Wir sind was wir tun. Wir tun was wir wollen.
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“Was machen Sie nun konkret?” Eine Frage, die mich seit Jahren verfolgt. Es scheint fast, dass diese Frage den Menschen instinktiv über die Lippen kommt, wenn sie mit mir sprechen und ich Ihnen ein wenig von mir erzählt habe. Denn: Der Wortlaut ist nahezu immer, unzählige male schon, der exakt gleiche. Und so leid es mir tut, noch nie konnte ich die Frage – zur Befriedigung meines Gegenübers – beantworten.
Was heißt eigentlich konkret? Der Wortursprung im Lateinischen – concretus – heißt so viel wie „dicht” bzw. „fest”. Meine leidenden GesprächspartnerInnen suchen mit diesem Wort wohl nach einer für sie bekannten Ecke, Branche bzw. wie ich es gerne sage – Kästchen oder Schublade – in die sie mich sperren bzw. zuordnen wollen.
Architekt, Arzt, Mechaniker, Verkäuferin, etc. – so oberflächlich und undifferenziert war auch die Auswahl der möglichen Berufe, die ich im sogenannten „Berufsorientierungsunterricht” (wer hat wohl dieses Unwort erfunden?) vor die Nase gehalten bekommen hatte. Resümee: Erschreckende Stunden in denen versucht wurde, uns Kindern eine Systemrolle aufzudrängen.
„Also was machen Sie nun konkret?” – ein leidender Hilferuf ich möge mich doch bitte einer Standardkategorie zuordnen. „Also sind Sie Berater?” folgt oft als zweiter dringender Versuch mich endlich greifbar zu machen. Ich habe mir sogar schon ein paar „leicht verständliche und radikal reduzierte” Antworten entwickelt, wenn ich keine Energie für diese Fragen habe. Und dann kommt es, das zufriedene Lächeln der Menschen, wenn ich „zugebe” auch im Bereich der Neuen Medien beratend tätig zu sein (und nur eine Sache mache). „Aha, spannend!” ertönt es dann erleichtert. Erfolgreich zugeordnet. Trotzdem nichts verstanden. Ist ja aber eh nur „Smalltalk”.
Und nein, es hilft auch nicht, wenn man das Buch Wir nennen es Arbeit empfiehlt. Sowas wird grundsätzlich ignoriert oder bewusst negiert, damit nicht die Fundamente der eigenen Realität erschüttert werden. Das ist unbequem. Mutter hatte doch sicher recht. Jeder hat mal einen bösen Chef, eine nervige Arbeit und viel Mühe den 8-5 Rhythmus bis zum nächsten Italien Urlaub durchzuhalten.
Natürlich. Es ist rein aus kommunikativer Sicht sinnvoll, dass man seinem Gegenüber mit entsprechenden – allgemein bekannten – Wortsymbolen verständlich machen kann, was man tut. Denn ohne diese Synchronisierung entsteht nur schwerlich ein wiederaufrufbares Bild in den Köpfen der Menschen – über einen selbst. Da wird man im besten Falle als Lebenskünstler eingeordnet. Oder Spinner.
Vielleicht ist es auch Zeit, dass sich die Film- und Serienproduzenten mit dem Thema auseinander setzen und neue – andere – Lebenswirklichkeiten rund um ihre Hauptrollen stricken. Es muss ja nicht immer die Kellnerin, der Soldat, der Börsenhändler, etc. sein. Da lobe ich mir die Serie Californication, wo sich die Hauptfigur – einst erfolgreicher Buchautor – als bezahlter Blogger versucht. Ein Fortschritt im Sinne einer zeitgerechten Adaptierung.
Vielleicht könnten auch die derzeit inflationären Reality Shows der deutschen Privatsender was Neues versuchen und nicht – schon wieder – den „Autoverkäufer”, den „Frisör”, etc. in den Mittelpunkt stellen, sondern mal den Alltag neuer Gattungen der globalen Wirtschaft auf den Bildschirm holen. Könnte doch auch eine inspirierende Wirkung entfalten und gerade den jungen Zuschauern buntere Perspektiven eröffnen.
Wir sind was wir tun.
