[Träumer]; europäisches Synonym für Spinner
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Die aktuelle Ausgabe von Brand eins (Titel: Auf ins Blaue) war wie Balsam für mein Herz. Thema: Träumer. Im Editorial schreibt Chefredakteurin Gabriele Fischer:
Träumer. Das war zu meinen Kinderzeiten ein Schimpfwort und ist bis heute wohl kein Kompliment geworden. Träumen darf, wer verliebt ist, Urlaub hat oder schläft. Im wirklichen Leben, erst recht in der Wirtschaft, hat man hellwach zu sein, stets aufmerksam, rational planend. Was eigentlich ein Albtraum ist.
Quelle: Brand eins
Ja, ja und ja. Träumer haben es hier nicht einfach. Selbst meine Mutter konnte nicht anders, als in ihrer beschützenden Funktion zu versuchen, ihren Sohn auf den Boden der sogenannten Tatsachen bzw. zurück in die Realität zu holen (Versuch gescheitert).
Auf irrsinnige Pläne des kleinen Hannes folgte oft ein besorgtes „Du bist ein Träumer“. Der gefühlte Unterton dieses seufzenden Ausspruches: „Noch kannst Du ein bisserl träumen, aber schon bald holt dich die harte Realität ein und Du wirst brav in der Reihe mit marschieren müssen. So ist das Leben“. Von vielen anderen Menschen seines engsten Umfeldes hörte der kleine Hannes auch Argumente (gegen Träumer) wie „Ach, was hatte ich früher auch für Träume“. Was soviel heißt wie: Ich hab es nicht geschafft, also wirst folglich Du auch keine Chance haben, deine nicht systemkonformen Träume zu realisieren.
Bleib am Boden. Heb nicht ab. Sei realistisch. Spinn nicht rum. Mach doch was Gescheites. Tu Dir das nicht an. Versuch es besser gar nicht…
Träumer, ja das würde ich als „Beinahe-Schimpfwort“ in Österreich einordnen. Sie sind Spinner, Verrückte und Taugenichts. Doch die wenigsten schaffen es überhaupt zum Träumer, denn dafür muss man früh genug ausbrechen können, Fragen stellen dürfen und beim „in Frage stellen“ gefördert werden. Da ist unser Frontal-Verdummungs-Schulsystem das perfekte Werkzeug, um früh genug die ersten Anzeichen von Träumerei im Keim zu ersticken.
Das ist es beruhigend, die grandiosen Geschichten im Brand eins zu lesen (auch schon in der letzten Ausgabe) und zu spüren, es gibt sie noch: Visionäre mit Mut und Phantasie, die Vordenken und anpacken. Gegen alle Widrigkeiten unserer politischen und juristischen Systeme. An dieser Stelle kann man Brand eins nur danken, für diese journalistische Arbeit. Denn: Gerade in einer Zeit wo Träumer selten geworden sind, braucht es dieses Geschichtenerzählen, um andere zu inspirieren und zu ermutigen. Und wenn nur 1% der Leser wieder beginnt zu träumen. Ein Riesenerfolg.
Zum Träumen braucht es Mut
Und es liegt wohl auch am fehlenden Mut, den Träumen ist gefährlich. Jeder Traum kann zerplatzen, man kann scheitern und verlieren. Das muss man schlucken können, damit muss man rechnen und davor darf man sich nicht fürchten. Die in Europa vorherrschende negative Kultur des Scheiterns wirkt hier verstärkend. Wer scheitert – gerade bei wilden Träumen – ist ein Verlierer, gebrandmarkt und ausgelacht.
Ich wage es wieder mal. Mache mich nun auf zu einer dreitägigen Klausur in den Bergen und werde mich mit vollem Risiko der Träumerei hingeben. Nennt mich Spinner. Komplimente tun gut.
Bitte
Über Hinweise zu österreichischen Träumern mit visionären Projekten bin ich dankbar!
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Danke für den tollen Beitrag zum Thema Träumen und Visionen. Kann dir nur ABSOLUT beipflichten, in allem was du da anführst — unsere Unkultur des Scheiterns, das Schulsystem, der Schneid, der uns damit abgekauft wird… und überhaupt. Toll auf den Punkt gebracht!
LG,
Christine
Danke für diesen schönen Artikel.
Hier nochz mal der Link zum brand eins-Editoral (bei dir mag er die enth. Session-ID wahrsch. nicht mehr).
Alle Aktionen von außen – also die Worte in deinem Beitrag oben zum Beispiel – sind/können Anlass sein, das zu zeigen, was ich, was wir, was jeder bisher gelernt hat. Heißt: das führt zu Mut. Und meiner Meinung nach bedarf es großen Mutes, seine Träume zu leben.
Zum Einen danke ich dir für einen erneuten Denk-Anstoß zum Weiterträumen und zum anderen gibt es großartige Beispiele, hier bei uns, ganz nahe.
http://www.werlitsch.at/index.php
Lass dir von diesem Enthusiasten mal ein Stück lebendige Erde vorführen äh leben…
Hallo Hannes,
wie schön via Twitter und einem ReTweet hier auf Deinen Blog zu stoßen
Träumen und Spinnen ist wichtig, um kreativ zu sein. Und aus Kreativität heraus entsteht Wandel, Innovation, Neues. Fortschritt.
Da ich selbst gerne didgeridoospielend träume, habe ich hier einen Link, der Dich vielleicht über Traumpfade und über die Traumzeit mit den Aborignies verbindet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Traumpfade_(Roman)
Als freie, spontane Assoziation ist mir auch noch luzides Träumen als bewusste Kommunikaton mit dem eigenen Unbewussten in den Sinn gekommen. Der Traum, der luzide Traum und das Wachträumen am Tag sind wichtige Elemente, die, wie ich denke, in der persönlichen Entwicklung sehr wichtig sein können.
