Fairliebt

In einer Zeit des unrefkletierten Markenwahns, ist es erfrischend, junge & verantwortungsvolle Labels zu entdecken, die eine gute Alternative zu globalen Megamarken darstellen. Mutige, sympathische Öko & Fairtrade Marken erobern den Markt und die Herzen der immer bewussteren Konsumenten. Gut so. Eines dieser Labels ist Fairliebt aus Hamburg. Im “Ping-Pong Email Interview” erfragte ich die Gedanken von Mitgründer Mathias Ahrberg über “grün gründen” und der Zukunft der rebellischen Öko-Modebewegung.

Servus Mathias. Du hast mit Wiebke Hövelmeyer 2006 das Modelabel fairliebt gegründet. Erzähl zum Einstieg doch mal, wer ihr seid (woher ihr kommt), über das Besondere Eurer Arbeit und über Euren persönlichen Antrieb (für alle jene, die Euch nicht kennen).

Hallo Hannes. Wiebke und ich wohnen in Hamburg und verkaufen seit etwa 2 Jahren fairtrade/ bio-Shirts über die Domain fairliebt.com Wir haben uns hier in Hamburg kennen gelernt und waren dauernd Kaffee trinken. Und irgendwie war es für uns einfach normal Sachen zu machen auf die wir Lust haben, also Konzerte, Partys, Fanzines usw. Und dann haben wir uns überlegt ein Modelabel zu gründen. Also Wiebke, unsere Grafikerin, wollte gerne ihre eigenen Shirts bedrucken. Ich interessiere mich schon ewig für Politik und fairen Handel und dann haben wir gedacht: Los geht´s!

Wir haben dann einen Zulieferer gefunden, einen kleinen Stapel Shirts gekauft und das kam direkt ganz gut an. Seitdem betreiben wir fairliebt und irgendwie wurde das immer mehr

Das klingt jetzt nach einer einfachen Sache, wie spazieren gehen…

Ja, so kompliziert ist das alles im Grunde nicht. Wir hatten ein bisschen Geld gespart mit dem wir die ersten 3 Motive finanzieren konnten und dann hatten wir auch das Glück, das die Medien recht schnell auf uns aufmerksam wurden. Dadurch wurde die ganze Sache gut beworben. Das komplizierteste an der Sache war wohl, das man im Tagesgeschäft schon mehr Arbeit hat, als wir vorher ganz naiv dachten.

Wir stellten uns das so vor, nach dem Motto: Morgens aufstehen, 10 Shirts verschicken und dann alles andere. Aber wie sich dann zeigte, muss man um diese 10 Shirts zu verkaufen schon sehr am Ball bleiben und sich halt permanent um das Label kümmern. Ein weiterer Vorteil war halt, dass wir keinen Druck hatten. Also keinen Kredit, keine Ziele ab einem bestimmten Datum davon leben zu wollen. Es ging halt um den Spaß und so ist es auch weiterhin.

Du sprichst es an: Ihr spielt sehr stark und gut (wie schon im Namen selbst) mit dem Thema „fairer Handel” und „saubere Produktion”. Das funktioniert augenscheinlich. Wie seht ihr das wachsende Engagement von den Großen Textilmarken im fair&bio Segment? Verliert ihr dann nicht über kurz und lang eure rebellische Positionierung?

Nee, überhaupt nicht. Also wenn alle großen Marken umsteigen, dann wäre das ja eine Supersache. Aber das wird ja nicht passieren. Und ein Mehrwert neben der fairen Produktion von fairliebt ist ja auch die Kommunikation, also das Design, die Schnitte, das Image, unsere Art die Sachen zu bewerben. Ich denke, man kann sagen, das hat schon was Eigenes.

Derzeit boomt Ökomode. Es kommen laufend neue junge Labels auf den Markt. Da fragt man sich, wohin dieser Trend führen wird. Wo seht ihr Euer auch noch junges Label in 3 Jahren?

Das ist echt beeindruckend, wie viel da gerade passiert. Wir lassen ja zum Beispiel unsere Shirts selber produzieren, einfach weil es vor 2-3 Jahren noch keine bio-fairen Shirts mit einem guten Schnitt gab. Mittlerweile kann ja jedes Label zwischen zig Zulieferern wählen, da ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Daher passiert da auch eine Menge.

Aber wo wir in 3 Jahren sind ist eher schwierig. Langsam nimmt die ganze Sache an Fahrt auf, das letzte Jahr lief sehr gut für uns, wir haben eine Menge Pläne für 2009; Neue Produkte, mehr Motive und vor allem nicht mehr nur T-Shirts. Und wir werden natürlich versuchen das Händlernetz zu erweitern. Das wäre sehr gut.

Zum Schluss: Ihr seid nun – so würde ich sagen – nachhaltige Unternehmer. Welchen Tipp würdet ihr anderen jungen Leuten geben, die von der Lust gepackt werden etwas Eigenes auf die Beine zu stellen?

Wir sind ja eher reingerutscht in das nachhaltige Unternehmertum. fairliebt. hat eine Eigendynamik entwickelt, die wir dann mitgemacht und begleitet haben. Ein großer Vorteil war die mehr oder minder ständige Medienpräsenz die uns beim Marketing sehr geholfen hat.

Das ist ja mitunter das Wichtigste: Das Menschen überhaupt erfahren das man was macht. Daher würde ich potentiellen Startern den Tipp geben sich zu überlegen wie man die eigene Idee bewerben kann. Ob über Kooperationen, Messepräsenz, Sponsorings, da muss man gucken was zur Idee passt. Grundsätzlich sollte man (auch gerne auf einem ganz kleinen Level) einfach mal loslegen und gucken was passiert. Vielleicht ist ja die eigene Idee genau das, was vielen Menschen fehlt. Man sollte da eine Mischung finden.

Businessplan ja, aber eben nicht bis in die letzte Büroklammer ausrechnen. Wenn man das Geschäft erstmal “nebenher” laufen lässt ist das Risiko ja auch nicht zu groß. Und im Grunde ist es ja wie mit der Musik. Ein guter Song funktioniert auch durchs Telefon.”

In diesem Sinne, liebe Grüße, Mathias

Dankeschön und weiterhin viel Erfolg!

Weitere Infos: Website von Fairliebt