Gerade deshalb wäre es an der Zeit über neue Möglichkeiten, Facetten und Formen des „Tuns” jenseits der klassischen Schubläden der Festanstellung nachzudenken und dieses buntere Spektrum den nächsten Generationen zu eröffnen. Denn: Nehmen wir den Kindern (und nicht nur diesen) die Freiheit mit eigener Kreativität und Phantasie das eigene Tun zu kreieren, neu zu erfinden, nehmen wir unserer Gesellschaft ein enormes Entwicklungspotential. Was ja eigentlich doof ist.
Wir tun was wir wollen.
Das wäre eigentlich die spannendere Orientierung. Nennt mich einen Utopist, aber es würde sich viel Gutes entstehen, wenn mehr Menschen ihr “Tun” im System hinterfragen würden und an Alternativen basteln beginnen würden.
Ich wünsche allen Mut. Und jenen die diesen schon haben – Entschlossenheit.
Aja. Ich verbitte mir Kommentare in die Richtung „Und, was machst Du jetzt konkret?”.
PS: In diesem Zusammenhang kann ich wieder einmal Frederic Vester – Neuland des Denkens empfehlen.
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schöner beitrag. war letztes semester in berlin und bin dort mit dem institut für entrepreneuership und prof. faltin in berührung gekommen. und seither fasziniert von den möglichkeiten des gründertums, des lebens abseits des klassischen arbeitnehmertums, die mir dort aufgezeigt wurden.
ich finds auch extrem schade, dass man im laufe seines ausbildungsweges nicht einmal auch die option aufgezeigt bekommt, nicht dem klassischen “kategorie”-job in einem klassischen unternehmen folgen zu müssen. sondern sich einfach selbst sein unternehmen zu schaffen. und das ganz einfach. damit wir tun können, was wir tun wollen. und das dann wahrscheinlich viel besser.
die frage die aufmerksamkeit verdiennt: wer will / wer will nicht, dass wir tun was wir wollen?
So lange wir in einer Geldwirtschaft leben, sei die (zugegeben: andere) Frage: “Womit verdienen Sie ihr Geld?” erlaubt die, wenn sie von den “Neuberuflern” positiv beantwortet wird, ja dann eine Werbung für die neuen Berufskonzepte ist (Aha, so kann man ja auch Geld verdienen!).
Aber Geldwirtschaft ist ja nicht alles – es gibt ja auch alternative Tauschsysteme, deren Erfolg erwiesen ist – siehe http://www.neuesgeld.com oder Tauschkreise.
Schöner Aufruf, Neues zu wagen. Danke.
Zu “Wir sind was wir tun” und “Wir tun was wir wollen” fallen mir zwei Aussprüche ein:
“Das Tun kommt aus dem Sein allein” (H.Hölzl)
“Ma hots ned leicht – ma mochts si’s owa aa vüü zu schwer” (Sprichwort)
-> hilft beides, den Mut zur Entscheidung zu finden und sich zwar Gedanken zu machen, aber nicht zu grübeln und einfach mal anzufangen.
Eins noch: “Mach! statt Ach!.”
Wieder einmal ein sehr guter und spannender Beitrag, Hannes! Ich denke hier wird das breite gesellschaftliche Wissen über und das Verständnis für solche weniger traditionellen Lebens- und Arbeitsweisen im Laufe der Zeit sicherlich zunehmen, vor allem wenn mehr Menschen wie du eine solche Botschaft so gut verkörpern und nach außen tragen!
Dein Wort in “Gottes” Ohr
ich finds unbedingt wichtig das zu tun was was ich will. und dann auch noch davon (gut) zu leben.
allerdings brauch ich den “elevator bitch” als eintrittskarte für die kunden, die noch im herkömmlichen 8-5 rhytmus leben. 5 sätze die erklären was ich mache und die verständlich sind.
vielen dank für den tollen artikel. er bestätigt mir wieder mal, dass es doch sinnvoller ist, zu schauen, “welche tätigkeit passt zu mir” und sich selbige notfalls selbst zu erschaffen, als sich in die richtung einer tätigkeit zu verbiegen, für die man aufgrund seiner formalqualifikationen “passen” würde, die aber am am ende nichts beinhaltet, was das kreative potential des individuums fördern könnte..