Unternehmerische Schizophrenie
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Was ist mein wichtigster Tipp für angehende Unternehmer? Welche Lehren habe ich bisher aus meiner eigenen Selbständigkeit gezogen, aus der Existenzgründer lernen können? Diese Fragen stellt das Martin Grünstäudl von gruendungswissen.at und ruft damit eine Blogparade aus. Antworten kann man wohl unglaublich vielfältig auf diese Fragen – und den einen, besonderen Tipp zu isolieren ist eine fordernde Aufgabe.
8 Jahre befinde ich mich nun in der Selbstständigkeit, knapp 4 Jahre als Unternehmer mit Mehrblick. Wenn ich zurückblicke gibt es viele Erkenntnisse, die ich durch viel Freiraum und Mut zum Scheitern gewinnen konnte. Und das wäre schon ein Anwärter auf den ultimativen Tipp für NeugründerInnen, denn dieser Mut zum Scheitern ist in einem Kulturkreis ohne eigentliche Kultur des Scheiterns eine besondere Eigenschaft, die sich jeder visionäre Gründer entwickeln sollte. Denn wer Chancen erkennt, diese aber aufgrund dieser tiefsitzenden Angst nicht versucht zu ergreifen, der ist ein Narr.
Es könnte aber auch das Schwert der Entscheidung sein, das ich schon vor einigen Monaten als die ultimative Waffe für erfolgreiches Unternehmertum ausgerufen habe – begleitet von der Entschlossenheit, als wichtigen Begleiter in Zeiten der großen Herausforderungen.
Doch heute, exakt an meinem Geburtstag, blicke ich zurück und sehe vor allem eine Sache als erfolgsentscheidend für meinen persönlichen, unternehmerischen Erfolg. Ich mag es – nicht unspektakulär – die gesunde, unternehmerische Schizophrenie nennen. Jene Fähigkeit zwei sehr konträre Persönlichkeiten zur respektierenden Zusammenarbeit zu verführen. Den Träumer und den Macher. Den Fantast und den Bodenständigen. Den Visionär und den Realisten.
Ich #1 – der Realist
Wir tragen beide in uns, doch will uns das System der Erwachsenen den verspielten Träumer rasch austreiben. Und noch weiter – auch wir beginnen ihn abzuschotten. Oder sagen wir genauer: Der Realist in uns. Und er hat auch Grund dazu. Denn es ist der Realist, der die Abrechnungen der Sozialversicherungsanstalt im Kopf hat. Er sieht die steigenden Strukturkosten und spürt den Akquise Druck. Er blickt auf die unternehmerischen Kennzahlen und die nötigen Investitionen, die aufzustellen sind. Da lässt uns die rationale Logik keinen Platz für emotionale Befindlichkeiten.
Ich #2 – der Träumer
Der Träumer, Visionär und Spinner hingegen, der sieht die Möglichkeiten. Er fühlt die Lust am Kreieren und genießt den Rausch der Schöpfung. Er ist emotional und egozentrisch, orientiert sich an Leidenschaft und Sinn. Damit ist er sozusagen der absolute Gegenpol zum Realisten.
Wären es zwei Menschen, so würden der eine Skoda Fabia und der andere Porsche Cayman fahren.
Zusammen sind wir mehr
Das Kunststück lautet, beide zur ausgewogenen Zusammenarbeit zu bringen. Den Realisten nicht zu erlauben, die Stimme des leidenschaftlichen Träumers zu übertönen - so fordernd die ökonomische Realität auch sein mag. Wir kennen die alte Weisheit „Mache das, was Dir Spaß macht und Du wirst erfolgreich sein“. Natürlich ringt uns der Spruch in den schwierigen Anfangsjahren eines Unternehmens nur ein müdes Lächeln ab, dennoch trifft er den Nagel auf den Kopf.
Nur wenn wir dem Fantasten und verspielten Träumer seinen Raum lassen, können wir dessen enorme Kraft anzapfen. Eine Kraft die jeder Entrepreneur gut brauchen kann. Oder spitzen wir es zu: Um wirklich erfolgreich zu sein, brauchen wir diese Kraftquelle.
Und wenn wir diese gesunde Schizophrenie ausleben, die beiden sich arrangiert haben und deren jeweilige Rolle verstehen und wertschätzen, dann entfaltet sich das ganze Potential das in uns schlummert.
Erfolgsfaktor Mensch
Mein Tipp an alle GründerInnen da draußen lautet daher: Lasst Euch von Bankangestellten, Anwälten und anderen Nicht-Unternehmern nicht eure Leidenschaft und Träumerei austreiben. Schenkt ihnen ein Lächeln und hört auf Euer Herz. Und nicht nur auf Euer Hirn. Der größte Erfolgsfaktor beim Gründen ist und bleibt der Mensch.
Glückt das Kunststück, dann kann man auf dem Fundament der persönlichen Leidenschaft auch ein strategisches Business Modell aufbauen. Dann wird die sonst oft ablenkende Träumerei zur Inspirationsquelle für die strategische Unternehmensentwicklung und Motor für Innovation – und damit automatisch die Wurzel für erfolgreiches Unternehmertum.
Und plötzlich ist Montagfrüh eine verdammt coole Zeit.
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emotional, authenisch wirkend, mit herz, persönlich, pur, direkt und offen. worte, die klingen. soche texte mag ich. sehr schön! danke! lieben gruß, diana
Gerade reingestolpert und hängengeblieben.
Wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen!
Skoda Caymann & Porsche Fabia – meine zwei Lieblingsautos!
Hallo Hannes, ich kann dir nur recht geben. Für mich ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, dass man nicht auf “Berater” etc. hören sollte. Beraten lassen ja, aber nur von Leuten die wirklich verstehen, was man macht und wie es einem dabei geht. Viel Erfolg weiterhin und hoffentlich bis bald, Martin
Toller Artikel der Mut macht!
ja, da kann ich in sehr vielen punkten zustimmen. diese gesunde schizo funktioniert auch noch nach viel mehr jahren, so zumindest meine erfahrung.
Wirklich sehr gut getroffen, das sollte doch einigen den Mut geben, das zu tun, wozu sie Lust haben!
“Der größte Erfolgsfaktor beim Gründen ist und bleibt der Mensch.”
Punkt!
Das ist besser als jedes “Tschakka, du schaffst es”
Hallo Hannes,
ich habe auch einen Artikel bei der Blogparade von Martin hinterlassen, muss allerdings neidlos anerkennen das Deine Ausführungen den Nagel auf den Kopf treffen. Ich habe nach meiner eigenen Gründung (2 Jahre Selbstständig) das Unternehmertum gegen eine Festanstellung eingetauscht.
Das Thema finde ich nach wie vor extrem spannend und vielfältig. Dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
Beste Grüße
Thomas Mallessa
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