Die Krise. Ich will MEHR davon.

Mrz 05, 2009 12 Kommentare Allgemein

Winter

Da jammern und stöhnen sie, die noch vor kurzem so mächtigen, souveränen und erfolgreichen Manager an den Börsen und an den Hebeln der großen Konzerne. Doch plötzlich werden sie zu Bittsteller und müssen um (virtuelle) staatliche Hilfe flehen. Jene „Superwuzis”, die sonst auf die freie Marktwirtschaft schworen und kampfbereite Verfechter eines dynamischen Wettbewerbs à la “Fressen und gefressen werden” waren. Da hat wohl jemand den Mund zu voll genommen.

Jetzt ist alles anders und Frederic Vesters dreht sich wohl im Grabe um, wenn er die kausal-logischen Reaktionen der politischen Hampelmänner beobachtet. Von einem kybernetischen Bewusstsein ist man trotz des vorhandenen Wissens noch immer unendlich weit entfernt. Glauben heißt nicht wissen. Und wissen augenscheinlich nicht handeln.

Die vormaligen Experten geben sich plötzlich kleinlaut oder geben ihre Ohnmacht sogar offen zu. Allesamt sind sie erstarrt vor Angst und verfallen einem blindwütigem Reaktionismus, anstatt besonnen zu agieren. Man doktert an Symptomen herum, anstatt die Ursachen zu bekämpfen und hängt das Unfallopfer mit inneren Blutungen an die hundertste Bluttransfersion. Hilft nicht, verschafft aber noch Zeit.

Zeit um zu flüchten, so wie der hochgejubelte Telekomchef Boris Nemsic, der ins Land der reichen Oligarchen abhaut oder der Silberrücken-Postchef Anton Wais, dem es plötzlich gesundheitlich schlecht geht und die verdiente Pension antritt. Das sind jene Manager, die in den letzten Jahren auch noch Honorare für das „Vorbeten” von Erfolgsgeheimnissen auf Konferenzen eingesackt haben. Jetzt wo es schwierig wird, ziehen sie den Hut. Dankeschön. Das verursacht den Nachgeschmack einer durchgezechten Nacht.

Die Krise. Ich will mehr davon, damit weitere „Schönwetter Manager” auf die Schnauze fallen und ihnen endlich ihr unverdienter Königsstatus aberkannt wird. Weg mit den feigen, raufgeschleimten System-Erhaltern, die von Zukunft nur gehört haben, sie aber sicher nicht mitgestalten können und dürfen. Damit es endlich einen Kulturwandel geben kann, der die Wirtschaft wachrüttelt und ins 21. Jahrhundert bringt. Hin zu einer ganzheitlichen, nachhaltigen Entwicklung.

Frei nach Schumpeter freue ich mich auf eine Zeit der schöpferischen Zerstörung, die gleichzeitig Platz macht für kreative, weitblickende, am Gemeinschaftswohl interessierte Unternehmer&innen. Sustainopreneurhsip ist angesagt. Die Asche des aktuell wütenden Feuers wird uns als nahrhafter Boden dienen und unsere Ideen gut wurzeln und wachsen lassen. Wir können so viel mehr erreichen. Gerade jetzt.

Die Krise. Ich will mehr davon.

12 Kommentare zu “Die Krise. Ich will MEHR davon.”

  1. Jo Spelbrink says:

    Toller Artikel, Hannes! :) Ideen gibt es schon, wie zum Beispiel dieser Link zeigt: http://is.gd/lUR5

  2. Michael Ghezzo says:

    Tja, da wären nur ein paar hunderttausend (Noch-)Arbeitnehmer, die vermutlich nicht mehr davon brauchen können.
    Außerdem ist vor allem die falsche Finanzmarktpolitik und insbesondere die der USA Schuld an der Krise und nicht die Schönwettermanager.
    Allerdings: Einige KMU können die Chance nutzen, dass die Großen jetzt beschäftigt sind ihre Wunden zu lecken. Sie müssen sich nicht um Aktionäre kümmern, sondern sich an den Kunden wenden.
    Die Lage ist recht schwerwiegend, und nicht nur für die Verantwortlichen, die Polemiken in dem Zusammenhang nerven daher mitunter schon.

  3. h2offenbacher says:

    Jaja, die Angestellten. Nur die Frage: Rettet man die, wenn man ein paar Milliarden in ein Unternehmen wie GM steckt? Da wäre ein Arbeitsstiftung auch eine interessante Idee.

    Die Schönwetter-Manager sind sicher nicht “schuld”, wobei ich die Schuldfrage gar nicht diskutieren möchte – sondern eher die Lösungsfrage. Und ein “Golden-Handshake” ist auch keine Lösung.

  4. erwin says:

    auch andere väter haben schöne töchter
    warum in der brd bleiben die chancen in der eu sind manigfaltig mit der deutschen fachausbildung??????

