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Dieser Beitrag ist Teil der BLÖGGER Blog Parade zum Thema “Link Kultur”

“Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit als Währung dient und Links ein wertvolles Gut sind. In der Blogosphäre übernehmen sie die Rolle eines Verkehrsnetzwerkes, das Leser zu weiteren Informationen und Wissen hilft indem es Verbindungen zwischen den Beiträgen erzeugt. Dennoch hat die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen”

Wir sind müde. Wir sind überfordert. In den letzten Jahren hat sich im Web viel getan. Die Geschwindigkeit ist rasant und die Informationslawine hat uns voll erwischt. Voller Neugier und Faszination haben wir uns hinein gegraben, haben gebloggt, gelesen und ausprobiert. Doch mit der Zeit wurde aus dem Spielen harte Arbeit. 100 Blogs zu lesen und zu kommentieren wird schnell zum überfordernden Tagesgeschäft. Dazu kam noch das ewig hungrige Vogerl – alias das schwarze Loch Twitter.

Dass wir früher oder später mal an einen Punkt kommen, wo man instinktiv zu macht, war klar. Sage ich heute neunmalklug. Aber echt: Immer öfter treffe ich Blogger, die selbst keine anderen Blogs lesen. Was für eine paradoxe Situation. Vor einem Jahr straften wir Leute, die keinen Feedreader benutzten, noch mit verächtlichen Blicken ab. Und heute? Sind wir alle überhebliche Editorial Schreiber geworden, genau wie jene Angestellten von Massenmedien, die wir anfangs so stark kritisierten? Wo ist der Dialog, der Austausch und das Interesse an den eigenen Themen? Wenn jeder nur noch sich selbst liest, dann ist der Schritt zur eigenen Facebook Fanseite nicht mehr weit.

Immer mit vorne dabei. Das macht müde…

Es ist menschlich. Wenn das anfangs so spannende Bloggen plötzlich zur lästigen Dauerarbeit wird, kann man (soll man) die Sache auch hinterfragen. Wir, die Speerspitze der selbstzerstörerischen Multitasking Generation, steigen plötzlich aus. Oder laufen wir einfach nur davon?

Die Spielphase ist vorüber und ob von den Jahren des Investments ein solides, zukunftsfähiges Fundament übrig bleibt liegt in unseren Händen. Wollen wir das alles einfach so in den Müll kippen? Was ist heute schon noch eine Blogroll wert? Selbst ein österreichischer Ur-Blogger wie Hannes Treichl hat überhaupt keine mehr. Ich selbst weiß nicht genau, wann ich meine das letzte mal „gepflegt“ habe. Vor einigen Monaten habe ich die Reißleine gezogen und meine rund 200 Blog Abonnements gelöscht. Es war zu viel. Burnout.

Wir liegen im Koma. Und schaden damit vor allem uns selbst. Verlinkungen sind ja nicht nur menschlich eine nette Sache. Sie heben auch die ganzen „Szene“. Mehr Verlinkungen bedeutet mehr Relevanz in den Augen von Gott Google. Und das führt zu einer höheren Relevanz in der Gesellschaft.

Aber noch viel dringlicher sehe ich die Frage: Wozu dann überhaupt noch schreiben?

In einem gemeinsamen Reflektieren, kamen Peter Wallner und ich zum Schluss, dass die primäre, wichtigste Zielgruppe unserer Blogs, andere Blogger sind. Branchenkollegen, helle Köpfe und kritische Geister, Vor- und Neudenker die unsere Beiträge lesen und uns Feeback geben, Standpunkte und Ideen aufgreifen und weiterspinnen. Den Horizont erweitern. Neue Perspektiven erlangen. Gemeinsam weiter kommen, das wollen wir. Oder um was geht es sonst?

Und ich rufe mal wieder öffentlich ein Ziel aus. Ich gelobe Besserung. Ich werde mich ernsthaft um meine Blogroll kümmern, die derzeit wie ein halbtoter Fikus daher kommt. Erbärmlich. Und ja, ich lese Blogs. Zwar selektiver aber auch bewusster.

Und nun mal unter uns. Damit wir das auch alle begreifen. Wir sind ja fast da. Beinahe angekommen, in der so lange schon hochstilisierten Wissensgesellschaft.

Klar, noch stecken wir im Morast der Informationsgesellschaft. Und es mag wichtig sein, dass wir hier eine Unterscheidung sehen. Information ist nicht gleich Wissen. Und eine Informationsflut spült jeden Nährboden für Wissen fort. Da kann nichts wurzeln. Nur untergehen.

Und so müssen wir die Sache mit neuen Augen sehen. Blogs als das erkennen, was sie sein können. Als wichtiges Tool einer dezentralen Wissensgesellschaft. Viele kleine Wissensfabriken. Oder zumindest deren Schauräume. So lange wir aber weiter nur unkommentierte Links weiterschieben, vergiften wir uns selbst. Alles und immer kann nur zu viel sein. Die ständige Twitter-Furzerei bleibt heiße Luft.

Ich hoffe auf die Renaissance der Blogs – noch heuer. Jaja, nennt mich hoffnungslosen Optimisten. Doch es braucht eine Wiederbelebung der Link Kultur. Gerade Neulinge handeln nach jenen Kulturpraktiken die Ihnen vorgelebt werden. Derzeit wäre das gegenseitiges Ignorieren. Das kann es ja wohl nicht sein. Ich für mich entscheide mich dagegen.

Verlinkungen sind essenziell für unseren Weg zur Wissensgesellschaft und die Basis einer gesunden Blogosphäre. Die Übung lautet: Konzentration auf das Wesentliche. Weniger ist mehr. Und: Ein neues, bewusstes und selektives Lese- und Schreib- Management. Denn mit einer neuen Zeitqualität im Social Web kommt die Kultur der Verlinkung von selbst (zurück).

Wir sehen uns beim Blogtail!