Trains and Things

Jaja, da will ich schon wieder mal provozieren. Ihr verzeiht. Aber ein Ideenfunke, der mir während eines Gespräches am Sustainable World Congress über den Autobahnausbau in den Sinn kam, lässt mich nicht los. Fazit der Idee: Als Visionär für eine nachhaltige Entwicklung MUSS man eigentlich für den Autobahnausbau sein.

Gehen wir davon aus…

Gehen wir davon aus, dass wir es in den nächsten Jahrzenten immer besser schaffen, uns in Sachen Mobilität und Lebensstil in eine nachhaltige Richtung zu bewegen. Sei es durch ein steigendes Bewusstsein, drängende Umweltprobleme oder visionäre Politiker und Unternehmer.

Gehen wir davon aus, dass der Individualverkehr in der Stadt stark abnimmt und Kernzonen nur noch für flüsterleise und emissionsfreie Elektromobile der Anrainer freigegeben ist. Es wurzelt ein Umdenken, „Öffis“ werden cool und stark nachgefragt, das Phallus Symbol Auto verliert seine alte, gewichtige Bedeutung.

Gehen wir davon aus, dass eine Renaissance der öffentlichen Verkehrsmittel einsetzt und der Staat einen massiven Ausbau (tatsächlich und nicht nur mit Worten) forciert, die Mittel zur Verfügung stellt und auch die Menschen diese modernen, komfortablen und leistbaren Angebote verstärkt nutzen.

Von dieser Ausgangslage weitergedacht, werden wir vor folgenden Herausforderungen stehen: Wie gewährleistet man einen raschen und leistbaren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel – allen voran der Bahn als zentrales Transportmittel für Menschenund Güter?

Herausforderung Schienenausbau

Geschichtlich war der Kaiser in der Lage, seine Untertanen für den Bau der Bahn eiskalt zu enteignen. Solcherlei Möglichkeiten gibt es heute nicht mehr. Um neue Bahntrassen durchs Land zu legen ist ein jahrzehntelanger Verhandlungsmarathon vorprogrammiert und der Erfolg NICHT sicher. Ganz abgesehen von der Frage, ob es überhaupt finanzierbar wäre.

Nun werden die historischen Trassen der Bahn, in der Regel nur 1-2 Spuren, einen wirklichen Anstieg des Passagieraufkommens und vor allem des Güterverkehrs niemals aufnehmen können. Selbst wenn wir die vorbildhafte Schweizer Taktung erreichen könnten.

Schlaue Vordenker wissen schon, vorauf ich hinaus will. Denn: Wenig genutzte, 2-4 spurige Autobahnen die unser Land überziehen sind dann plötzlich nicht nur historisches Relikt eines Otto-Motor Automobil Zeitalters, sondern die ideale Grundlage für einen radikalen Ausbau des Schienennetzes. Dabei stört auch nicht, dass die Autobahngesellschaften (ASFINAG & Co) dieses Fundament mit anderen Zielen gelegt haben.

Andere Beispiele für die Nutzung von nicht mehr genutzten Verkehrsinfrastrukturen gibt es viele. Zum Beispiel die tollen Projekte in Deutschland, wo alte, aufgelassene Bahnstrecken zu traumhaften Radwegen umgewidmet werden.

Also verzeiht den Visionären, wenn diese weiter (oder vor-) denken und auch in einem Autobahnausbau eine nachhaltige Perspektive erkennen können, mag sie auch utopisch erscheinen.

Ich schließe die Augen und sehe, wie auf einer ehemaligen Spur der Westautobahn von Wien nach Salzburg, 2-3 weitere Bahnspuren entstehen, um dem stark anwachsenden Volumen gerecht werden zu können. Herrlich visionär oder total verrückt?