Wirklich, Sie haben noch keinen Blog?

Jan 04, 2008 9 Kommentare Allgemein
 

Stelle nie Prognosen, besonders keine über die Zukunft“ (Sam Goldwyn). Seine Worte in Gottes Ohr. Ich stelle keine Prognosen. Ich spekuliere. Und ich halte mich an Winston Churchill, der einmal sagte „Je weiter man zurückschaut, desto mehr kann man voraussehen“.

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What's every 5 y/o's fav question?...
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Der Rückblick
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So will ich zurückblicken, in eine Zeit als ein Internetanschluss noch etwas Besonderes war, als ich 10 Minuten brauchte, um mich bei meinem Webmail Account anzumelden und eine Email zu öffnen.
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  • Ich kann mich gut erinnern, wie ich belächelt wurde, als ich in meinen jungen Jahren mit einem Mobiltelefon daherkam. Lächerlich.
  • Ich kann mich erinnern, wie erfolgreiche Geschäftsleute abfällige Bemerkungen über dieses „Internet“ machten und mir erklärten, dass sie dieses Zeugs nicht bräuchten. Schon gar nicht so eine Homepage.
  • Ich höre die Lacher von damals, als ich Freunden erzählte, dass ich jeden Abend ein paar Stunden vor dem PC verbringen würde, um zu „surfen“.
  • Auch kann ich mich erinnern, als alte Herren und Damen im Vorstand einer großen Jugendorganisation mit 40.000 Mitgliedern meinen Vorschlag, auf das Anmeldeformular ein Feld für Email Adresse hinzuzufügen, ablehnten, weil das unsinnig sei.
  • Ich kann mich an die „Für was brauch ich sowas“ Aussagen erinnern, nachdem ich sehr früh Einladungen zu diversen Social Networks a la openBC verschickt hatte.

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Noch höre ich in Gesprächen Aussagen wie „Einen Blog brauchen wir nicht“. Das nehme ich hin, warte ab und spreche die Zweifler ein Jahr später erneut auf das Thema an. Wie könnte ich auch jemanden diese kurzsichtige Ablehnung gegenüber dem Neuen übel nehmen. Es fehlt an Verständnis und Hintergrundwissen, weshalb den meisten der Blick auf das größere Bild der Sache verwehrt bleibt.
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Gerade bei Blogs ist es wichtig sie nicht isoliert und als ein starres Ding zu verstehen, sondern als Teil einer kommunikativen Kulturrevolution im Internet. Es geht nicht um technische Details, sondern um ein verändertes Verhalten, veränderte Bedürfnisse auf der Seite der Rezipienten (auch Kunden bzw. Auftraggeber). Wer nicht jetzt in das Spiel einsteigt, riskiert einiges und schenkt der Konkurrenz einen großen Vorsprung.
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Nun zum Ausblick.
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Ich spekuliere, es wird ein boomendes Jahr für Blogs. Auch in Österreich. Nicht nur, weil die Internetnutzung stetig ansteigt. Auch, weil sich immer mehr Menschen über das Internet ein Bild von Unternehmen und Personen machen. Man benutzt Google & Co., um sich vorab ein Bild vom Gegenüber zu machen. Ein Blog fungiert dabei als Suchmaschinen-optmierte Visitenkarte. Persönlich, authentisch und aktuell. Die Zeiten des “Über uns” Textes, der 2 Jahre lang gehalten hat, ist langsam vorbei.
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Während man aber in den USA kein explosives Wachstum an neuen Blogs erwartet, sondern eher eine Konsolidierung des Marktes in Richtung Themen Fokussierung, erwarte ich bei uns „noch“ das Gegenteil.
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Andere Szenekenner erwarten auch eine erste Welle von Aussteigern in der Blogosphäre. Der Prognose kann ich etwas abgewinnen. Viele alte Hasen haben es meiner Meinung nach verabsäumt, sich rechtzeitig weiter zu entwickeln.