  5. Michael Ghezzo says:

    Ich denke, dass noch gar nicht abschätzbar ist, wie weit die Krise gehen wird. Ja, nach jedem Down kommt wieder ein Up – soviel zum Thema “aus der Asche” – Ja eh! Viele Branchen kriegen die Auswirkungen erst im nächsten Halbjahr zu spüren oder retten sich gerade über 2009 – das kann hässlich werden.

    @Erwin – sollen sich jetzt alle auf Jobsuche in der EU machen? Vielleicht kann man so auch den Wohnwagen-Absatz wieder ankurbeln. Übrigens: Osteuropa kracht auch schon – Schon mal überlegt, was man mit angesiedelten Produktionsstätten tut, wenn man nichts zu produzieren hat? Einfache und allgemeine Lösungen wird es jetzt vorerst mal nicht geben.

  6. Robert Lecker says:

    Hallo Hannes,

    respekt, ein wirklich guter Kommentar – mein Blog-Artikel der Woche. Nachdem sonst landauf, landab nur Krisen-Symptom-Geschwafel rezitiert wird, freut es mich immer wieder, wenn jemand direkt anspricht, dass jene, die jetzt gewaltsam am Leben gehalten werden, also die “Unfallopfer”, eigentlich die Krankheit an sich bzw. ein Teil davon sind…

    …darum würde ich es grundsätzlich auch begrüßen, wenn das derzeitig vorherrschende Wirtschaftssystem inklusive seiner Flaggschiffe und Fahnenträger von der Bildfläche verschwindet: denn nachdem sich bereits gezeigt hat, dass es global gesehen weder soziale noch ökologische Herausforderungen nachhaltig lösen kann (sondern eigentlich eher welche produziert), beweist nun die derzeitige Krise, dass es nicht mal den ökonomischen Gewinn und Wohlstand (des Pudels Kern aller Versprechungen) nachhaltig sichern kann.

    Nur: Leider sind viele dieser “Patienten” und “Unfallopfer” eben “too big to fail”, wie uns weisgemacht wird, und ihr plötzlicher Kollaps würde wohl auch unsere (globale) Gesellschaft zu stark destabilisieren…

    …also wird die Generation “Susainopreneurship” sicher nicht durch einen “Big Bang” etabliert werden – das “wurzeln” und “wachsen” wird schon ein bisserl dauern…

    Nichtsdestotrotz: auf Ebene der Individuen wäre es sicher wünschenswert, dass so schnell wie möglich ein öffentlicher Bewusstseinswandel einsetzt, in dem diese vermeintlichen “Top-Manager” und “Leistungsträger” (ich bleib jetzt mal bewusst bei einer männlichen Formulierung) zunehmend als das angesehen würden, was sie eigentlich sind: eine Gefahr für die globale Allgemeinheit.

    Ein schönes Wochenende
    und lg, Robert

  7. Jürgen Koprax says:

    Danke Hannes und Robert!!! Ich bin eurer Meinung!

  8. Michael Ghezzo says:

    Allerdings ist das alles recht simpel dargestellt – Lösungen sind offenbar einfach und die Schuldigen (= die Krankheit – wow, Dirty Harry Rethorik) schnell identifiziert – und am Besten gleich das ganze System weg. Oder vielleicht ist doch nicht alles so einfach …

  9. erwin says:

    @Michael Ghezzo
    wiso suchen wiso wohnwagen

    nur im www unter career angeben was du kannst der rest erledigt sich von selbst
    z.b. bei mir arbeite jetzt in der schweiz für deutsche Firma an Schwedischen Projekt in Stockholm
    Wohnsitz in Hannover weiterhin behalten aber wesentlich bessere Konditionen wie zuhause
    Wohl die personenfreizügikeit verschlafen??????

  10. Michael Ghezzo says:

    @ erwin – Weils bei Dir geht, geht es immer und überall? Ich sag ja: Die Lösungen sind einfach, der Rest der Welt ist wohl einfach zu dumm!?

  11. erwin says:

    @Michael Ghezzo
    Seltsamerweise sind in den letzten Jahren ca. 5 bis 6000 Deutsche Facharbeiter EU weit vermittelt worden,incl ehemaliger Ostblock.
    Also lieber Harz 4 und jammern auf hohem Niveau oder Arsch hoch und losgehts ???
    Man darf dummheit nicht mit trägheit verwechseln.

  12. Jürgen Koprax says:

    Der Gegner des Utopischen war ohnehin immer kleingeistiger Realismus. Dessen Lebensweisheiten lauteten stets: Veränderung? Geht nicht. Gute Ideen? Werden scheitern, weil das System stabil auf Autopilot fliegt. Reformen? Kosten zu viel, dafür ist kein Geld da.

    Hier gefunden: http://www.freitag.de/wochenthema/0911-wir-bauen-uns-eine-bessere-welt (vorletzter Absatz)

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