Die Raumbestuhlung war das Erste, was der Kultur eines Barcamps widersprach. Die Eröffnungsrede eines FH Vertreters ebenso. Das Wlan vor Ort aber kann sinnbildlich für das erste Politcamp genommen werden. Ein Wlan, ein kostenloser Zugang zum Internet, aber als unsichtbarer Hotspot eingerichtet, der nur mit Username und Passwort zugänglich war. Was auch nicht bei allen funktionierte. Es wirkte umständlich, protektionistisch und verschlossen.
Raum schafft Kultur, haben mir schon meine Architektur Professoren eingeprägt. Nach einem Barcamp in der Uni Klagenfurt, einem Politcamp in der FH Joaneum in Graz, einem Barcamp in den Räumlichkeiten von Microsoft und eines im Szenelokal WerkzeugH in Wien, zeigen auf wie wahr dieser Spruch doch ist. Meine Präferenz? Microsoft’s Büroräumlichkeiten, gefolgt vom WerkzeugH.
Die universitären Wirkungsstätten haben entgegen beide keine Sympathien in mir wecken können. Der vorherrschende Geist einer Rollenteilung zwischen „Wissenden“ und den „Unwissenden“ ist eben so gar nicht mein Ding und widerspricht dem Grundgedanken eines Barcamps. Welcher das ist, wissen nach meiner Beobachtung und den Gesprächen die ich geführt habe inzwischen die wenigsten der Teilnehmer&innen. Was ich meine? Das Grundprinzip, dass sich Menschen treffen, um sich gegenseitig Wissen zu vermitteln, Impulse zu geben, kontrovers zu Diskutieren und Antworten auf Fragen der Zeit zu erarbeiten. Für so eine Kultur sind aber Universitäten in keiner Weise gebaut und Studierende, die in der Zwangsjacke des Bildungssystems stecken nicht gemacht. Ich mag übertreiben, aber das traue ich mich jetzt einfach mal.
In meiner Diskussions-Session mit Olaf Nitz (Titel: Das interessiert eh Niemanden) haben wir es uns getraut, die starre Schulklassenstruktur des Seminarraumes aufzureißen und eine große Tafel zu schaffen. Klassische Sitzreihen nach dem Volksschulprinzip sind unpassend. Das hat übrigens was mit einem weiteren Eckpfeiler der Barcamp Kultur zu tun. Wenn dir etwas nicht passt, dann mach es besser, verändere es, sei du die Veränderung, die du haben willst.
Ein weiteres Grundprinzip, dass im Sterben liegt: Wer an einem Barcamp teilnimmt, dort etwas lernt, Wissen von anderen „geschenkt“ bekommt, soll sich auch bemühen etwas zurück zu geben. Also sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was er weitergeben könnte. Die vielleicht typische Österreichische Mentalität „Des schau i mir erst amol an“ passt da wenig. Ein Barcamp soll keine Einbahnstraße werden, nicht zur klassischen Konferenz werden.
Dazu gehört – meiner engen Haltung nach – auch, dass ich keinen Pseudo-Stargästen fixe Präsentationszeiten einräumen würde. So geschehen im Falle diverser Politiker. Sehr positiv konnte sich bei diesem Politcamp nur der Grünen-Politiker Christoph Chorherr positionieren, der einfach teilnahm, neugierig mitdiskutierte und sich wirklich Zeit nahm. Bravo.
Nein, dass soll nicht heißen, dass dieses Politcamp von Heinz Wittenbrink ein Reinfall war. Im Gegenteil. Gerade durch dieses Aufeinanderprallen der Kulturen, was besonders Michael Schuster sehr spannend präsentierte, kommt etwas in Bewegung. Es ist ja oft so, dass uns erst wenn etwas nicht passt, etwas fehlt, auffällt wie es sein sollte.
So hinterlässt dieses erst Politcamp in Graz bei mir viele Gedanken, die es verdienen weiter geführt zu werden. Und die Frage, wie man dem Kulturverlust bei Barcamps entgegensteuern kann. Kann man?