Das ist eben nicht für Jedermann und für Jedefrau, ich jedenfalls freue mich, dass Du mit dabei bist
Liebe kybernethische Grüße im Sinne HvF -Andreas
By the Way, diesen Wikipedia Link über luzides Träumen wollte ich noch nachträglich posten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Luzides_Tr%C3%A4umen
Hallo Hannes,
wieder einmal ein toller Artikel!
Ich würde mich auch in die Kategorie Träumer einordnen und ich kenne die Widerstände nur zu gut, die im Umfeld eines Träumers entstehen. Zum Glück lerne ich immer mehr Träumer kennen und es ist ein verdammt gutes Gefühl nicht alleine zu sein. Sich mit Menschen auszutauschen, die einen verstehen und ermutigen ist enorm wichtig um die Baterien zwischendurch wieder aufzuladen!
Wie Jürgen richtig feststellt, kann man durch Träume seine Batterien wieder aufladen – und das muss man von Zeit zu Zeit. Sowas wie Urlaub im Kopf vom Kopf… Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich den Vorwurf des Träumers oder Traumtänzers gefallen lassen müssen. Wahrscheinlich ist das bei den Kreativen häufig der Fall. Dabei ist die Rechnung einfach: ohne Träume keine Kreativität, ohne Kreativität gähnende Langeweile in der Welt. Also: keep dreaming!
Das Thema “Träumer” hat mich dazu gebracht, seit langen wieder einmal eine Ausgabe der brand eins zu kaufen (momentan finanziell etwas schwierig für mich), da es meine augenblickliche Lebenssituation wiederspiegelt. Ich denke Träume sind essentiell vor allem für die Wirtschaft. Wer Träume hat, hat Ideen und vor allem Leidenschaft, die einem hilft auch wenn es schwierig ist, diese Ideen/Träume zu verwirklichen. Denn das Wichtigste ist, dass das Feuer nicht aufhört zu brennen…
Also, da habe ich ja Glück gehabt: Ich durfte immer träumen, hab’s auch Zeit meines Lebens praktiziert, träume auch heute, im siebenten Lebensjahrzehnt, noch und möchte das keinesfalls missen!
Im Widerspruch zu Erfolgs- und Ergebnisorientierung steht’s jedenfalls eindeutig nicht!
Und wenn mich (was ja vorkommt) jemand als Spinner bezeichnet, dann nicht, weil ich träume, sondern weil ich – auf mich selbst und andere – zuviel Leistungsdruck ausübe.
Sehr schön, könnte aus der Feder von Wolf Lotter stammen….den ich super finde (brand eins Redakteur…und was für Einer!) Da bleibt auch nur zu hoffen, dass wenigstens die Leute von brand eins Träumer sind…und nicht nur darüber schreiben! Es macht immer wieder Mut, von Leuten zu lesen, die Träumer geworden sind und sich trauen…denn mit Mut hat Träumen allemal zu tun…aber wer hat eigentlich noch den Mut, das zu tun, wonach ihm ist? Also, schönste Träume für alle!
Beate…die Träumerin (glaubt nicht, dass mir das peinlich ist!)
Nun, es gibt schon Grenzen – z.B. den so wichtigen, aber oft vergessenen (oder ignorierten) ersten Satz des französischen Rechtssystems, des Code Napoleon: “Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die seines Nachbarn beginnt!”
Aber abgesehen davon – im Wesentlichen tue und sage ich schon, “wonach mir ist”. Das gehört doch zu Ehrlichkeit und Authentizität (die ja so oft, und zu Recht, als Erfolgsrezept gepriesen wird) einfach dazu, meine ich. Mut brauche ich da meistens nicht – weil ich zum Glück ja nicht in einem System lebe, das Non-Konformisten jagt und einsperrt.
Beim Träumen fiele ja doch auch noch diese Gefahr weg: Nicht einmal Orwell’s “Ministerium der Wahrheit” konnte doch in die Träume eindringen, wenn ich mich recht erinnere (war ja schon 1984…)
Meinte nur den letzten Satz von Gabriele Fischer, den ich so schön find`:
“Wer es dann nicht beim Wünschen belässt, darf sich stolz Träumer nennen”
Ansonsten sind es mir Prozentual zu wenig Menschen, die ihre Träume umsetzen…oder haben sie gar keine Träume mehr? Der Traum vom vielen Geld ist wohl noch der am häufigsten Geträumte…und das ist doch eher armselig, oder nicht?
Und Mut gehört nur dann auf den Plan, wenn man etwas tut, was von der Gesellschaft nicht unbedingt geschätzt wird oder zu “anders” ist…und damit meine ich keineswegs die Beschränkung der Freiheit des Anderen. Es dürfte wohl selbstverständlich sein, dass ich meine Vorlieben und Freiheiten nicht zu Lasten Dritter leben würde…sondern in friedlicher Koexistenz..eben soweit möglich!
Beate
P.S.: Ja und leider, Träume in die Realität umzusetzen ist härteste Arbeit!
Wer seine eigene Träume in die Realität umsetzen kann, der hat das beste im Leben erreicht was man erreichen kann, denn er hat auf jeden fall immer eine innere Zufriedenheit, welche niemand wegnehmen kann. Daher: Träume sind gut und man sollte sich auch nicht als Träumer zurückhalten.
Auf der anderen Seite sind Träume für das “biologische” Wohlsein immer sehr wichtig.