesamtkonzept frei machte.

Von vielen als Himmelfahrtskommando angesehen, schaffte Holleis allen Unkenrufen zu Trotz die Kehrtwende. Nicht nur die lokalen Zulieferbetriebe und Angestellten konnten aufatmen, sondern auch die vielen Liebhaber dieser besonderen, alpinen Gegend.

Heute: Vom Alpinzentrum zum Berghotel

Es mag einige geben, die den alten Zeiten nachweinen – und auf jeden Fall hatte die Zeit des Alpinzentrum Rudolfshütte einen besonderen Charme. Dieses mächtige Haus als Tummelplatz so vieler grandioser Alpinisten. Die Stimmung war etwas Besonderes und man kann sie schwer in Worte fassen. Hier war man unter sich, fühlte sich verbunden. Vor allem in einer Zeit in der das Bergsteigen, Klettern, Skitouring & Co. noch kein Massenphänomen war. Ein Gegensatz zu heute, wo jeder zweite Wiener Stadtbewohner im Winter mit Alpinsportjacken in der U-Bahn steht.

Doch wer jetzt den alten Zeiten nachweint, der sollte zurück in die Gegenwart kommen. Die Rudolfshütte hat in den letzten Jahren ein umfangreiches (und notwendiges) Upgrade erhalten. Vorbei sind die Zeiten von Zimmern ohne Dusche und WC. Das Haus wurde aufgehellt, modernisiert und in die Neuzeit geholt. Die Preise sind dabei noch immer mehr als fair.

So sitze ich in der neuen Lobby (man nennt es hier liebevoll „Wohnzimmer“), trinke guten Rotwein von der umfangreichen Karte, der mir auch an den Platz serviert wird. Ein Blitzschnelles Wlan ist verfügbar und ich muss schmunzelnd an die Zeit zurückdenken, als es hier noch keinen Handyempfang gab bzw. als Handyverbot herrschte. Die Zeiten ändern sich und es ist nutzlos 1995 mit 2011 zu vergleichen. Die Küche hat sich von der Kantine zum guten Hotelbuffet gemausert und das Schwimmbad, das sogar schon vom Alpenverein stammt, wurde mit Sauna und Dampfbad erweitert.

Der Gletscher hat sich seit meiner Kindheit viele hunderte Meter zurück gezogen. Doch die charaktervolle Landschaft, diese alpine Arena von 3000er Gipfeln ist noch die gleiche und hat an Faszination nichts eingebüßt. Ich blicke aus dem Fenster und fühle mich zeitlos. Auch die Bilder von früher hängen noch an den Wänden und wirken wie Zeitmaschinen. Auf einigen kann ich sogar den kleinen Hannes entdecken.

Morgen: Ausbau und Alpinsport Renaissance

Ein Ausbau der touristischen Kleinregion ist schon lange überfällig. Ein mittelgroßes Skigebiet wie die WeissSee Gletscherwelt lässt sich schwer mit den 300 Gästen füllen und die Konkurrenz erscheint mit dem unmittelbaren Nachbarn Kitzsteinhorn/Kaprun übermächtig. Romantiker mögen hier aufschreien und zur Kleinheit mahnen, doch ökonomisch ist das eine Utopie. So freue ich mich über die geplanten Zubauten von Rudolfshütte 2 und 3, die in den nächsten Jahren anstehen. Nur so kann die Zukunft des Standortes gesichert werden.

Einen besonderen Moment bei meinem Besuch hatte ich, als ich vor der neuen Fassade des Hauses stand. 285m² Solarfläche lassen die Rudolfshütte neu erstrahlen. Eine Schönheit. Und ich muss schmunzeln, denn als ich 2007 hier das IdeenCamp zu den Themen Nachhaltigkeit & Innovation veranstaltete, überwogen noch die Skeptiker, welche Themen wie alternative Energien als Spinnerei ansahen. So ist es schön zu hören, dass auch die neuen Zubauten die Möglichkeiten von Energieeffizienz ausloten werden, wahrlich eine große Herausforderung in dieser Höhenlage mit Windspitzen von bis zu 130 km/h und Temperaturen von bis zu -30 im Winter.