Nachdem Olaf und ich aber bemerkten, dass wir auf solcherlei Events schon mehr Zeit miteinander verbringen, als er mit seiner Freundin Urlaub fährt, sollten wir da neue Antworten finden. Denn wenn sich mal das Gefühl, dass sich die investierte Zeit nicht lohnt, weiter verbreitet, bleibt uns nur der Gang zum Grabe.
Oder ist das alles sogar gut? Steht uns ein gesunder Tod einer Kultur der GenerationX bevor? Muss eine GenerationY seine Kultur selbst gestalten? Noch gibt es mit Helge Fahrnberger und Michael Schuster zwei aktive, alte Hasen, die das Barcamp nach Österreich geholt haben und die Kultur bis heute aktiv mitgestalten.
Oder übertreibe ich jetzt, mit einer Rollenzuteilung die sich eher klassisch anfühlt und fast nach einer „Betriebsnachfolgeregelung“ ruft? Wie auch immer, dennoch bewegt es mich. So dynamisch und unverpflichtend sich die Szene darstellen mag, so geht es dennoch um echte soziale Netze mit Kulturen und Aufgaben. Und das ist nie nebensächlich. Schon gar nicht, wenn man ein Teil davon ist.
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Mich
Juni 2nd, 2008 um 7:10
Hey Hannes, meine erste Notiz auf dem Politcamp: “Für eine Konferenz ganz schön klassisch”, also mein blick ganz deinem
- hat mich allerdings nur am Anfang gestört, denn: warum soll man funktionierende Stukturen nicht beibehalten?
Ich glaube, ohne diese “klassische” Stuktur zu Beginn hätten die gestandenen Barcamper, die Alpha-2.0er, das Camp noch mehr dominiert als eh schon – und das hätte dem Ziel widersprochen, das sich alle beteiligen.
Ich hatte schon das Gefühl das viele Neulinge – like me, so viel mehr Möglichkeiten hatten, sich zu positionieren. Aber du hast ja geschrieben “Wenn dir etwas nicht passt, dann mach es besser, verändere es, sei du die Veränderung, die du haben willst.”
Aus diesem blickwinkel versteh ich deine Kritik nicht wirklich – you did it your way.
Auch den Auftritt der Politiker fand ich im Rückblick eher aufklärend als überflüssig. Er hat doch recht deutlich gezeigt das jeder das Internet so nutzt wie er es versteht und nutzen will. Der Geist des Web 2.0 muss doch zulassen können das man eben nicht mitmacht.
Und bis jetzt hab ich keinem der Politbloggs – auch nicht in dem von Christoph Chorherr etwas vom Politcamp gelesen.
Ist also das WEB 2.0 nicht so relevant, wie wir denken?
Oder warum schaffen wir es nicht, dass sich alle von den Möglichkeiten dieses “neuen Internets” überzeugen.
Und darin besteht meine Kritik am Barcamp, das zu viel Überzeugungstäter versuchen mit der Methodik von Axt und Faustkeil ihre Erkentnisse im Web 2.0 unter die unwissenden zu bringen. Und an dieser Argumentationskultur ändert leider keine Sitzordnung etwas…
weltfremdes world wide web 2.0 ??? « leichen der zeit
Juni 2nd, 2008 um 8:05
[...] Hannes über die Organisationsform [...]
christoph chorherr
Juni 2nd, 2008 um 13:25
ad Mich:
Es hat gute Gründe, warum ich auf meinem blog nix über die Konferenz geschrieben hab.
Das lesen Leute, die sich nicht primät mit web 2.0 beschäftigen.
Wenn ich ein feedback schreibe, dann z.B. hier, wo die web.2.0 fans zuhause sind.
Politik 2.0 ist für mich ein tool, meine gedanken&Projekte zur Diskussion zu stellen, Leute kennenzulernen, und feedback einzuholen.
Jedenfalls extrem lohnend.
