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Es war eine Einladung, der ich einfach folgen musste: Dr. Katzmaier von FAS.research sollte über strategisches Networking sprechen (im Rahmen des AOUG Führungskräfte Forums). Ein Muss für mich aus zwei Gründen. Zum einem – viele wissen es, viele nicht – beschäftige ich mich nun rund 4 Jahren mit dem Thema der Vernetzung – vor allem die interdisziplinäre Vernetzung. Theoretisch wie praktisch. Ein Grund, warum ich überdurchschnittlich viele „Hüte“ mit unterschiedlichen Themen mit mir trage. Zum anderen, weil mir eben dieser Dr. Katzmaier in meinen ersten Internet Recherchen zum Thema „Networking“ besonders aufgefallen war und ohne es zu wissen, einige Inputs für die Gründung des Wiener Institut für Vernetzung beigesteuert hatte. So begleitet mich Katzmaier schon seit Jahren (im Kopf).

Das Netzwerk Österreich

Leider war Dr. Katzmaier dann erkrankt, doch sein Ersatz, seine Mitgesellschafterin Ruth Pfosser, hielt einen fesselnden Vortrag zu der Forschungs- und Visualisierungsarbeit von FAS.research der sehr lohnend war. Im Fokus: Das Netzwerk Österreich, das FAS.research in den letzten Jahren mit Unmengen von (öffentlichen) Daten aufgebaut hatten. Dabei zählt das Wiener Unternehmen in Sachen Netzwerkanalyse und Visualisierung zur Weltspitze und ist – wenig überraschend – vor allem auch in den USA sehr gefragt.

Ist Lobbying böse?

Sieht man sich die Kundenliste durch, findet man viele erwartete Unternehmen, was ich ganz klar für nicht bedenklich finde. Warum? Lobbying ist Realität. Täglich versuchen Profis die Entscheidungsträger unserer Gesellschaft zu beeinflussen und ich sehe das als natürliche Systemreaktion. Alleine das schimpflose Akzeptieren verschafft Klarheit für die spannendere Frage: Warum steht auf der Kundenliste kein WWF, kein Greenpeace, kein Amnesty International?

Das Netzwerk Österreich jedenfalls bringt wenige Überraschungen. Der Nationalrat ist verständlicherweise der stärkste Knotenpunkt im politischen Bereich. Die Industriellenvereinigung ist die Megaschnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik. Amüsierend: Auch der niederösterreichische Jagdverein und „Rettet den Stephansdom“ sind wesentliche Machtpunkte in Österreich. Der mächtigste der Mächtigen: Christian Konrad, Generalanwalt Raiffeisenverband.

Die Top 10:

  1. Christian Konrad Generalanwalt, Österreichischer Raiffeisenverband
  2. Hans Dichand Herausgeber, „Kronen Zeitung“
  3. Ludwig Scharinger VstVors, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
  4. Andreas Treichl VstVors, Erste Group Bank AG
  5. Christoph Leitl Präsident, Wirtschaftskammer Österreich
  6. Brigitte Ederer VstVors, Siemens AG Österreich
  7. Günter Geyer VstVors, Wiener Städtische Versicherung AG
  8. Siegfried Wolf Vorstand, Magna International Europe AG
  9. Veit Sorger Präsident, Österreichische Industriellenvereinigung
  10. Erich Hampel VstVors (bis Herbst 2009), UniCredit Bank Austria AG

So spannend die Sache ist, wenn man nicht gerade selbst in der Großkonzern- und Politikszene aktiv ist, sind diese Einblicke und Informationen wohl wertlos?

Nein. Die Frage die wir uns selbst stellen müssen: Was können wir davon lernen? Viele meiner Leser&innen kämpfen für ihre Projekte und Initiativen, für Nachhaltigkeit und Veränderung. Egal auf welchem Level, ob Regionalmanager oder Vereinsvorstand, wir alle arbeiten und leben in Netzwerken. Sie per se als böse zu bezeichnen wäre kurzsichtig und verbaut uns die Sicht auf die eigenen Potentiale. Strategischer Netzwerkaufbau ist eine Kernaufgabe für alle, die wirklich was verändern wollen. Es ist ein Hebelpunkt für „Change“ und muss auch in der weniger neo-kapitalistischen Ecke der Gesellschaft als wertvolles Tool verstanden werden.

„Schon mal gesehen“ reicht nicht aus

Kontakte sind nicht gleich Kontakte. So unterscheidet FAS.research dabei mehrere Stufen der Stärke. Ein flüchtiges Kennenlernen am Buffet zählt dabei wenig (gleich wenig wie ein Xing Kontakt). Als höchste Stufe gilt ein gemeinsames Projekt, dass man auch noch öffentlich – gemeinsam – trägt. So ein medialer Schulterschluss bürgt für Tiefe und Vertrauen. Mit jedem macht man nun mal nicht Geschäfte und Projekte.

Was bleibt? Die Motivation das eigene Netzwerk einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, alte und wenig gepflegte Kontakte aufzufrischen und lang geplante – wichtige – Neukontakte zu machen. Denn erreichen wollen wir ja alle etwas und professionelles Networking ist kein Privileg der Konzernmanager und Politiker.

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