
Ich tue es. Ich kündige mit diesem Eintrag – entgegen einer diskussionswürdigen Veränderung der Schreibkultur in der (öster.) Blogosphäre, die zumindest ich wahrnehme – ein Barcamp an (Was ist das?). Ich “opfere” einen ganzen Beitrag für eine schlichte Eventankündigung. Obwohl gut – so schlicht wird es nicht. Ein wenig lautes Nachdenken darf aber erlaubt sein.
Wie ich das meine? Via Google Blogsearch finden sich gerade 5 Beitrage mit “Barcamp + Kahlenberg”. Überhaupt scheint das früher völlig selbstverständliche Ankündigen von Barcamps – vorbei zu sein. Bleibt die Frage nach dem Warum. Oder müsste man nach dem WOHIN fragen?
Gerade der Mikroblogging Dienst Twitter entpuppt sich als schwarzes Loch aller nichtigen, Informations-weiterschaufelnden Beiträge der Blogosphäre. Was man früher noch schnell (und stolz) als Beitrag rausgeworfen hat, wird nun sozusagen degradiert zum hochfrequenten (und angeblich wahrgenommenen) Mini Twitter Beitrag. 140 Zeichen, mehr ist nicht drinnen.
Wie war das noch 2007, bei meinem ersten Barcamp in Wien. Der Großteil der lokalen (nicht nur diese) Blogger kündigten den Event an, riefen zur Teilnahme auf und kündigten ihre Präsentationen an. Heute scheint diese subtile Art der Promotion gestorben, was gerade kommunikationswissenschaftlich interessant erscheint. Hat es gar mit einer stilistischen (Weiter-) Entwicklung von Blogbeiträgen zu tun oder geht es inzwischen auch bei Blogs um die Frage nach dem eigenen Reputationswert eines Beitrags? Plötzlich wird aus Spielen – Strategie?
Oder liegt es einfach nur am „Information-Overkill”. Sind wir müde geworden jeden Furz der digitalen Community anzukündigen oder hat Facebook, Twitter und Co. zu einer differenzierten Informationsarbeit beigetragen, wo sich engagiert Wissensarbeiter je nach Thema und Kommunikationsziel (?) sich der entsprechenden Web-Kanälen bedienen? Sind wir dort angekommen, wo nur noch das „Gute” – das Schmückende – in den Blog kommt und der Rest der anonymen Heerscharr von Followern vorgeworfen wird?
Oder liegt es gar an einer schleichenden emotionalen und fachlichen Entwertung des Barcamps selbst? Ist das Format selbst am Abbauen, ähnlich wie die Wahlbeteiligung in Europa? Ist es schlicht „eh egal” wer bei der Unkonferenz auftauchen wird? Sind die Erwartungen an die Qualität der Vorträge so weit am Boden, dass man es nicht mal mehr bewerben möchte? Ist der ehemalige Szeneevent bereits so stark kommerziell infiltriert (Stichwort „Agentur-Konzern-Menschen” – Sorry, nichts gegen Euch!), dass man die Ankündigung anderen überlässt da der „Coolness” Faktor bei Null steht?
* 1st Rule: You do talk about Bar Camp.
* 2nd Rule: You do blog about Bar Camp.
* 3rd Rule: If you want to present, you must write your topic and name in a presentation slot.
* 4th Rule: Only three word intros.
* 5th Rule: As many presentations at a time as facilities allow for.
* 6th Rule: No pre-scheduled presentations, no tourists.
* 7th Rule: Presentations will go on as long as they have to or until they run into another presentation slot.
* 8th Rule: If this is your first time at BarCamp, you HAVE to present.
Ich suche Antworten. Auch vor Ort, beim Barcamp Wien am kommenden Wochenende in den Räumlichkeiten der Modul University Vienna am Kahlenberg.
Infos & Anmeldung unter www.barcamp.at
Wer zum Barcamp wandern will, kann sich dem Twitter Hike anschließen
Keine ähnlichen Beiträge gefunden.