Insofern hab ich auch sehr viel an diesem Wochenende gelernt:
Sehr interessante Personen und ihre Ideen.
Spannende tools, die vielleicht für Euch selbstverständlich sind, die man aber jemandem wie mir, einem Nicht Insider bisschen langsam erklären muss.
Nicht technisch (das ist mir ziemlich wurscht), sondern was sie mir bei meiner Kommunikation nützen können.
Und dann war ich zum ersten Mal bei einem barcamp.
Finde das eine sehr interessante Organisationsform, die sich auf alle möglichen Inhalte anwenden lässt.
Hab schon einige Ideen, wo ich das einsetzen werde.
Schliesslich:”Web.2.0″ oder wie immer man diese social media tools auch nennen mag; sie sind eine unglaublich neue Infrastruktur, die es erst paar Jahre gibt.
Sie bieten unglaublich neue Möglichkeiten und werden sehr viel verändern.
Unsere Bildungseinrichtungen genauso wie unsere Städte, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Dauert noch paar Jahre, dann werden wir alle sehen, wie dramatsich diese Änderungen sein werden.
Ein Vorschlag zu Eurer community: Fürs nächste Mal paar Leute aus anderen “Kulturen” einladen.
sozusagen “linked diversity”
mir hats gedenfalls getaugt und sehr viele Idee gebracht.
Und es frielen mir noch ganz viele ein, die das, was Ihr denkt, wisst und vorantreibt interessieren könnte.
HannesO.
Juni 2nd, 2008 um 14:17
Lieber Mich, ich will kurz festhalten, dass ich für mich versucht habe, die mir bekannte Barcamp Kultur mit der am Policamp angetroffenen zu vergleichen und die Unterschiede zu analysieren. Der Event war vollkommen OK, ich bereue nicht dort gewesen zu sein, aber es war eben als ein “Barcamp” auf die Beine gestellt, was diese kritische Auseinandersetzung wohl legitimiert.
Die von Dir beobachteten brutalen “Argumentationskultur” angeht habe ich nicht so wahrgenommen. Aber vielleicht war das bei anderen Sessions stärker, als bei denen ich war.
Selbst verändern: Das habe ich für mich getan, indem ich eine kleine Session aufgestellt habe, wo niemand frontal ein Referat abgehalten hat, sondern miteinander, angeregt diskutiert wurde.
Ich denke aber, dass man kein Event als “Barcamp” positionieren sollte, wenn man diese global gelebte Kultur auch “durchbringen” kann. Vielleicht ist die Politik von Heute noch nicht für diese unorganisierte, offene Kultur gemacht (was auf OK ist).
Und: Ich freue mich auf ein Politcamp II
Boris
Juni 2nd, 2008 um 16:35
Als erstes Danke für die Vielen Anregungen und die kritischen Anmerkungen!
Die Frage des Standortes ist sicher eine zu hinterfragende. Wir haben es an der FH versucht, weil es für uns das naheliegenste war (Arbeiten hier, Studiernde ebenfalls) und finanziell gesehen am günstigsten. Die Verschlossenheit des Wlan ist systembedingt und ressourcenabhängig. “Systembedingt”, weil Sysadmins eine grundsätzliche Sicherheitsparanoia quählt und “ressourcenabhängig” weil die Hotspots bei uns an der FH rund um die Mensa an Dauerüberlasstung leiden. (20 Personen pro Hotspot bietet angeblich noch eine erträgliche Übertragungsleistung, bei 30 wirds kritisch) Wir wollten damit sicherstellen, dass alle Teilnehmer eine sinnvolle Geschwindigkeit nutzen können.
Schade übrigens, dass ich erst jetzt in Deinem Blog erfahre, dass nicht alle reingekommen sind!
Was mich allerdings wundert ist dein Ranking. Soweit ich mich erinnere war der Zugang als Person bei Microsoft so, dass ich nicht ohne Mitarbeiter rein oder raus aus dem Gebäude kommen konnte. Das halte ich für noch protektionistischer und verschlossener, als ein verstecktes WLAN.
