Beobachtungen zur Barcampkultur

Die Raumbestuhlung war das Erste, was der Kultur eines Barcamps widersprach. Die Eröffnungsrede eines FH Vertreters ebenso. Das Wlan vor Ort aber kann sinnbildlich für das erste Politcamp genommen werden. Ein Wlan, ein kostenloser Zugang zum Internet, aber als unsichtbarer Hotspot eingerichtet, der nur mit Username und Passwort zugänglich war. Was auch nicht bei allen funktionierte. Es wirkte umständlich, protektionistisch und verschlossen.

 

Raum schafft Kultur, haben mir schon meine Architektur Professoren eingeprägt. Nach einem Barcamp in der Uni Klagenfurt, einem Politcamp in der FH Joaneum in Graz, einem Barcamp in den Räumlichkeiten von Microsoft und eines im Szenelokal WerkzeugH in Wien, zeigen auf wie wahr dieser Spruch doch ist. Meine Präferenz? Microsoft’s Büroräumlichkeiten, gefolgt vom WerkzeugH.

 

Die universitären Wirkungsstätten haben entgegen beide keine Sympathien in mir wecken können. Der vorherrschende Geist einer Rollenteilung zwischen „Wissenden“ und den „Unwissenden“ ist eben so gar nicht mein Ding und widerspricht dem Grundgedanken eines Barcamps. Welcher das ist, wissen nach meiner Beobachtung und den Gesprächen die ich geführt habe inzwischen die wenigsten der Teilnehmer&innen. Was ich meine? Das Grundprinzip, dass sich Menschen treffen, um sich gegenseitig Wissen zu vermitteln, Impulse zu geben, kontrovers zu Diskutieren und Antworten auf Fragen der Zeit zu erarbeiten. Für so eine Kultur sind aber Universitäten in keiner Weise gebaut und Studierende, die in der Zwangsjacke des Bildungssystems stecken nicht gemacht. Ich mag übertreiben, aber das traue ich mich jetzt einfach mal.

 

In meiner Diskussions-Session mit Olaf Nitz (Titel: Das interessiert eh Niemanden) haben wir es uns getraut, die starre Schulklassenstruktur des Seminarraumes aufzureißen und eine große Tafel zu schaffen. Klassische Sitzreihen nach dem Volksschulprinzip sind unpassend. Das hat übrigens was mit einem weiteren Eckpfeiler der Barcamp Kultur zu tun. Wenn dir etwas nicht passt, dann mach es besser, verändere es, sei du die Veränderung, die du haben willst.

 

Ein weiteres Grundprinzip, dass im Sterben liegt: Wer an einem Barcamp teilnimmt, dort etwas lernt, Wissen von anderen „geschenkt“ bekommt, soll sich auch bemühen etwas zurück zu geben. Also sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was er weitergeben könnte. Die vielleicht typische Österreichische Mentalität „Des schau i mir erst amol an“ passt da wenig. Ein Barcamp soll keine Einbahnstraße werden, nicht zur klassischen Konferenz werden.

 

Dazu gehört – meiner engen Haltung nach –  auch, dass ich keinen Pseudo-Stargästen fixe Präsentationszeiten einräumen würde. So geschehen im Falle diverser Politiker. Sehr positiv konnte sich bei diesem Politcamp nur der Grünen-Politiker Christoph Chorherr positionieren, der einfach teilnahm, neugierig mitdiskutierte und sich wirklich Zeit nahm. Bravo.

 

Nein, dass soll nicht heißen, dass dieses Politcamp von Heinz Wittenbrink ein Reinfall war. Im Gegenteil. Gerade durch dieses Aufeinanderprallen der Kulturen, was besonders Michael Schuster sehr spannend präsentierte, kommt etwas in Bewegung. Es ist ja oft so, dass uns erst wenn etwas nicht passt, etwas fehlt, auffällt wie es sein sollte.

 

So hinterlässt dieses erst Politcamp in Graz bei mir viele Gedanken, die es verdienen weiter geführt zu werden. Und die Frage, wie man dem Kulturverlust bei Barcamps entgegensteuern kann. Kann man?

 

Nachdem Olaf und ich aber bemerkten, dass wir auf solcherlei Events schon mehr Zeit miteinander verbringen, als er mit seiner Freundin Urlaub fährt, sollten wir da neue Antworten finden. Denn wenn sich mal das Gefühl, dass sich die investierte Zeit nicht lohnt, weiter verbreitet, bleibt uns nur der Gang zum Grabe.

 

Oder ist das alles sogar gut? Steht uns ein gesunder Tod einer Kultur der GenerationX bevor? Muss  eine GenerationY seine Kultur selbst gestalten? Noch gibt es mit Helge Fahrnberger und Michael Schuster zwei aktive, alte Hasen, die das Barcamp nach Österreich geholt haben und die Kultur bis heute aktiv mitgestalten.

 

Oder übertreibe ich jetzt, mit einer Rollenzuteilung die sich eher klassisch anfühlt und fast nach einer „Betriebsnachfolgeregelung“ ruft? Wie auch immer, dennoch bewegt es mich. So dynamisch und unverpflichtend sich die Szene darstellen mag, so geht es dennoch um echte soziale Netze mit Kulturen und Aufgaben. Und das ist nie nebensächlich. Schon gar nicht, wenn man ein Teil davon ist.