Helge
Juni 8th, 2009 um 13:46
Erstens völlig richtige und traurige und mich schuldig zu Boden blickend lassende Analyse bezüglich Twitter. Zweitens seh ich das Format BarCamp so fit und hip wie eh und je. Drittens wer ist die Dame neben Walter?
max
Juni 8th, 2009 um 13:46
naja, das Barcamp am Wochenende hat schon über 150 Anmeldungen, mit den “vielleicht” und den Leuten die auf Facebook zugesagt haben werden es wohl weit über 200 sein, somit wird es das größte, jemals in Österreich abgehaltene Barcamp, warum muß es da noch groß beworben werden?
Wichtiger sind da wohl die Berichterstattung über das Barcamp und vom Barcamp.
Walter
Juni 8th, 2009 um 13:49
„Kahlenberg” ist jetzt auch nicht gerade der beste Suchbegriff. „BarCamp Vienna” bringt zum Beispiel schon einmal 18 Hits die innerhalb der letzten 30 Tage veröffentlicht wurden. „BarCamp Wien” bringt für den selben Zeitraum 33.
Hans-Peter
Juni 8th, 2009 um 13:56
und die sind ja meistens immer gegeben. brauch mir nur auf facebook ansehen, wie viele fotos es gibt von barcamps. meistens am selben tag erhält man 100 mails, dass man gerade getaggt wurde oder ist selber der urheber dieser mails, weil man getaggt / hochgeladen hat.
sehs ähnlich wie max. das einzige was man eventl. sagen könnte, ist, dass viell. nicht so viele neue gesichter kommen oder informiert werden?!
Hannes Offenbacher
Juni 8th, 2009 um 13:58
@Helge – gute Frage
@Max – klar, kommen tun genug – meine frage war ja nicht ob es nötig ist es zu bewerben, sondern warum es nicht mehr geschieht. und: gerade um für eine frische durchmischung zu sorgen, wäre eine ankündigung immer gut. ich lerne überraschend viele leute kennen, denen barcamp kein begriff ist, die aber bereichernd wären.
@walter: mag sein, ich ging davon aus, dass man den ort meistens dazu schreibt..
Hannes Offenbacher
Juni 8th, 2009 um 14:10
@Hans-peter: auf jeden fall gibt es eine gefahr bzgl. einer – überspitzt formuliert – inzucht. mir sagte vor kurzem ein VC aus wien, er habe noch nie eine einladung bekommen. ein blogger wiederum kommentierte diese erzählung mit “na da muss er halt blogs lesen” – was ich als befremdend empfinde…
ps: >100 anmeldungen sind ja eh lässig – bleibt die frage ob man neben der quantität auch auf anderes wert legt.
Hannes Offenbacher
Juni 8th, 2009 um 14:18
PS: ich hoffe das * 4th Rule: Only three word intros. * eingehalten wird
Markus Gruber
Juni 9th, 2009 um 10:11
Hallo Hannes!
Die “Modul-University” würde sich sicher sehr freuen, wenn du ihr den Status “Universität” nicht wegnimmst und einer FH gleichsetzt
LG
Markus
Hannes Offenbacher
Juni 9th, 2009 um 12:02
@Markus: Danke
Ich verwechsel das immer, weil die WKO damals so stark promotet hat, dass sie eine FH für Tourismus am Kahlenberg machen wollen – was aber gescheitert ist (2004)
Marco
Juni 9th, 2009 um 20:09
Mit Twitter lässt sich meines Erachtens im Vorfeld sogar besser Werbung machen als mit einem Blogeintrag. Dass ein gutes BarCamp verbloggt wird, ist eigentlich noch normal.
Persönlich bin ich zwar auch schon etwas web-2.0-verdrussig, freue mich aber trotzdem auf das erste BarCamp im Ausland.
Walter
Juni 11th, 2009 um 13:04
Das Foto kannte ich noch gar nicht
Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Dame eine unserer Studentinnen im Tourismus MBA.
@Hannes Three-word-intros waeren bei so vielen Leuten ziemlich wichtig, wenns nicht so sein sollte, einfach was sagen
Liebe Gruesse aus Malaysien,
Walter