Ich kann mir vorstellen, dass z.B.: die Gegebenheiten in Salzburg rund um die Arge dem Bild eines Camps eher entsprechen. Soweit ich Heinz verstanden habe werden wir wieder politcamp in Graz veranstalten und dabei sicher die vielen freundlichen Hinweise beherzigen.
Deine Meinung zu Michael Schusters Session am Samstag teile ich gerne. In Kombination mit der Session von Helge Fahrnberger, wo über die Rolle von Grenzgängern von Politik und Web gesprochen wurde ergibt sich für mich die Message, dass das Thema und die Leute die kommen ein Barcamp bestimmen danach erst alles andere. Hier liegen die potentiellen Erfolgschancen des Barcamps gegenüber allen anderen Arten von Konferenzen sich auf die Auswahl der Personen und des Themas zu konzentrieren. Alles andere ist (fast) nebensächlich.
Hannes Offenbacher
Juni 2nd, 2008 um 17:52
Microsoft: Stimmt schon was Du sagst, aber der Ort und die Stimmung vor Ort war so gut, dass keiner raus wollte
– daher hat das nicht so gestört. Das Wlan in Graz habe ich natürlich nur als Metapher genommen. War natürlich nicht schlimm. Die Entscheidung für die FH ist auch verständlich und ich glaube auch, dass wir das im nächsten Jahr so umgestalten können, dass die Location für die Kultur passend ist. Helfe dabei gerne!
LG Hannes
Helge
Juni 4th, 2008 um 22:21
Hannes, ich teile viele deiner Bedenken bezüglich Verwischen der Grenzen zwischen Konferenz und Unkonferenz. Die Schlussfolgerung, die Barcampkultur sei am Aussterben, teile ich nicht – halte ich eher wie Ton für elitistisch.
Ich glaube im Gegenteil (und nicht erst seit dem Politcamp), dass es wichtig wäre, die Barcamp-Regeln stärker zu betonen:
- 1st Rule: You do talk about Bar Camp.
- 2nd Rule: You do blog about Bar Camp.
- 3rd Rule: If you want to present, you must write your topic and name in a presentation slot.
- 4th Rule: Only three word intros.
- 5th Rule: As many presentations at a time as facilities allow for.
- 6th Rule: No pre-scheduled presentations, no tourists.
- 7th Rule: Presentations will go on as long as they have to or until they run into another presentation slot.
- 8th Rule: If this is your first time at BarCamp, you HAVE to present. (Ok, you don’t really HAVE to, but try to find someone to present with, or at least ask questions and be an interactive participant.)
Ich gestehe, ich hab mich auch nicht immer an alle gehalten. Vielleicht müssen wir aber Höflichkeit ablegen und die Unkonferenz-Kultur stärker betonen. Siehe Pecha Kucha – da sind die Regeln ja auch klar und beinhart.
@Christoph: Mit deiner Annahme, dass deine Blogleser sowas nicht interessiert, liegst du meiner Meinung nach (bin Blogleser von dir) falsch! Es geht hier nicht um “Web 2.0″, es geht um eine im Umbruch befindliche Gesellschaft.
Heinz Wittenbrink
Juni 5th, 2008 um 7:06
Die “Abweichungen von der BarCamp-Kultur” hatten zwei Gründe: Zum einen wollten wir über die BarCamp-Szene hinauswirken, und zwar zuerst vor allem in Richtung PR-Agenturen/Kommunikation politischer Organisationen. Das Thema des Events stand fest, bevor wir über die Form geredet haben, und in der allerersten Phase war an eine Konferenz über politische Kommunikation gedacht. Zum anderen waren wir in der Organisation von BarCamps schlicht zu wenig erfahren. Für das Gebäude und den Raum haben wir uns entschieden, weil wir mit mehr Beteiligung vor allem bei unseren Studenten und Lehrenden gerechnet haben; wenn wir das nächste PolitCamp wieder an der FH machen, nehmen wir sicher Räume mit Werkstattatmosphäre.
