OpenSocial | Oder: Die große Degradierung

Nov 03, 2007 0 Kommentare Allgemein
 

Viele jubeln, wenige kritisieren. Google startet OpenSocial, einen einheitlichen Programmierstandard für in Social Networks eingebundene Zusatzapplikationen. Abgesehen davon, dass man damit weiter den gefährlichen „Eigentlich-Monopolisten“ Google mit Geld füttern wird, steigen viele Social Networks damit in ein Spiel ein, dessen Spielregeln sie wohl nicht mal verstehen. Denn OpenSocial ist nicht nur ein kostenloses Outsourcing von Applikationsentwicklung an Außenstehende, sondern auch die Aufgabe von Macht im eigenen Haus.
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pic by pixelio.de

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Fun Applikationen als Positionierungskiller

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Zu meiner Überraschung hat sich auch XING – wohl aus Gründen der Imagekorrektur, weg vom biederen Möchtegern Web 2.0 Netzwerk – der Sache angeschlossen. Details sind noch nicht bekannt, aber ich hoffe für XING, dass Sie nicht jedem die Tür öffnen. Ich habe ja eigentlich keine Lust, dass bei XING jemand „ein Schaf nach mir wirft“ oder mich „knuddelt“ (diese Funktion gibt es bei der Zusatzapplikation „SuperPoke“ bei Facebook). Man stelle sich folgende Benachrichtigung vor:
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“Lieber Herr Offenbacher! Ein Xing Kontakt hat Sie geknuddelt. Gehen Sie in Ihren Posteingang, um zurück zu knuddeln.”

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Natürlich gibt es Potential für viele spannende Business Applikationen, aber was würde XING tun, wenn eine „Flirt & Date“ Applikation eines Drittanbieters das XING Business Netzwerk überrollt? Laut COMDAO Interview mit Daniele Hinrichs ist so eine Funktion ja nicht erwünscht. Und wenn man auch verleitet ist zu sagen, dass sich solche Fun Applikationen bei XING nie durchsetzen würden, wäre ich mit so einer These vorsichtig. Für XING könnte es -bei totaler Freiheit für Drittanbieter – auf jeden Fall gefährlich werden. Die Business Positionierung könnte in starke Mitleidenschaft gezogen werden.

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Die Degradierung zum Infrastrukturbetreiber

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Und: Na klar ist es spannend, kostengünstig und faszinierend, wenn Außenstehende das eigene Netzwerk mit neuen Funktionen hochrüsten, aber in Wirklichkeit ist es eine Kapitulation vor der Geschwindigkeit im Web 2.0. XING hat bis auf einen heftig kritisierten Designwechsel (im Zuge der Namensänderung) und dem wenig erfolgreichen Start der XING PremiumWorld (die guten alten Postwurf Gutscheinhefte als Internetseite) und dem Marketplace (als Reaktion auf das rege Interesse der Headhunter und Job-losen an XING) nicht wirklich viel weiterentwickelt. Mit einer bedingungslosen Öffnung für OpenSocial Anwendungen würde man sich allerdings zu einem reinen Infrastrukturanbieter degradiert. Sollte man das als Social Network Betreiber wollen?

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Hilfe, wir brauchen Innovationen

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In meinen Augen ist die XING Entscheidung für OpenSocial vor allem ein Eingeständnis an die eigene Unfähigkeit, die gute Basis mit innovativen Entwicklungen zu versorgen. Das mag auch daran liegen, da XING von Anfang an in einer Partnerschaft mit epublica gefesselt war, wo also nicht begeisterte Gründer in die Programmiertasten gehauen haben, sondern „normale“ Angestellte einer Partnerfirma. Da muss es wohl an Spirit fehlen.

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50 Seiten Vertrag für den 16-jährigen Entwickler?

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Es bleibt offen, wie XING im Detail vorgeht. Viele geannten Gefahren werden wohl nicht real werden, denn ich denke/hoffe ja, das XING gleich wie bei den Gruppen nicht jeden einfach mitspielen lässt, sondern, dass man sich mit seiner Applikation bewerben muss. Auch wenn XING sich jetzt noch ganz “offen” gibt.
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“…we’re allowing thousands of programmers to code for our platform, all using known web-standards of HTML & Javascript. Our members themselves can choose which applications they adopt—who better?” Lars Hinrichs

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Bin auch gespannt auf die AGBs für Entwickler. Immerhin ist XING – als börsennotiertes Unternehmen – unter allen Social Networks in der schwierigsten Situation. Von Lockerheit ist man da vermutlich weit weg. Auch deshalb will ich diese Paarung einfach nicht als harmonisch empfinden. Vielleicht täusche ich mich auch. Abwarten.


 
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