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Robert Basic scheint den Braten auch zu riechen und öffnet nun seinen Blog für Co-Autoren mit Themenfokussierung. Guter Ansatz. Ebenso hat Roman Hanhart – alias Yoda – seinen Blog kräftig umgebaut und neu ausgerichtet. Mutig.

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Ebenso positives Beispiel ist Hannes Treichl, der sich mit seinem Blog sehr klar ausgerichtet hat, zur Nummer 1 in Österreich aufstieg und dann mit der Gründung eines Unternehmens (seinen Themen entsprechend) in ein nächstes Level aufgestiegen ist. Der Blog dient nun wunderbar als Kompetenzdarstellung. Einfach glaubwürdig.

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Der Trend zur Professionalisierung

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Noch ist die deutschsprachige Blogosphäre ein paar Schritte hinter jener in den USA. Gerade für 2008 erwarte ich ein starkes Wachstum an professionellen Themenblogs von Selbstständigen und Klein- und Mittelbetrieben. Haben sich in den letzten Jahren viele einen persönlichen Blog auf einem der vielen Gratisportalen zugelegt, erwarte ich den verstärkten Einsatz von eigenständigen, selbstinstallierten Blogs mit individuellem Design (z.B. WordPress).

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Ebenso erwarte ich einen sehr starken Trend, Blogs als Ersatz für kleine, statische Projekt und Unternehmenswebsites einzusetzen. Jeder baut sich seine eigene Bühne und immer mehr trauen sich authentisch und unverkrampft zu kommunizieren. Wie erfrischend, im Vergleich zu den unpersönlichen Pressemeldungen & Newslettern.

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Menschen in den Vordergrund

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Neben der Frage „Was machen Sie“, wird die Frage „Wer bist Du“ immer wichtiger. Das Darstellen von Persönlichkeit punktet. Man schließt Geschäfte mit Menschen ab, nicht mit Unternehmen. Dabei hat das nichts mit übertriebenem Narzissmus zu tun, sondern ist meiner Meinung nach eine gesunde Korrektur weg vom überförmlichen und anonymen Business. Hinter jedem erfolgreichen Unternehmen stehen besondere Persönlichkeiten. Diese etwas mehr ins Rampenlicht zu stellen ist gut und richtig.

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Und wer jetzt noch entgegnet, er sei einfach kein „Schreibtyp“ und habe auch keine Zeit fürs Bloggen, dem darf ich erzählen, dass mir die Leute noch vor ein paar Jahren erklärt haben, sie seien keine „Technik Freaks“ und überlassen den PC lieber anderen mit mehr Zeit. Heute benutzen alle damaligen Zweifler den PC mit Internet mehrmals pro Woche. Ohne Probleme.


 

9 Kommentare zu “Wirklich, Sie haben noch keinen Blog?”

  1. Patrick Wolf says:

    Hallo Hannes,

    Ich glaube da sprichst Du wirklich ein paar wahre Dinge an!

    Übrigens, nett der Rückblick. Ich kann mir zumindest auch auf die Fahne schreiben, dass ich bei manchen Dingen auch zu den early adapter gehört habe. z.B. eine dynamische Datenbankgetriebene Web-Site schon so um 94/95. Glaube es war so um dieses Jahr, ist ja schon so lange her und damals waren wir ja noch mit so richtig langsamen Modems auf Minutenbasis unterwegs :-)

    Übrigens Du hast Recht mit der Professionalisierung. Bin auch gerade dabei meinen Blog von Blogspot auf einen eigenen Server zu verlegen. Ach ist das schön wenn man alles mit der Blog Software machen kann und direkt auf die Datenbank kommt und den vorhandenen Content noch besser verwerten kann :-) Jetzt kenne ich mich auch schon mit WordPress und der Plugin Programmierung ein wenig aus.

    Und auch mit den Blogs für Unternehmen hast Du meiner Meinung recht, dass das 2008 noch viel stärker ins rollen kommt.