Während des PolitCamps hat sich dann die Form des BarCamps – etwas zeitverzögert – vollständig durchgesetzt. Auch wer vorher keine BarCamps kannte – unter den Politikern und unter meinen Studenten und Kollegen – hat verstanden, wie und warum ein BarCamp funktioniert. Ich selbst weiß es jetzt auch besser! Die Studenten, die mitgemacht haben, waren nachher einhellig von dieser Form begeistert, auch fast alle Politiker, die dabei waren. Der Ablauf zeigt, dass die Regeln, die Helge zitiert (und die wir vielleicht genauer hätten lesen sollen), zusammen gehören und eine innere Logik haben.
Wir haben es überhaupt nicht geschafft, mit den Abweichungen von den BarCamp-Regeln Leuten, die keine BarCamps kennen, den Zugang erleichtern. Trotz Plakaten, trotz Information von PR-Agenturen, trotz Pressaussendungen und Gesprächen mit Medienvertretern haben wir Agenturen, herkömmliche Medien und die lokale Öffentlichkeit gar nicht und die Studenten an der FH kaum erreicht. Die Energie, die in diese Vorbereitungen geflossen ist, sollten wir beim nächsten Mal besser in das “management of expectations” (Danke, Ton Zijlstra!) bei den Teilnehmern setzen.
Entäuscht bin ich übrigens von dem demonstrativen Desinteresse einiger Kollegen an der FH Joanneum. Die FH und die beteiligten Studiengänge haben uns insgesamt sehr unterstützt, obwohl die Verantwortung bei den beteiligten Personen lag und wir nie jemand anders als Veranstalter bezeichnet haben. (Microsoft war ja auch nicht der Veranstalter des Wiener BarCamps, von dem Hannes schreibt.) Leider gibt es aber auch bei uns den passiv-aggressiven Typus, der sich vorher zurückhält und nachher alles besser weiß.
In einem Punkt fand ich die Abweichung von den BarCamp-Regeln im Ergebnis erfolgreich: Die Politiker-Sessions am Freitagnachmittag haben, glaube ich, den meisten Teilnehmern etwas gebracht. Wir hätten sie ohne genaue Terminabsprachen nicht zustandegebracht. Ich bin im Augenblick ratlos, wie wir da beim nächsten Mal vorgehen sollen. Es ist toll, dass Leute wie Michi Mojzis und Christoph Chorherr selbst viel beigetragen haben und auch Impulse aufgenommen haben, und wir können nicht ignorieren, wie die Zeitplanung professioneller Politiker aussieht, Michi hat das ja in ihrer Präsentation eindrucksvoll gezeigt. Auch wenn man es gerne anders hätte, darf man nicht vergessen, dass Politik heute zu einem guten Teil von professionellen Politikern gemacht wird. Ich hoffe, dass wir bis zum nächsten PolitCamp im Dialog mit der BarCamp-Community und mit Leuten wie Michi und Christoph einen Weg finden, ein offenes Event zu ermöglichen, in dem verschiedene Communities aufeinander treffen. Ich finde Christophs Ausdruck “linked diversity” wunderbar!
Markus Pirchner
Juni 5th, 2008 um 9:50
@Heinz – Warum die PR-Branche, mit ganz wenigen (3) Ausnahmen, dem PolitCamp fern geblieben ist, beschäftigt mich auch. Bis jetzt habe ich noch keine Idee; an mangelnder Information kann es nicht gelegen haben. Es könnte ein Wahrnehmungsproblem seitens der PR-Leute sein. Es kann aber auch daran gelegen haben, dass tags zuvor, am 29.5., der PR-Tag in Wien stattgefunden hat. Ich habe jedenfalls in den PRVAnews anklingen lassen, dass der Vergleich zwischen PR-Tag und PolitCamp zugunsten des letzteren ausgeht (beides probiert, kein Vergleich
.
