Von Löwen und Lämmern

Nov 25, 2007 5 Kommentare Allgemein
 

Es ist soweit. Spürbar kann ich – auch mithilfe von Google – sagen, dass Facebook auf dem besten Weg ist, den deutschsprachigen “Social Networking” Markt aufzuwirbeln. Warum? Seit einigen Wochen beobachte ich einen unglaublichen Anstieg meiner Facebook Aktivitäten, ausgelöst durch die intensiven Lockrufe vieler Blog Freunde. Und: Es sind nicht irgendwelche Freunde. Alle zählen zum Typus der “Vermittler”. Hochaktive Leute mit großem Bekanntenkreis – eine entscheidende Gruppe auf dem Weg zum Tipping Point (Der Punkt, ab dem das Wachstum exponentiell wächst).
.

socpic

.

Das Lamm. Oder: Die billige Kopie ohne Vision
.

StudiVZ scheint hingegen festgefahren. Technologischer Stillstand und eine negative Entwicklung in Richtung Dating- und Party Community, lassen das Netzwerk für Leute jenseits der Pubertät, zunehmend uninteressant werden. Vor allem die schlechte Gruppenstruktur besorgt den Rest. Zwar werden Gruppen bei StudiVZ exzessiv als identitätsstiftende Aussagen genutzt, doch wirklich los ist dort nichts. Zudem verbaut sich StudiVZ ein enormes Potential durch das Fehlen von entscheidenden Funktionen, wie die eines Gruppennewsletters bzw. der Möglichkeit eines Terminkalenders. Zwar bin ich mir sicher, dass hinter den Türen an einem Update gebastelt wird, aber dennoch würde ich keine StudiVZ Aktien kaufen. Die plumpe und aufdringliche Werbeplatzierung im Netzwerk zeugt auf jeden Fall nicht von Innovationsgeist, sondern von Ideenlosigkeit.
.

Der Löwe. Oder: Originale schmecken besser
.

Die Facebook Macher überzeugen auf ganzer Linie. Nicht zuletzt mit Ihrer „Social Network“ Revolution, als sie die Plattform für Fremd-Applikationen geöffnet haben. Das ganze System ist auch Aktivität ausgerichtet, besticht durch intelligente Basisfunktionen und eine unglaubliche Auswahl an Zusatzfunktionen. Langeweile – Fehlanzeige.
.

Weder noch. Oder: Das Netzwerk für Eltern
.

Und XING? Hier sehe ich eine klare Kulturgrenze, die XING vor Facebook schützt. Facebook ist jünger, dynamischer und schneller, was die meisten XING User auch völlig überfordern würde. Zudem ist XING mit seinem konservativen Image genau passend für die vielen 8-17 Uhr Arbeiter, die mit der Facebook Kultur wenig bis nichts anfangen könnten. Was jetzt natürlich nicht heißt, dass ich XING nicht nutze. Wie ich, bewegen sich viele „junge Wilde“ in Wirtschaftskreisen, wo gemäßigtes Auftreten einfach ein Muss ist. Vertreter des mittleren Managements – und allen die diese Zielgruppe aus geschäftlichen Gründen „suchen“ – haben mit XING die passende Umgebung gefunden.
.
Resümee: Facebook ist das jüngere XING und wird die billige Kopie StudiVZ brutal attackieren, was derzeit nicht schwer erscheint. StudiVZ muss zusehen, dass es das Gaspedal findet, um nicht überfahren zu werden. XING darf sich „noch“ sicher fühlen. Doch auch hier wäre eine Weiterentwicklung dringend nötig. Vor allem da linkedIn auf Europa zusteuert.
.

PS: Mich findet man auf jeden Fall mehr und mehr bei Facebook, vor allem aufgrund der tollen Gruppenstruktur und der hochaktiven User. Aber Vorsicht: Facebook ist auf „Pusch“ ausgerichtet. Heißt: Man erfährt im „Friends-Feed“ beinahe alles, was die Freunde so tun. Das kann dann auch mal anstrengend werden, vor allem wenn man Freunde hat, die beinahe jede Funktion erforschen, um Facebook Experte zu werden Smile
.
*Titel vom sehenswerten, gleichnamigen Film geborgt.


 

5 Kommentare zu “Von Löwen und Lämmern”

  1. Robert Lender says:

    Stimmt, Facebook kann ganz schön fordernd sein :-) Es ist eine eigene Welt, die man entdecken kann, wenn man möchte. Oder man reduziert sich auf die wenigen (oder mehr) Funktionen, die man nutzen möchte.
    Gerade die automatisierten Rückmeldungen der “Friends” über deren Aktivitäten sind es die Neugier auf mehr machen. Den/die eine/n überfordert es, die anderen haben ihren Spass daran. Die einen machen sich wenig Sorgen um Datenschutz und Privatsphäre und die anderen versuchen sich durchaus abzugrenzen.
    So oder so bleibt Facebook im Moment sehr spannend und entwickelt sich auch in meinem Umfeld massiv weiter. Was jetzt fehlt ist die “zweite Welle” derer, die zwar Web 2.0 affin (bitte jetzt nich um den Begriff streiten ;-) sind aber noch nicht in Facebook. Mal sehen, was das dann für eine Dynamik auslöst.

  2. Hannes Offenbacher says:

    ich denk da kommt was großes. habe heute das erste mal leute eingeladen. und immerhin habe ich xing auch schon 60 leute gebracht…. und die wiederum auch wieder …. und wieder und wieder…

  3. Besser|gehts|immer » Blog Archive » XING baut Facebook nach says:

    [...] wenigen Tagen habe ich XING, Facebook und StudiVZ miteinander verglichen. Ich bezeichnete Facebook als jüngeres Xing, vor allem aufgrund des „Friend [...]

  4. Patrick Fritz says:

    Würde mich interessieren ob du das mit Zahlen belegen kannst oder ob das reines Bauchgefühl ist?

  5. Hannes Offenbacher says:

    Servus Patrick! Meinst Du, ob Facebook schneller wächst? Oder das Facebook ein jüngeres Publikum anzieht als XING?
    Zahlen gibt es dazu wenig, aber ich arbeite gerade an einer Wachstumsstatistik von Facebook im deutschsprachigen Raum…

    PS: Es gibt nun auch Gerüchte, dass StudiVZ an Facebook verkauft wird… (!)

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentare abonnieren!