    Auf ein spannendes 2008 :-)
    Lg
    Patrick

  2. kris says:

    EInen Blog bauche ich wirklich nicht. Ich habe ein Blog, sogar mehrere. Aber sowas, was Der-Blog-Sager unter einem Blog verstehen, will ich nicht und finde ich auch nicht erstebenswert. Siehe: http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1371

    Aber ich befürchte, Du hast Recht: 2008 wird das Jahr der Der-Blogs.

  3. Hannes Offenbacher says:

    tja. gegen die Schar von Journalisten&innen, welche jetzt über DER-Blog schreiben, hat DAS-Blog wohl auch wenig Chance, sich als primäre Variante durch zu setzen.

    Die Aufregung ist mir zu übertrieben. Und Blogs stehen da nicht alleine. Denn: Heißt es DER oder DAS Event?

  4. kris says:

    Es sind nicht die Journalisten, die den falschen Artikel benutzen, sondern die Blogger selber. Und das Lustige daran ist, dass die Leute, die das mit dem Artikel nicht begriffen haben, auch den Rest nicht begriffen haben. So weiß man sofort, ob man über das Gleiche redet. Ich bin seit 2000 Vertreter der Das-Blog-Welt und, ich glaube, ich Eure Der-Blog-Welt ist mir fremd. Und das ist gut so.

  5. Hannes Offenbacher says:

    jedem seine eigene welt. ich blogge erst seit 2007 und es war in 98% der fälle immer DER-Blog. ich würde daher aufgrund der DER oder DAS verwendung nicht zu viel hinein interpretieren. da verrennen sich die alten blogger hasen wohl in eine konstruierte werte diskussion. aber auch das hat seinen reiz. lg

  6. wolfowitz says:

    In der Rangliste „deutscheblogcharts.de“ gehen die Verlinkungszahlen (das ist der nicht unumstrittene, aber bislang gültige Maßstab des Blog-Erfolgs) kontinuierlich zurück. Beliebte Seiten wie „Ehrensenf“, „wirres.net“, „Spreeblick“ oder „Blogbar“ liegen heute weit unter ihrem Gipfelpunkt („peak“). Sogar das verdienstvolle „BILDBlog“ verliert langsam an Attraktivität.
    Als vernetzte, aber letztlich allein vor sich hin werkelnde Herausgeber, Schriftsteller, Plauderer, Kleinstgewerbetreibende, Hobbyköche und fröhliche Aussteiger befinden sich die Netzjunkies nach fünf Jahren Dauerbloggen (in Deutschland begann der Hype 2003) in einer Selbstfindungsphase. Aber eine ernsthafte Debatte über den selbstverschuldeten Anteil am Blues steht noch aus. Stattdessen wird der eigene Zaun eifersüchtig bewacht. 2008 könnte tatsächlich eine neue Phase beginnen: die Kooperation unterschiedlicher Blogger auf gemeinsamen Plattformen. Die Chancen stehen 50:50.

  7. Patrick Wolf says:

    Also ich wäre nie auf “Das Blog” gekommen (da zieht es mir alles zusammen), aber ich hatte ja in Deutsch schon immer nur eine 4-5 :-) Und das der Begriff “Blog” von “Logbuch” abgeleitet und daher “das” verwendet werden muss finde ich schon ein wenig weit hergeholt.

    Patrick

  8. Hannes Offenbacher says:

    mann könnte bei der diskussion noch hinzufügen, dass der ursprüngliche “erfinder” des blogs – diesen auch wirklich als art logbuch verstanden hat – also primär zum vermerken der eigenen route durchs WWW. da sind wir also heute auch schon weit weg… man könnte ja auch die theorie aufstellen, dass wir uns in sachen blogs in eine phase der differenzierung (in verschiedene typologien) begeben…

  9. Rück- und Ausblick mit Hannes » alliance.yoda.ch says:

    [...] Offenbachers Rück- und Ausblicke verweisen, die meiner Meinung nach eines der besten “Schriftstücke” dieser Art darstellen. Ich schreibe das nicht deswegen, weil Hannes meine Blogs kurz [...]

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