Was das Format betrifft, ist es mir ehrlich gesagt ziemlich “blunzn”; mir ist der Inhalt wichtig und dass es ausreichend Platz für Dialog gibt, und zwar für echten Dialog, Frage-Antwort-Spielchen im Symposiumsstil interessieren mich weniger. Da hat das PolitCamp sicher nicht alle Möglichkeiten ausgereizt.
In Summe war’s aus meiner Sicht aber eine gelungene, Erkenntnis stiftende Angelegenheit, die nach Wiederholung schreit.
Michael Neumayr
Juni 5th, 2008 um 14:54
Als Barcamp Neuling muss ich sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat. Gut ich kenne keine anderen Camps aber das wird sich wahrscheinlich ändern.
Ohne das Politcamp wäre ich glaube ich nie auf die Idee gekommen an so etwas teilzunehmen. Ich hab generell viele Ideen in dem Bereich mitgenommen.
PolitCamp - ein Rückblick | dear diary...
Juni 5th, 2008 um 19:05
[...] die Verteilung auf drei Räume, wovon einer riesig und irgendwie spärlich befüllt war. In diesem Blog wurde auch über andere Aspekte diskutiert – da kann ich nur leider nicht sehr viel mitreden, da [...]
Hermann Stern
Juni 5th, 2008 um 20:56
Guten Abend
Freut mich, dass sich nun ein Plätzchen gebildet hat, an dem man das PolitCamp nachbesprechen kann (obwohl sich das Wiki des PolitCamps wohl besser dafür eignen würde).
Ich war nur am Freitag anwesend, kann daher nur davon berichten. Mir war eine ungefähre Zeiteinteilung der Politikersessions sehr recht, da man sich dann seine Zeit gut einteilen konnte. Den “Vorteil” eines Barcamps kann man hier auch als “Nachteil” sehen, denn Freitag nachmittag kam es durch eine nun fehlende “leitende” Hand zu dem Umstand, dass einige Sessions viel zu lange dauerten, sich alles nach hinten verschob, und so einige Sessions leer waren, weil sich keiner mehr wirklich ausgekannt hat, wann wo was (Gerold Neuwirt, e-Rule Making war sehr intressant, aber quasi unbesucht). Meiner Meinung nach brauchts ab einer gewissen Besucherzahl einfach ein wenig Ordnung.
Am meisten amüsiert haben mich jedoch die vielen brüskierten Rufe, dass zum Beispiel Lisa Rücker keine Ahnung hatte, was “ein” Facebook war. Abgesehen von der irgendwie hochnäsigen Idee, Politiker auf Facebook abzuchecken und damit ihre Web 2.0 Kentnisse zu testen, haben sich dann tatsächlich einige wirklich beleidigt ins Winkerl gestellt, wenn auf die Frage keine Antwort retour kam. Lisa Rücker war für mich genau so unglaubwürdig wie für euch, aber ich bin nicht der Meinung, dass Politiker, die das Internet aktiv nutzen, auch über jedes Fitzerl des Web2.0 informiert sein müssen. Zumal sich auf den ersten Blick die Vorteile von Facebook nicht wirklich erkennen lassen, oder wer kann als Standardbenutzer erahnen, was die API alles kann? Denn wie c.c. schon oben erwähnt hat, kann den meisten doch ziemlich wurscht sein, was technisch dahinter liegt.
Für mich war der Freitag ein sehr entspannter Tag mit vielen guten Gesprächen, guten Ideen und einer herausragenden Abendperformance von monochrom. Mein WLAN ging übrigens auch nicht auf Anhieb, IBM Noties schienen die Hotspots gleich gar nicht zu mögen. Was zwar im Rahmen der Präsentation etwas unglücklich war, da wir nichts Online zeigen konnten, aber zumindest viele Teilnehmer daran gehindert hat, dauernd am Notie was zu machen. Werde das nächste mal sicher wieder dabei sein, und möchte mich vielmals für die Organisation bedanken.
schneeengel
Juni 6th, 2008 um 8:20
@christoph
ich teile helges ansicht – warum sollten die ergebnisse und schlüsse, die du vom politcamp mit nach hause genommen hast, deine blogleser (ja, ich bin auch einer davon) nicht interessieren? sicher, sie wird vielleicht nicht unbedingt interessieren, was am politcamp anders war, als einem “normalen” barcamp – aber was du davon mitgenommen hast und vielleicht auch in deine zukünftige politik mit einbauen wirst, wird sie sicher interessieren.