Man wird sehen, was die Zukunft der Rudolfshütte bringen wird. Sie wird mit Sicherheit nicht weniger spannend werden als die Vergangenheit und auch ich werde weiterhin vor Ort die Entwicklungen miterleben. Die neue, ambitionierte Hoteldirektorin Nicole Christoph zeigt sich hoch motiviert die Rudolfshütte in eine neue Zeit zu führen. Allen die einmal mitten in die hochalpine Schönheit der Alpen verweilen wollen, denen lege ich einen Besuch ans Herz. Im Winter vor allem für Skitouren Fans und Variantenfahrer, im Sommer für Kletterer und Bergsteiger.

Und ich prognostiziere eine Rückkehr der Alpinsportler auf der Rudolfshütte. Ist das Haus heute vor allem von Familien besucht, erwarte ich mir mehr Bergsteiger als Gäste. Denn: Alpinsport ist voll im Trend. Der österreichische Alpenverein hat gerade die 400.000 Mitglieder Grenze überschritten und eine neue Outdoor-Kultur erfasst den Tourismus. Man will zurück in die Natur, will sich spüren und etwas erleben – UND möchte dabei einen gewissen Grad an Komfort genießen, auch wenn man kein Problem damit hat, ab und an in einem muffigen Lager ohne Dusche zu schlafen. Genau das kann dieser Ort bieten.

Die Alpinarena in der die Rudolfshütte eingebettet ist wird jeden Bergliebhaber begeistern. Ebenso wie der österreichische Spitzenwein an der Bar. Und ich? Ich komme wieder. Immer.

Link: www.alpinzentrum-rudolfshuette.at

In der Kolumne [Raumschiff] berichtet Hannes von außergewöhnlichen Orten, besonderen Kraftplätzen, die er bei seinen beruflichen und privaten Streifzügen entdeckt. Der Begriff “Ort” ist dabei nicht zu eng zu verstehen. Anregungen für Orte, die Hannes besuchen sollte, sind erwünscht!


 

5 Kommentare zu “Rudolfshütte: Von der Schutzhütte zum Berghotel”

  1. Dani T. says:

    Seid ich deine Blogposts dazu kenne will ich dorthin :-) Hoffe, ich schaff es irgendwann. Ist’s im April auch noch cool dort?

  2. Hannes Offenbacher says:

    :-) Ja im April kann es sehr lässig sein, vor allem weil das Wetter meist stabiler ist. Derzeit haben sie gerade Neuschnee, Sonne und Windstille. Siehe: https://www.facebook.com/pages/Berghotel-Rudolfsh%C3%BCtte-Wei%C3%9Fsee-Gletscherwelt/114438846239?ref=ts

  3. bobdabaumasta says:

    sehr geniales gebiet. ich war letzten april am letzten betriebstag oben. wetter war nicht ganz perfekt, dennoch ein spitzen tag. http://alien-tools.dnsalias.net/bplaced/index.php?level=album&id=114 ich liebe die alten bahnen abseits jedes massentourismus und die möglichkeiten, die sich einem dort oben bieten. finanziell kämpft das gebiet ja schon seit jahren ums überleben (war ja auch schon mal zu), aber mit dem bereits an gerollten freeride boom, sollte dort auch was zu machen sein. eine größere skigebiets erweiterung, spielts dort zum glück eh nicht (defacto naturschutzgebiet). für die gebrauchte 2er Sesselbahn, die sie gerade aufstellen, haben sie fast 10 jahre um die genehmigung gestritten. http://salzburg.orf.at/stories/391500/ . also bissl richtung freeride positionieren und die tourengeher hat man ja auch noch, dann sollte das zu stemmen sein.

  4. Nicole Arnitz says:

    Freue mich auch schon sehr darauf, endlich wieder oben zu sein. Auch im Sommer ein Traum!

  5. Mireille Trauner says:

    Wir waren jetzt von Sonntag bis Heute dort! Spitzen Wetter, super Schnee, sehr gutes Haus.
    Wir kommen auf alle Fälle nächstes Jahr wieder.
    Vielleicht auch mit Freunden, wenn wir es ihnen Schmackhaft machen können !

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