Winter

Da jammern und stöhnen sie, die noch vor kurzem so mächtigen, souveränen und erfolgreichen Manager an den Börsen und an den Hebeln der großen Konzerne. Doch plötzlich werden sie zu Bittsteller und müssen um (virtuelle) staatliche Hilfe flehen. Jene „Superwuzis”, die sonst auf die freie Marktwirtschaft schworen und kampfbereite Verfechter eines dynamischen Wettbewerbs à la “Fressen und gefressen werden” waren. Da hat wohl jemand den Mund zu voll genommen.

Jetzt ist alles anders und Frederic Vesters dreht sich wohl im Grabe um, wenn er die kausal-logischen Reaktionen der politischen Hampelmänner beobachtet. Von einem kybernetischen Bewusstsein ist man trotz des vorhandenen Wissens noch immer unendlich weit entfernt. Glauben heißt nicht wissen. Und wissen augenscheinlich nicht handeln.

Die vormaligen Experten geben sich plötzlich kleinlaut oder geben ihre Ohnmacht sogar offen zu. Allesamt sind sie erstarrt vor Angst und verfallen einem blindwütigem Reaktionismus, anstatt besonnen zu agieren. Man doktert an Symptomen herum, anstatt die Ursachen zu bekämpfen und hängt das Unfallopfer mit inneren Blutungen an die hundertste Bluttransfersion. Hilft nicht, verschafft aber noch Zeit.

Zeit um zu flüchten, so wie der hochgejubelte Telekomchef Boris Nemsic, der ins Land der reichen Oligarchen abhaut oder der Silberrücken-Postchef Anton Wais, dem es plötzlich gesundheitlich schlecht geht und die verdiente Pension antritt. Das sind jene Manager, die in den letzten Jahren auch noch Honorare für das „Vorbeten” von Erfolgsgeheimnissen auf Konferenzen eingesackt haben. Jetzt wo es schwierig wird, ziehen sie den Hut. Dankeschön. Das verursacht den Nachgeschmack einer durchgezechten Nacht.

Die Krise. Ich will mehr davon, damit weitere „Schönwetter Manager” auf die Schnauze fallen und ihnen endlich ihr unverdienter Königsstatus aberkannt wird. Weg mit den feigen, raufgeschleimten System-Erhaltern, die von Zukunft nur gehört haben, sie aber sicher nicht mitgestalten können und dürfen. Damit es endlich einen Kulturwandel geben kann, der die Wirtschaft wachrüttelt und ins 21. Jahrhundert bringt. Hin zu einer ganzheitlichen, nachhaltigen Entwicklung.

Frei nach Schumpeter freue ich mich auf eine Zeit der schöpferischen Zerstörung, die gleichzeitig Platz macht für kreative, weitblickende, am Gemeinschaftswohl interessierte Unternehmer&innen. Sustainopreneurhsip ist angesagt. Die Asche des aktuell wütenden Feuers wird uns als nahrhafter Boden dienen und unsere Ideen gut wurzeln und wachsen lassen. Wir können so viel mehr erreichen. Gerade jetzt.

Die Krise. Ich will mehr davon.