@heinz
die beteiligung seitens der lehrenden fand ich erschreckend. teilweise aber auch überflüssig. ich bevor ich jemanden sehe, der kurz am anfang da ist – verschwindet – zum mittagessen wieder auftaucht – verschwindet – mal kurz wieder da ist, um irgendwelchen lokalpolitikern die hände zu schütteln – und wieder weg ist, kann ich auch auf die “beteiligung” verzichten.
die beteiligung seitens der studenten lag vielleicht an der “aufklärung” über das event. viele wussten, glaube ich, nichts damit anzufangen und hielten es deswegen für sich als nicht wichtig. warum sie dann nicht wenigstens mal vorbei gekommen sind, um sich das mal kurz anzugucken, kann ich dir allerdings nicht erklären.
@hermann
ich finde es es eigentlich traumhaft, dass sich so darüber “aufgeregt” wird, wie sich über das facebook “aufgeregt” wird/wurde. denn letztendlich war ich derjenige, der so auf lisa rückers facebook herumgeritten ist. das heißt ja, mir hören einige zu…
ich habe sie auch übrigens – so wie es inzwischen teilweise herüber kommt – nicht einfach gefragt, was facebook ist, um ihre web 2.0-affinität zu testen. thema ihrer session war “bloggen im grazer wahlkampf”. dort erzählte sie, dass sie ihren blog sozusagen als wahlkampfpropaganda eingesetzt hat. weiters ist sie ziemlich über die – eigentlich nicht vorhandenen – web-aktivitäten ihres bürgermeisters hergezogen – und wie wenig er sich doch damit auskennt. daraufhin hab ich sie lediglich gefragt, ob sie für den nächsten wahlkampf auch andere “tools” einsetzen würde, wie es in amerika zum beispiel mit facebook passiert ist.
3 Veranstaltungen in 3 Wochen at Digitalks
Juni 6th, 2008 um 10:17
[...] dass es ein barcamp war, jeder kann kommen, jeder kann mitreden und aktiv beitragen (derzeit läuft eine Diskussion zum Thema barcamp-Gewohnheiten) [...]
PolitCampGraz 2008 - das politische Barcamp! « virtuelle geschichten
Juni 6th, 2008 um 12:13
[...] Links: Beobachtungen zur Barcampkultur Posted in barcamp. Schlagworte: barcamp, christoph chorherr, flash panorama, michaela mijzis, [...]
» Politcamp Graz youXcity Blog
Juni 6th, 2008 um 12:30
[...] Eingefleischten Barcampern wie Hannes Offenbacher gab dies zu denken, wie man in seinem Blogbeitrag lesen kann. Mich hat diese Mischung wenig gestört, da mir der FH-Alltag aus meiner Zeit an der [...]
Mich
Juni 6th, 2008 um 15:33
Schön, dass es hier so munter weiter geht…
Ich wollte Christoph auch noch einmal widersprechen, aber dank Helge und schneeengel ist das schon geschehen: Es geht nicht um die technischen Hintergründe, (um die geht es in meinem Blog auch nie) sondern um die gesellschaftliche Bedeutung der Webtools – und die sollten jeden etwas angehen.
Und jeder der einen Blog ließt oder schreibt, sollte auch ein wenig darüber reflektieren was er gerade macht. Genau so wie wir erwarten, dass jeder Zeitungsleser reflektiert.
Zurück zu Barcampkultur.
