Gestern fuhr ich ins schöne Waldviertel. Das Wetter meinte es gut mit mir und so fuhr ich mit dem von Honda zur Verfügung gestellten Honda Civic Hybrid über Wiesen und durch Wälder zum romantischen Geburtsort einer Idee, die inzwischen zu einem in 40 Länder exportierenden Großunternehmen geworden ist. Ich besuchte den Gründer von Sonnentor, Johannes Gutmann.

 

Und es war eigentlich so, wie ich es erwartet hatte. Dieser charismatische, freundliche und am Boden gebliebene Typ mit roter Brille ist keine PR Erfindung. Es gibt ihn genau so. Während des Rundgangs durch das schnell wachsende Unternehmen lies er es sich nicht nehmen, jeden Mitarbeiter persönlich und mit Namen zu grüßen. Herumliegenden Müll hob er selbstverständlich vom Boden auf, um ihn gezielt zur nächsten Mülltonne zu tragen. Man spürte, er lebt mit dem Unternehmen, das mehr die Struktur einer Familie hat, als eines globalen Kräuter Vertriebs.

 

Bei für das Waldviertel typischen, handgewuzelten Mohnnudeln mit Apfelmus (und einer Brise Sonnentor Kräuter), saßen wir in der offenen Küche des Büros und quatschten über die Entwicklung des Unternehmens, die Anfänge, die Herausforderungen und die Zukunft. Einfach faszinierend, hinter die Kulissen dieses Unternehmen zu blicken, dass jährlich ca. 40 Millionen Packungen seiner Produkte per Hand verpackt. Was unterentwickelt klingt, entpuppt sich als Wettbewerbsvorteil. Nur durch diese Handarbeit der Mitarbeiter und Zulieferer (die Bauern können das auch selbst machen, womit das Geld bei ihnen bleibt) ist es möglich z.B. einen Tee schon ab 300 Stück, für einen speziellen Markt zu verpacken. Mit eigenem Etikett in der entsprechenden Sprache. Utopie für andere Hersteller.

 

Auf die Frage, wie es zu dieser Handarbeit gekommen ist, meint Johannes Gutmann, wiederum in diesem authentischen und selbstverständlichen Ton, dass es von Anfang an klar war, dass Sonnentor in der Region Arbeit schaffen will. Eine vollkommen automatisierte Produktion wäre für dieses Ziel kontraproduktiv. So füllen also viele fleißige, einheimische Hände den duftenden Tee in diese 40 Millionen Packungen. Alte Bäuerinnen oder auch Mütter können dies auch zu Hause tun.

 

Ja, man spürt, dass dies hier eine andere Welt ist. Eine wirtschaftlich blühende Welt die schön, freundlich und sozial ist. Es werden Werte aktiv gelebt, Beziehungen aufgebaut und gepflegt. Es hat nichts mit der sterilen, harten Business Welt zu tun, wo Profit für die Stakeholder das einzige ist, was am Ende des Tages zählt. Und noch was fällt auf: Nachhaltigkeit ist für Johannes Gutmann kein PR Thema und kein Konzept. Es ist selbstverständlich und verwirklicht sich durch den Respekt vor und die Wertschätzung für die Menschen und die Natur, die ihm angeboren ist. Auch im 21. Jahrhundert. Das geht. Und wie.

 

Auf die Frage, ob man überhaupt wachsen muss, ob man nicht einfach ein mittelgroßer Betrieb bleiben kann, meint Johannes Gutmann, dass es wohl kein Gesetz ist, aber man sich auf keinen Fall selbst ausbremsen darf, wenn das Unternehmen gesund wachsen will. Leben und leben lassen.

 

So freue ich mich umso mehr auf den WeissSee Dialog #1, wo Johannes Gutmann noch mehr über sich, seinen Weg und seine Visionen erzählen wird. Ich bin gespannt.

 


*Dieser Beitrag erschien im WeissSee2250 Blog unter http://www.weissSee2250.com