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Der Siegeszug von Facebook geht weiter. Und umso bedeutender werden funktionale Kleinigkeiten dieser Plattform, die in meinen Augen eine enorme positive Kraft besitzen. Besondere Kraft schreibe ich dem >gefällt mir< Button zu, der unter jeder Statusmeldung der eigenen Freunde aufleuchtet. Klingt banal, doch sehe ich diese Wertungsoption als eine der wichtigsten und schönsten Funktionen unserer neuen Welt im Social Web.

Was steckt hinter dieser unscheinbaren Funktion?

Eine unendliche Anzahl von mehr oder weniger wichtigen Statusmeldungen prasseln auf uns tagtäglich ein. Manche werden kommentiert, viele gelesen, noch mehr ignoriert und einige auch mit dem Klick auf >gefällt mir< belohnt. Man schenkt Anerkennung, zeigt Aufmerksamkeit und öffentliche Wertschätzung. Eine vermeintliche Normalität, doch wie läuft das im „physischen“ Alltag?

Wir sind keine Weltmeister im öffentlichen Zeigen von Emotion und auch mit Lob und Anfeuerung wird im Alltag – untertrieben ausgedrückt – gespart. Es ist nicht unsere Kultur, sich wie US-Amerikaner mit dem Zurufen von „Amazing!“, „Great!“ oder „Fantastic!“ anzufeuern. Was in den USA mit „fucking cool speech!“ gewürdigt wird, ist bei uns eher eine „gute Präsentation“. Dabei ist es gerade das emotionale Anfeuern, was uns Energie und Mut gibt.

Es ist nicht unser Stil, es wird uns so nicht vorgelebt und es wird fast als befremdend übertrieben empfunden (dennoch finden auch wir den US-amerikanischen Stil lässig). Kulturelle Eigenheiten sind aufgrund unserer Sozialisation eine natürliche Sache. Die kann man nicht so einfach abschütteln und austauschen, vor allem nicht im physischen Aufeinandertreffen, Face-to-Face. Hier ist die Hemmschwelle groß. Aber: Wir schaffen es anscheinend in der geschützten Distanz eines Social Networks, vor dem PC Bildschirm. Plötzlich ist es spielerisch einfach anderen seine Wertschätzung zu zeigen. Erstaunlich.

Aenne Burda, Gründerin des Burda Verlages, sagte einmal:

Die Anerkennung, das Lob der anderen, stärkt unser Selbstwertgefühl. Es gibt Schwung für neue Aktivitäten. Aber man muss auch selbst die Kraft in sich haben, andere anzuerkennen. Und das sollte man öfter tun. Es macht den Umgang untereinander leichter.

Über den soziokulturellen Schatten springen

Und wahrlich, es ist eine schöne Funktion, dieses >gefällt mir<. Es hilft uns stock-steife Europäern dabei, mehr Mensch zu sein. Was bleibt ist der Wunsch, dass wir es mental schaffen dieses >gefällt mir< auch bei physischen Begegnungen über die Lippen zu bringen (vielleicht mit emotionaleren Worten). Es ist wichtig, es tut nicht weh und wir stärken uns damit nur gegenseitig. Und das braucht es in einer Zeit des Wandels.

Warum fällt uns das eigentlich so schwer?

Sind wir im Vergleich zu den USA wirklich eine Neidgesellschaft? Wobei Wilhelm Busch mal sagte, Neid sei die aufrichtigste Form der Anerkennung.