Ich war etwas überrascht, das es Regeln für ein Barcamp gibt. Für mich hatte es den Eindruck, dass der strukturlose Raum sich selbst überlassen wird, was mir gefallen. Alle Teilnehmenden haben es in der Hand ihn zu gestalten. Deshalb finde ich auch die 8. Regel (Jeder MUSS etwas beitragen) so merkwürdig. Die Freiheit sollte doch auch darin bestehen, eben NUR teilzunehmen, bzw. eben nicht teilzunehmen.
Ich glaube gerade diese innere Spannung von der Vorstellung des idealen Barcamps, den verschiedenen Arten zu präsentieren und den verschiedenen Ansichten, ist der “Nährboden der Erkenntnis” – wie pathetisch.
Wenn durch eine radikale legere Form einige Leute von einem Barcamp abgehalten werden, ist das sicher auch nicht im Sinne der Veranstaltung.
Die offene Form des Barcamps sollte auch so offen sein, dass sie ein Raum für den klassischen Vortrag gibt. Denn nur im Kontrast kann ich das “Gute” vom “Besseren” unterscheiden.
Hannes Offenbacher
Juni 6th, 2008 um 16:31
@Mich, das glaube ich leider nicht. Sagt man, dass es nicht Pflicht ist, etwas beizutragen, hat man 80% Leute, die sich nur was abholen wollen und meinen, dass wer anderer für die Qualität zuständig ist.
Lebt man allerdings die Regel, dass man etwas beitragen MUSS, dann dreht sich das Verhältnis um. Die Regel ist vor allem deswegen so wichtig, weil wir kulturell (vor allem was Events & Bildung angeht) eher in einer Abhol- und Zuhör Gesellschaft leben. Deshalb denke ich, dass man hier diesen – zugegeben – radikalen Zugang wählen muss. ..
Ich bin ganz bei Helge, dass man diese Regeln, die sicherlich zum großen Teil unbekannt sind, wieder stärker promoten sollte. Denn das Konzept hat sich bewährt und faszinierend schnell über den Globus verteilt. Also muss was dran sein.
Ton Zijlstra
Juni 6th, 2008 um 17:45
@Mich, das es Regeln gibt ist nicht wirklich erstaunlich, wenn man die Funktion der Regeln betrachtet. Ein freier Raum schaffen heisst nicht die Abwesentheit von Strukturierung usw, sondern das aus dem Weg schaffen von Hindernisse. Tatsächlich sind BarCamps und andere ‘offene’ Formats sehr strukturiert und sehr wohl gemanaget. Nur werden Strukturen nur dann eingesetzt in dem Moment wo sie nutzlich sind und gleich danach wieder abgebrochen. Das Papierwiki ist zB. eine klare Strukturierung, nur sieht er anders aus als ein Programm das vorher gedruckt wurde. Ich mache die Erfahrung desto offener ich ein Event gestalten will, desto harter die strukturierede Arbeit die ich vorher und während des Events leiste.
Regeln gibt es ausserdem nicht nur um etwas zu verbieten sondern auch um etwas explizit zu erlauben. Wir sind nur gewöhnt das Regeln Grenzen stellen. De ‘Pflicht’ mit zu machen ist daher nur die Verpackung des bewusst gegebenen Erlaubnis aktiv mit zu reden, und aktiv zB ein Sprecher zu unterbrechen. Meine Erfahrung ist das es ziemlich viele Umgebungen und viele Leute gibt die dieses explizite Erlaubnis brauchen um aus der Routine von Maul halten und zuhören (das uns ab der erste Schultag beigebracht wurde) zu geraten.
mich
Juni 9th, 2008 um 13:16
@ton+hannes
wahrscheinlich habt ihr recht:
“können, ohne Halt nicht leben, sind Regeln gewohnt” singt der Herbert Grönemeyer.
Ich denke trotzdem, dass es besser ist, wenn wir lernen uns ohne Regeln und Zwang zu äußern. Auch vom ersten Schultag an,
aber wahrscheinlich mochten mich deshalb einige Lehrer nicht.
Aber danke für die Diskussion…